Theater Tempus fugit brilliert mit „Wider die Tyrannei“

Susanna Wipf Fischer
Laura Huber und Lisa Wilfert spielen ihre Rollen perfekt und agieren mit großem Einfühlungsvermögen mit dem Publikum. Foto: Susanna Wipf Fischer

Das interaktive Theaterstück von Tempus fugit, feierte Premiere – und stellte Schlüsselfragen der Gegenwart.

Am Freitagmorgen kamen rund 50 Jugendliche mit ihren Lehrkräften zu dieser Performance.

Die Leitfragen

Interaktives Theater setzt auf die Teilnahme des Publikums. Bereits beim Einlass wurden die Gäste persönlich begrüßt und mit Fragen zum Thema Tyrannei konfrontiert. „Was versteht ihr unter Tyrannei?“, „Fühlt ihr euch frei oder eingeschlossen“? Die Jugendlichen reagierten offen und neugierig auf die Fragestellungen und auf das bevorstehende Theatererlebnis, auf das sie im Unterricht mit Fragebögen der Theatercrew vorbereitet wurden.

„’Wider die Tyrannei’ setzt sich kritisch mit aktuellen tyrannischen Strukturen und konfliktreichen Ereignissen auseinander“, schreibt das Theater. Das Publikum könne für einen Abend erleben, was es heiße, Widerstand zu leisten – „auch im Kleinen, in der realen und in der digitalen Welt.“

Das Stück basiert auf Inspirationen der beiden Bücher von Timothy Snyder „Zwanzig Lektionen für den Widerstand“, entstanden 2017: zu Beginn der Amtsperiode von Donald Trump und der Illustration der Autorin Nora Krug über Snyders Lektüre der Tyrannei.

Ihr Buch ist der Ausgangspunkt der eindrücklichen multimedialen Performance: Auf einer kargen Bühne stehen zwei Gestalten, bewegen sich nicht, warten, bis das Publikum sich auf seinen Plätzen befindet.

Das Spiel verändert sich

Das Spiel beginnt, ein Spiel, das sich durch die Teilnahme der Zuschauer mit ihrem Abstimmungsgerät in der Hand verändert. Die Leitfragen: Was bedeutet Widerstand? Gegen wen kämpfen wir? Wo und wie wollen wir uns wehren? Wer ist hier der Spiel- und Spaßverderber? Wo wollen wir uns einsetzen? Wie verhalten wir uns gegen Nachrichtenüberflutung?

Das Spiel wandelt sich, die beiden Akteurinnen gehen aufs Publikum zu, fragen, beantworten Fragen, reagieren mit Feingefühl und Professionalität. Es wird kein Moment peinlich oder langweilig, sie wissen, wann sie weiterspielen müssen, wann sie sich wieder der Bühne zuwenden können.

Das Ensemble

Die Aktionen werden schließlich lauter, die Musik dringlicher, die Akteurinnen kämpfen sich durch ein Labyrinth, die Themen werden brisanter, die Stimmung im Theater spannend, knisternd. Das Geschehen geht unter die Haut, schockiert, macht nachdenklich. Das Spiel ist nicht linear, sondern dynamisch – und vor allem überraschend.

Laura Huber und Lisa Wilfert spielen ihre Rollen perfekt und agieren mit großem Einfühlungsvermögen mit dem Publikum: eine bewundernswerte Leistung.

Und: Das Theater bietet sehbehinderten Menschen mit einer Live-Audiodeskription einen Einblick in das gesamte Bühnengeschehen. Ein Sprecher kommentierte während der Aufführung über Kopfhörer die Handlung. Was die Augen nicht sehen können, wird durch die Sprache auch für behinderte Menschen zum Erlebnis. Eine reife Leistung des gesamten Tempus fugit-Teams.

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