Tischtennis Gegen Superstar nur knapp verloren

Vivien Scholz
Die USA zieht Vivien Scholz in ihren Bann.Archivfoto: Grant Hubbs Quelle: Unbekannt

„Ich wäre am liebsten dortgeblieben“ - Meine aufregende Amerikareise

Von Vivien Scholz

Weil am Rhein. Nun ist es schon viele Wochen her, doch in meinem Kopf kreisen immer noch viele Gedanken um die besonderen Ereignisse in den USA. Da ich vor einem halben Jahr angefangen habe, die WTT-Turniere um Weltranglistenpunkte zu bestreiten, reise ich nun in die verschiedensten Länder, um mich mit den Allerbesten zu messen.

In den USA habe ich zuvor noch nie Tischtennis gespielt. Es fand hier ein WTT-Turnier in Freemont in der Nähe von San Francisco statt und eines in Westchester, New York. Bevor ich am ersten Turnier in Freemont startete, trainierte ich eine Woche in einem der besten Clubs in den USA, dem „888“. Mein ehemaliger Internatstrainer aus Düsseldorf, Jörg Bitzigeio, ist hier der leitende Coach geworden und lud mich zum Training ein.

Das Zentrum ist super modern. Doch erstmal zu dieser tollen Halle hinzukommen, war gar nicht so einfach. Mein Anschlussflug in Barcelona wurde um drei Tage nach hinten verschoben. Also erlebte ich erst einmal ein bisschen die spanische Luft und machte mir eine schöne Zeit dort mit Training und einer Hop-on-Hop-off-Tour durch Barcelona. Dann ging es endlich nach San Francisco.

Wie schon so oft in meiner Laufbahn war ich die einzige weibliche Person beim Training. Ich fühlte mich trotzdem sehr wohl, da die Amerikaner wie auch die Nationalmannschaft aus Barbados, welche sich dort vorübergehend einquartiert hatte, mich herzlichst integrierten. Die Jungs aus Barbados haben mir sogar einige der schönsten Ecken in San Francisco gezeigt.

So kam es, dass ich einen Blick auf die Golden Gate Bridge erhaschte, das blühende Leben in Chinatown aufsog und von weitem die Umrisse des legendären Alcatraz sah. Mein ehemaliger Trainer und seine Frau haben mit mir mit Blick auf den Union Square auch die aus The Big Bang Theory bekannte „Cheesecake Factory“ besucht.

Neben den schönen bleibenden Eindrücken muss ich zugeben, mich auch einmal mit meinem Scooter im gefährlichen Armenviertel von San Francisco verirrt zu haben. Diese Bilder habe ich nicht mehr aus meinem Kopf bekommen.

Wo im Supermarkt ein Apfel drei Dollar kostet

Wirklich erstaunlich, wie Straßen, in denen ein Apfel drei US-Dollar im Supermarkt kostet, direkt neben Gassen liegen, in welchen sich am helllichten Tag vor aller Augen Drogen gespritzt werden. Neben dem Training habe ich im Club 888 auch zweimal in einer „League“ mitgespielt.

Über die „League“ hinaus hat „888“ auch ein Preisgeldturnier angeboten, das sehr stark besetzt war. Es wurden allerdings Männer und Frauen in einen Lostopf geworfen, was die Angelegenheit für die Frauen ganz schön schwierig gestaltete. Obwohl ich ein gutes Turnier gespielt habe, war im Achtelfinale Schluss. Es ist mir nicht gelungen, am Ende mit einem Gewinn nach Hause zu gehen.

Die beiden WTT-Turniere liefen eher unspektakulär ab. Man könnte es so beschreiben: gut gespielt, aber auf noch bessere Gegner getroffen. So verlor ich in beiden Turnieren in der Runde der letzten 32. Einmal gegen den US-Superstar Lily Zhang und einmal gegen die Taiwanesin Liu Hsing-Yin. Auf das Spiel gegen Liu bin ich allerdings etwas stolz, da ich sie bis zum Satzausgleich von 2:2 ganz schön ärgern konnte. Im Doppel ist es mir mit meiner italienischen Partnerin gelungen, bis ins Halbfinale vorzudringen.

Ich habe auch in New York noch viele spannende Begebenheiten außerhalb der Turnhalle erlebt. So habe ich zum Beispiel meine alte Schulfreundin nach vier Jahren wieder getroffen, da sie sich aufgrund eines Tennis-Stipendiums in den USA befindet.

Aus dem Gleichgewicht hat mich allerdings die Geschichte gebracht, dass mich in einer der Unterkünfte eine große, dicke Ratte um 6 Uhr morgens beim Durchwühlen des Mülleimers aus dem Schlaf gerissen hat. Wesentlich erfreulicher war es hingegen, als ein Sponsor Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir zeigte. So bin ich nichts ahnend auf einmal gemeinsam mit einer anderen Spielerin bei einem Tischtennis-Videoshooting in New York gelandet.

Am letzten Tag der Reise habe ich mit Tischtenniskollegen noch New York besichtigt, inklusive des Central Parks, der Brooklyn Bridge, des Empire State Buildings, Trump Towers, Rockefeller Centers und natürlich der Freiheitsstatue (allerdings nur von Weitem). Insgesamt kann ich nach so viel positiver Aufregung den weit verbreiteten, in seinen Bann ziehenden Ruf Amerikas voll verstehen: Ist man erstmals angekommen, will man gar nicht wieder weg.

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