Terrorvorwürfe Prozess gegen Kölner Adil Demirci in der Türkei geht weiter

In Köln demonstrieren die Menschen für eine Freilassung Demirci's. Foto: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress Foto: dpa

Istanbul - Der Prozess gegen den Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci wegen Terrorvorwürfen in der Türkei geht heute (09.00 Uhr MEZ) weiter.

Demirci (33) sitzt seit April in Untersuchungshaft in Istanbul. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vor. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Es ist derzeit der einzige Prozess dieser Art gegen einen Deutschen, bei dem der Angeklagte noch persönlich vor Gericht steht. Andere wegen Terrorvorwürfen angeklagte Deutsche durften in den vergangenen Monaten ausreisen, während ihre Prozesse in Abwesenheit weitergehen, zuletzt Anfang Januar der Hamburger Dennis E..

Derzeit dürften in der Türkei noch vier Deutsche aus ähnlichen Gründen inhaftiert sein. Zwei wurden Ende 2018 bereits zu Haftstrafen verurteilt. In U-Haft sitzen weiter Adil Demirci und der Autor, Jurist und ehemalige Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes MIT, Enver Altayli. In Altaylis Fall gibt es noch keine Anklageschrift.

Demircis Anwalt Mustafa Peköz erwartet, dass Demirci heute freigelassen wird. "Es gibt keine seriösen Beweise in der Akte, die eine Fortsetzung der U-Haft rechtfertigen", sagte er. Bei der ersten Verhandlung Ende November seien zudem Mitangeklagte freigelassen worden, denen ähnliche Vergehen vorgeworfen würden.

Wie bei der Verhandlung im November wird aus Deutschland wieder eine Delegation von Prozessbeobachtern anreisen. Darunter sind der SPD-Abgeordnete Rolf Mützenich und der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff.

Demircis Bruder, Tamer Demirci, sagte der dpa, dass die Familie "sehr aufgeregt, aber auch zuversichtlich" sei. Der Prozess gegen seinen Bruder sei ein politisches Verfahren und das Ziel solcher Verfahren sei, unter Regierungskritikern Angst zu verbreiten. "Dem wollen wir uns nicht beugen", sagte Tamer Demirci. Auch sein Bruder sei optimistisch.

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