Tischtennis Dickes Lob vom heißen Rivalen

Positiver Heißsporn und ESV-Freund: Alexander Daun vom TuS Uentrop.Foto: zVg/Rene Golz Foto: Die Oberbadische

An der Platte sind sie harte Rivalen, geht es nicht um Punkte, ist das Verhältnis freundschaftlich. Es gibt sie noch, die schönen Geschichten im Sport. Auch in den oberesten Spielklassen, wo Profis ihrer Arbeit nachgehen. Alexander Daun ist aus dem Häuschen und hat nur lobende Worte für den Widersacher ESV Weil und seine Strippenzieher übrig.

Von Mirko Bähr

Weil am Rhein. Es kommt selten vor, dass das Redaktionstelefon klingelt und die Person am anderen Ende der Strippe mit freudig erregter Stimme einfach nur ein dickes Lob loswerden möchte. Diesmal war das aber so. Alexander Daun, seines Zeichens Trainer und Manager des TuS Uentrop, wollte sich auf diesem Wege bei Doris und Serge Spieß vom ESV bedanken.

Was war passiert? Eigentlich sollte der Verein aus Hamm/Westfalen gestern in der Sporthalle der Leopoldschule antreten. Das Spitzenspiel der 2. Bundesliga zwischen dem Tabellenzweiten und Ranglistendritten stand auf dem Programm.

Noch bevor der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) aufgrund der Corona-Krise sämtliche Begegnungen absagte, hatte bereits Daun eine Entscheidung gefällt: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, das Für und Wider abgewogen und schlussendlich das Spiel Schwerenherzens abgesagt.“

Daun: „Ich wusste eben nicht, wie sich alles entwickelt. Mein größtes Problem war nicht das Spiel selbst, sondern die Ungewissheit, ob meine Spielerinnen, die aus dem Ausland anreisen, auch wieder zurück in ihre Heimatländer dürfen.“ Die Absage sei ihm nicht leicht gefallen, so sei die Auswärtsfahrt nach Weil zwar die längste der gesamten Saison, doch die Atmosphäre immer wieder „schön“. Daun: „Das sind immer heiße Partien.“

Weiler zeigen mehr als nur Verständnis

Das Risiko sei dem 32-Jährigem dann zu groß gewesen, was er dem Verband und dem ESV mitteilte. Die Weiler Verantwortlichen, die das Spiel durchziehen wollten, schließlich geht es um die Meisterschaft und den Aufstieg in 1. Bundesliga, hätten für seine Entscheidung viel Verständnis aufgebracht.

Mehr noch. „Sie verzichten auf Geld“, macht Daun klar, und das obwohl das doch gerade in den Randsportarten auf diesem Niveau alles andere üppig vorhanden sei. Neben den entgangenen Eintrittsgeldern wären auch die Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb ausgeblieben.

Und laut Wettspielordnung heißt es außerdem: „... tritt eine Mannschaft in der Rückrunde als Gastmannschaft nicht an, so sind der Heimmannschaft auf Antrag Fahrtkosten für das Hinspiel gemäß den Richtlinien des zuständigen Verbandes zu erstatten...“ Sprich: Die Weiler hätten die Fahrt nach Hamm geltend machen können.

Die Situation sei so wie sie sein, hätten Serge und Doris Spieß ihm gegenüber gesagt: „Alex, wir werden in dieser Situation von dieser Regelung keinen Gebrauch machen.“ Diese Reaktion sei keinesfalls normal und zeige ihm, wie „toll und familiär dieser Verein ist und wie gut dieser geführt wird“.

„Als Außenstehender, ja sogar als Rivale muss ich der Region am Oberrhein das so auf diesem Wege mitteilen und dem ESV Danke sagen“, lässt Daun wissen und hofft, dass der Verein auch in Zukunft von Unterstützern gefördert werde.

„Der ESV Weil und der TuS Uentrop, das Ehepaar Spieß und meine Wenigkeit, sind seit Jahren sehr heiße Rivalen in der 2.Bundesliga, aber wir sind in der Sache vereint“, lässt Daun wissen.

Nach der generellen Absage des Spielbetriebs steht nicht fest, wie die Partie nun gewertet wird. Mindestens bis zum 17. April ruht der Tischtennisball. Wie es dann weitergeht, steht noch in den Sternen.

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