Steinen „Wir Menschen bringen den Verkehr“

Eine gute und eine schlechte Nachricht hatten die Vertreter des Regierungspräsidiums in die Gemeinderatssitzung mitgebracht. Zuerst die schlechte: Der vierspurige Ausbau der B 317 wird nicht vor 2030 realisiert. Die gute: Die Verlegung der L 138 an die Bahnlinie erfolgt deutlich früher.

Von Harald Pflüger

Steinen. Ausschlaggebend dafür ist, dass der Landkreis Lörrach an der Peripherie Hauingens ein neues Kreisklinikum plant. Dazu sind im Vorfeld auf Lörracher Gemarkung Straßenumlegungsarbeiten notwendig, die Einfluss auf die Verkehrsführung nach Steinen haben.

Verlegung L 138

Bürgermeister Gunther Braun erläuterte die Pläne, die Landesstraße 138 parallel zur Bahnlinie nach Steinen zu führen. Dadurch würde der Verkehr vom Lörracher Wasserschutzgebiet „Wilde Brunnen“ ferngehalten, hätte aber zur Folge, dass die westliche Ortseinfahrt nicht mehr beim Schwimmbad, sondern beim Recyclinghof wäre.

Klaus Dullisch, Fachbereichsleiter Straßen, Verkehr und Sicherheit bei der Stadt Lörrach, erläuterte die Planung und warb für eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Wenn jeder sich auf seine Positionen zurückzieht, wird es schwierig.“

Ulrike Mölbert (Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf) sprach von gravierenden Auswirkungen, die die Verlegung der Landesstraße auf Steinen haben werde. Mölbert fürchtet eine Verkehrszunahme nach Inbetriebnahme der Kreisklinik und zudem bei einer engeren Taktung der Regio-S-Bahn „Stettener Verhältnisse“. Sprich: noch häufigere Schrankenschließungen.

Kreisel

Unstrittig ist, dass das im April 2007 in Betrieb genommene Provisorium – damals der größte Kreisverkehrsplatz Südbadens – mittlerweile zu Stoßzeiten überlastet ist. Die Folge sind kilometerlange Rückstaus und ein Fahrzeitverlust von rund zwölf Minuten. Mittlerweile wurde der Kreisel laut Regierungspräsidium wieder zu einer Unfallhäufungsstelle. Vor allem bei der Einfahrt B 317-West kracht es öfters. Aus diesem Grund hat das Regierungspräsidium eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben. Dazu gab es an drei Tagen in der Zeit von 6 bis 19 Uhr eine Verkehrszählung.

Christoph Thiele, Projektleiter beim Regierungspräsidium Freiburg, zeigte in der außerordentlich gut besuchten Gemeinderatssitzung auf, wie der Verkehr flüssiger gestaltet werden kann. Dabei spielt auch der vierspurige Ausbau der B 317 zwischen Lörrach und Maulburg eine gewichtige Rolle.

Die gute Nachricht, die Thiele mitbrachte: Die Planung für die Kreiselumgestaltung darf vorgezogen werden. Zu den Vorschlägen, die dem Gemeinderat unterbreitet wurden, gehört auch ein so genannter Turbokreisel mit zweispurigen Ein- und Ausfahrten, die dann wieder in einer Fahrspur münden. Laut Thiele wäre dieser Kreisel allerdings nur begrenzt leistungsfähig.

Eine Ampel, wie sie bis zum Bau des Kreisels in Betrieb war, würde nur für eine beschränkte Zeit zu einer Verbesserung führen. Zudem wäre deren Wirtschaftlichkeit aufgrund des hohen Aufwands fraglich.

Bei der Troglage der B 317 griff das Regierungspräsidium auf eine Studie aus dem Jahr 2004 zurück. Allerdings würde sich deren Bau aufgrund des bestehenden Kreisels schwierig gestalten. Die Alternative wäre eine Troglage der B 317 mit modifiziertem Kreisverkehr und einer Unterführung auf 323 Meter Länge. Bei einer Variante davon würde die Unterführung auf 100 Meter verkürzt.

Weiteres Vorgehen

Laut Christoph Thiele sollen nun alle Varianten geprüft werden und erste naturschutzfachliche Voruntersuchungen stattfinden. Aus einem Vergleich der verschiedenen Varianten soll sich dann eine Vorzugsvariante herauskristallisieren. Von der Vorplanung bis zum Bau rechnet Christoph Thiele im Idealfall mit einem Zeitraum von sieben Jahren.

Diskussion

„Wo steht denn geschrieben, dass der Autofahrer freie Fahrt hat?“, meinte Stephan Mohr (Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf) und forderte ein Umdenken. Das Ziel müsse es sein, den Verkehr von der Straße wegzubekommen. Im übrigen funktioniere der Kreisel mit Ausnahme von zwei bis drei Stunden am Tag.

Man dürfe nicht vergessen, dass die Zulassungszahlen bei Fahrzeugen steigen und der Online-Handel zusätzlichen Verkehr generiert, gab Dietmar Ernst (CDU) zu verstehen. Mehr Straßenbau verursache nicht mehr Verkehr, sondern der Mensch. Das zeigte Ernst am Dienstagabend der völlig zugestellte Parkplatz beim Haus der Sicherheit. Ferner bat Ernst, bei der Planung Fußgänger und Radfahrer nicht zu vergessen.

Weil Bundes- und Landesstraßen aber nicht im Zuständigkeitsbereich der Kommune liegen, erkundige sich Ulrike Mölbert (Gemeinschaft) nach den Einflussmöglichkeiten. Rudolf Steck (SPD) wünschte sich ein konstruktive Miteinander. „Bringen Sie etwas zukunftsfähiges auf den Weg“, appellierte Gabriele Kaiser-Bühler (CDU) an die Vertreter des Regierungspräsidiums.

Ausbau B 317

Wesentlich schwieriger als die Verlegung der Landesstraße dürfte sich der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 317 gestalten. Allerdings kann ein Ausbau nicht vor dem Jahr 2030 erfolgen.

Fragestunde

Die Bürgerfragestunde wurde am Dienstag rege genutzt. Aber nicht immer konnte Bürgermeister Braun auf die Fragen eine befriedigende Antwort geben, da die Zuständigkeit entweder beim Kreis, dem Land oder dem Bund liegt und die Ansprechpartner dort sitzen.

Tempo 30

Gebilligt hat der Gemeinderat am Dienstagabend den Antrag der Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf auf Tempo 30 rund um Schulen und Kindergärten; eine Ausnahme bildet Endenburg. Weil dort der Kindergarten außerhalb des Ortes in einer Tempo 100-Zone liegt, soll das Tempo auf 50 reduziert werden (wir berichten noch).

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