1. Bundesliga in der Weiler Turnhalle der Leopoldschule: Der ESV träumt mit seinem Damen-Team vom Sprung in die Beletage. Eigentlich wollte man in dieser Saison schon den Angriff wagen. Doch daraus wird nichts. Spitzenspielerin Ievgeniia Vasylieva setzt aus. Sie wird Mama. Und so bleibt es erst einmal beim Traum.

Von Mirko Bähr

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Weil am Rhein. Deshalb brennt in Sportchef Serge Spieß trotzdem das Tischtennis-Feuer. Er kann es kaum abwarten, bis die neue Runde in der 2. Bundesliga endlich los geht. Jetzt, am morgigen Sonntag, 12 Uhr, ist es soweit. Dann reist der ESV ins Saarland zum ATSV Saarbrücken. „Das ist gleich ein richtungsweisendes Spiel“, weiß er. Schließlich gehöre Saarbrücken zu den vermeintlich schwächeren Teams in der zweithöchsten Spielklasse der Republik.

„Da müssen wir gewinnen“, redet Coach Alen Kovac nicht lange um den heißen Brei herum. „Klar, die Saison ist noch lange, aber wenn wir verlieren, dann wissen wir, dass wir gegen den Abstieg spielen.“ Saarbrücken wurde im Vorjahr Vorletzter, entging dem Abstieg nur, weil zwei Teams hinauf in die erste Liga gingen.

„Nicht nur ich bin gespannt, auch im Umfeld freut man sich, dass es los geht. Ich werde oft darauf angesprochen“, sagt Spieß und hofft wieder auf die treue Fangemeinde, die in der Heimspielstätte für eine tolle Atmosphäre sorgen. Sie werden neue Gesichter sehen und anfeuern dürfen. „Gewisse Veränderungen tun doch immer gut“, meint Spieß. Natürlich wolle man niemand los werden, aber Wechsel innerhalb des Teams seien keinesfalls etwas, wovor man Angst haben müsse.

Angst habe er auch nicht vor der kommenden Spielzeit. Trotz des Ausfalls der Führungsspielerin aus der Ukraine, die mit ihrer Ruhe und Besonnenheit so etwas wie den Gegenpol zur explosiven, sehr aktiven Charlotte Carey ausstrahlte, ist für Spieß ein Mittelfeldplatz natürlich machbar. „Die Liga wird immer stärker, wir können uns auf spannende Duelle gefasst machen“, ist er sich sicher. „Ein Platz zwischen vier und sieben wäre gut“, findet Kovac. Gehe es im April oder Mai gegen den Abstieg, dann werde wohl Vasylieva im Notfall eingreifen.

Die Nummer eins hatte frühzeitig die Verantwortlichen in Kenntnis gesetzt, dass sie Mama werde und erst einmal pausiere. „Aber sie wollte auch bei uns bleiben“, freut sich Spieß, schließlich sei sie sportlich und menschlich „eine echte Hausnummer“.

Dass die Weiler meist ein glückliches Händchen mit ihren Neuverpflichtungen beweisen, liegt auch ein Stückweit an Tom Eise, der sich im Nachwuchsbereich bestens auskennt und sehr gut vernetzt ist. Er ist so etwas wie der stille Berater im Hintergrund. „Das ist hervorragend“, freut sich Spieß über die Mithilfe des Eigengewächses, der bereits seinen ersten Trainerschein in der Tasche hat und immer wieder als Sparringspartner für die jungen Talente an die Platte geht.

So wie bei Vivien Scholz. Die 21-Jährige kommt vom Ligakonkurrenten MTV Tostedt und ist wie Qian Wang im Internat in Düsseldorf zuhause. Spieß hat Scholz bei den Deutschen Meisterschaften genauer beobachtet. „Herrvorragend“ habe sie da aufgespielt, wie auch vor 14 Tagen im Qualifikationsturnier zum Pokal-Final-Four, als sie schon den Sieg gegen Nationalspielerin Kristin Lang „auf der Kelle“ hatte, dann aber doch noch verlor, wie Spieß feststellt.

Wan, die vergangene Runde noch in der U18 den Schläger schwang, ist die zweite Neue im Bunde. „Sie ist sehr trainingsfleißig und ein nettes, junges Mädel“, findet Spieß, der gespannt ist, wie sich die letztjährige Drittliga-Spielerin in Liga zwei so schlägt.

Geblieben sind in Weil die Waliserin Carey und die Belgierin Eline Loyen. Die Vasylieva-Vertreterin an der Spitzenposition, findet Trainer Kovac, habe sich im Vergleich zum Vorjahr „etwas verbessert“. Ob es aber reicht, „Xenia“ zu ersetzen, das sei eher fraglich. „Sie ist eine echte Fighterin, keine Frage, aber sie ist jung und ihr fehlt noch Vasylievas Erfahrung“, erklärt Kovac. Die Ukrainerin besitze ein enormes Gefühl für die Spielsituation.

Loyen müsse zulegen, sagt Kovac. „80 Prozent“ ihrer Spiele soll sie gewinnen. „Das muss auch ihr Anspruch sein.“ Das sei reine Kopfsache bei ihr.