Todtnau „Die großen Sachen kommen noch“

Ein ganzes Jahr in einer Stunde – das schaffte Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner beim Neujahrsempfang in seinem Rückblick auf 2019. „Eine Übersicht, was in einem kleinen Schwarzwaldstädtchen so alles passiert“, nannte er das. Und diese wollten knapp 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft, Vereinen und Schulen, Bürgermeister, Vertreter von Polizei und Bundeswehr, Ehrenbürger, Jungbürger und Bürger aus allen Ortsteilen gerne hören.

Von Ulrike Jäger

Todtnau. Musikalisch umrahmt wurde der Empfang von Flötistinnen der Musikschule Oberes Wiesental.

Von zahlreichen Herausforderungen sprach das Stadtoberhaupt, von großen Sorgen, aber auch von erreichten Zielen. So wurden zwei Millionen Euro in die Schwimmbadsanierung in Todtnau investiert, ein „großes Paket“ sei das gewesen, ein größeres folge mit dem Umbau des Alten- und Pflegeheims.

Ganz neue und ungewohnte Sorgen bereite nun der Wald. Habe der zehntgrößte Deutschlands und viertgrößte Stadtwald Baden-Württembergs früher 500 000 Euro Reinertrag gebracht, gebe es im Jahr 2019 ein Minus in derselben Höhe. „Eine Million, die fehlen wird“, sagte Wießner.

Weitere Sorgen bereiteten die Straßen- und Brückensanierungen, ein großer Brocken im wahrsten Sinne ist und wird die Hangsicherung in Geschwend, hier war im Frühjahr ein tonnenschwerer Fels auf einen Garagenplatz gekracht, im November dann mussten 80 Geschwender ihre Häuser verlassen, weil weitere Felsabgänge befürchtet wurden.

„Die Arbeit geht jetzt erst richtig los“

Viel Applaus gab es für Wießners Dank an die Geschwender Bürger für ihre Geduld und Verständnis. Die Arbeit dort gehe jetzt erst richtig los, sagte Wießner mit Blick auf die sechs noch zu sichernden Felsen und den Zaunbau.

„Die meisten großen Sachen kommen noch“, sagte er auch mit Blick auf das Regenüberlaufbecken, die Brandschutzmaßnahmen im Kurhaus Todtnauberg, die Neugestaltung der Ortsmitte Muggenbrunn oder den anstehenden und bei laufendem Betrieb zu meisternden Umbau des Altenheims.

Die Stadtsanierung III schreite voran, dem Abbruch der ehemaligen Metallwerke Todtnau stehe allerdings gerade eine Fledermaus entgegen, der Abbruch des Gebäudes Wissler-Bürsten sei genehmigt, jedoch geknüpft an die Baugenehmigung des dort geplanten Parkhauses.

Aftersteg sei nun nach zehn Jahren Wartezeit in den Flurneuordnungsplan aufgenommen, neue Bauplätze seien in Todtnau ausgewiesen. Wießner bedauerte, dass in Todtnau ein Mangel an Gewerbeflächen besteht und hob die Initiative der Familie Muschelknautz hervor, die mit ihrer jungen Firma Waldkraft nun bereits expandiere und hier in das Gebäude der Firma Dietsche nach Aftersteg umziehe.

Sein Dank ging aber an alle Unternehmer, die Arbeitsplätze schafften, und ein ganz persönlicher Dank ging an das Team von Thomas Honeck und Bertold Wunderle im Gesundheitszentrum. Hier habe man ihm bei seinem monatelangen Rückenleiden sehr geholfen, betonte Wießner.

Mit den drei weiteren neuen Ärzten sei die Zukunft des Gesundheitszentrums Todtnau auch gesichert, was die Gäste mit Applaus belohnten. Im Bereich Tourismus sei das Hotelprojekt in Todtnauberg, an dem zehn Jahre lang gearbeitet wurde, mit einem Bürgerentscheid abgelehnt worden, bedauerte Wießner. Doch würde nun das Hotel Rübezahl in ein Aparthotel umgebaut, in Herrenschwand sei ein neues Gästehaus geplant, mit der Erneuerung des Stübenwasenlifts in Todtnauberg werde es ernster, und der Notschrei sei nun ganz neu als Bundesstützpunkt nordisch und paralympisch festgelegt, berichtete Wießner.

Fürs Parken muss man halt bezahlen

Am Radschertparkplatz werde eine Parkraumbewirtschaftung eingerichtet, „das heißt nichts anderes, als dass Sie dann eben bezahlen müssen“, sagte der Bürgermeister und rief damit Gelächter bei den Gästen hervor.

In diesem Zusammenhang sagte er, dass eine Verbesserung in der Kommunikation mit den Bürgern und dem Informationsfluss geplant sei. Wießner zählte dann einige Jubiläen von Firmen auf wie das 100-jährige Bestehen von Mode Asal oder 150 Jahre Keller-Bürsten.

In diesem Jahr würden 100 Jahre Firma Gottlieb Ebser und 250 Jahre Bürstenbinderei Leodegar Thoma in Verbindung mit der Eröffnung des Bürstenmuseums im September gefeiert.

Eine Bürgerin, die maßgeblich an diesem Projekt beteiligt ist, heißt Monika Schneider, die an diesem Abend die Bürgermedaille, die höchste Auszeichnung Todtnaus, erhielt.

Todtnau (jä). Am Ende des Neujahrsempfangs wurde Monika Schneider die Bürgermedaille verliehen. Bürgermeister Wießner zeigte das kulturelle Engagement und die zahlreichen verschiedenen Funktionen der langjährigen Kommunalpolitikerin auf, deren Vater einst Bürgermeister in Todtnau war.

Die ehemalige Vorsitzende des Kulturhausvereins und jetzige Projektleiterin des Bürstenmuseums, dessen Eröffnung im September gefeiert wird, sieht sich der Geschichte Todtnaus, ihrer Darstellung und Würdigung in besonderem Maße verpflichtet. Sie sei ein politischer Mensch „von Geburt an“, sagte Monika Schneider in ihren Dankesworten. Vieles habe sie bewegt, deshalb wollte sie auch etwas bewegen. Diese Ehrung sei ein weiterer Impuls, den begonnen Weg mit Gelassenheit weiterzugehen.

„Ich bin doch noch gar nicht fertig“, sagte sie beim Erhalt der Medaille, auch das Bürstenmuseum sei noch nicht fertig, aber es werde ein Projekt sein, das alle interessieren werde, ist sie sich sicher. Die Textilindustrie liege am Boden, doch im oberen Wiesental sei die Bürstenindustrie obenauf. Ihr besonderer Dank ging an alle Mitstreiter und vor allem an ihren Mann Bernd Schneider, der sie stets unterstützt und begleitet habe.

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