Todtnau Viele große Projekte stehen an

Verena Wehrle

Neujahrsempfang: Rückblick auf zwei anstrengende und ereignisreiche Todtnauer Jahre

Mit einer „absoluten Rekordbeteiligung“ mit nahezu 300 Gästen feierte die Stadt Todtnau am Montag ihren Neujahrsempfang in der kleinen Turnhalle. Es war die letzte Neujahrsrede für Bürgermeister Andreas Wießner.

Von Verena Wehrle

Todtnau. „Es waren sehr anstrengende Jahre“, sagte Wießner sehr ehrlich. Und: „Es war turbulent in allen Bereichen, wir haben gigantisch viel gearbeitet, viel gebaut und wenig gefeiert, weil wir nicht durften“, fasst der Bürgermeister die vergangenen zweieinhalb Jahre zusammen. Bei seinen Bürgern bedankte er sich für die Disziplin in der Pandemie, einer Phase, in der er große Angst gehabt habe, etwas Falsches zu entscheiden. Hinzu kam der Ukraine-Krieg, Todtnau habe 142 Menschen in Not aufgenommen.

In seinem Streifzug durch die Jahre präsentierte Wießner zunächst das neue Logo der Bergwelt Todtnau. Dann wollte er mit dem Stadtwald „angeben“, wie er sagte. Für 2021 hatte man dort mit einem Defizit von 225 000 Euro gerechnet, herausgekommen sei jedoch ein Plus von 600 000 Euro. Und auch 2022 liege der Stadtwald-Umsatz bei 500 000 Euro. „Ohne dieses Ergebnis könnte in Todtnau vieles nicht realisiert werden“, so Wießner.

Die Sorgenkinder

Er sprach aber auch einige „Sorgenkinder“ an. Etwa die Besetzung der Stelle für einen neuen Stadtkämmerer: 18 Monate habe man gesucht, zum 1. April könne man die Stelle nun endlich neu besetzen. Auch die Radschertstraße in Todtnauberg und die Hohfelsstraße in Muggenbrunn seien Sorgenkinder, da sie immer noch nicht saniert seien. Für beide Straßen müssten die Anwohner 95 Prozent der Sanierungskosten selbst tragen. Und noch ein Sorgenkind: Die Kreuzung auf der Bundesstraße in Schlechtnau, die ebenfalls seit vielen Jahren auf sich warten lasse. „Richtig anstrengend“ sei auch das Thema Denkmalschutz in Geschwend gewesen: „Ich habe selten so ein Hick-Hack erlebt“, so Wießner. Stand heute habe das Landratsamt die Baugenehmigung für den Neubau erteilt, allerdings habe sich eine Bürgerinitiative gegründet, und jetzt gehe es wieder von vorne los.

Auch auf die Felsstürze in Geschwend und in der Freiburgerstraße blickte Wießner zurück, die 5 Millionen Euro an Kosten verursacht hätten.

Die großen Projekte

Hohe Kosten kämen auf die Stadt auch aufgrund der aktuellen Sanierung der Abwasserbeseitigung zu. „Über 5 Millionen Euro sind es, die wir im wahrsten Sinne des Wortes verbuddeln.“

Er informierte über das große Paket der Stadtsanierung 3. Zwei Jahre Bauverzögerung habe es gegeben wegen einer Fledermaus, der die Stadt dann ein „Wohnzimmer“ im Haus des Gastes gebaut habe. In der kommenden Woche sollen endlich die Bagger kommen und das ehemalige Lonardoni-Areal abreißen.

Als größtes städtisches Projekt nannte Wießner den Busbahnhof. Hier soll die Feuerwehr hinverlagert werden. Zudem müsse dann womöglich das geplante Parkhaus, der Edeka und der Busbahnhof unter einen Hut gebracht werden. Sobald klar ist, wie das Areal aussehen soll, soll es dazu eine Bürgerversammlung geben.

In Todtnau sei das Baugebiet Sonnhalde fertig bebaut. Was dem Bürgermeister jedoch große Sorgen bereite, sei, dass man den großen Bedarf an Gewerbeflächen nicht erfüllen könne.

Blick auf die Ortsteile

Beim Blick auf die Ortsteile erinnerte Wießner an die neue Flurneuordnung von Aftersteg für 1,3 Millionen Euro, an die Sanierung des Glasbläserhofes und das neue Baugebiet in Aftersteg sowie die neue Feuerwehr-/Bergwachtwache und die neue Dorfmitte in Muggenbrunn. Viel Zeit habe der Bau des neuen Gehwegs in Brandenberg gekostet, sehr teuer wiederum sei der neue Gehweg in Präg gewesen.

Der Tourismus

In Bezug auf den Tourismus sagte Wießner: „Es läuft wieder langsam an, aber noch nicht so wie vor der Pandemie.“ Große Projekte wie der Radschert-Parkplatz in Todtnauberg seien im Endausbau, hier benötige man noch einige Wochen. 300 Parkplätze wird es hier geben. Ein „tolles neues Projekt“ sei das geplante „Bergleben“-Feriendorf in Fahl.

Am Wasserfall gebe es gleich zwei Baustellen mit dem neuen Kioskgebäude, das die Stadt seit acht Jahren plane. Ein Drittel der Kosten von 1,3 Millionen Euro trägt die Stadt selbst. Und spannend sei der Bau der Hängebrücke, die Wießner selbst nie überqueren will. Große Planungen mache auch der Liftverbund Feldberg, der einen Masterplan erstellt hat mit Kosten von rund 30 Millionen Euro. Und auch die Vereine Notschrei Loipe und Nordic Arena werden demnächst 3 Millionen Euro investieren in die Erneuerung der Biathlon-Anlage.

Auch die Sanierung des Alten- und Pflegeheims sprach er an mit der Aufstockung von 71 auf 90 Zimmer und einem Kostenumfang von 7 Millionen Euro. „Der Umbau ist eine Riesen-Herausforderung im laufenden Betrieb.“

Das Biosphären-Zentrum

Doch das „mit Abstand größte Projekt, das Todtnau je gehabt hat“, ist laut Wießner der noch anstehende Bau des Biosphären-Besucherzentrums. 141 Architekten hatten sich um den Bau beworben. „Für die Region ist es eine Riesen-Bereicherung“, so Wießner. Er würde sich wünschen, dass er den Spatenstich noch in seiner Amtszeit erlebe, sagte der Bürgermeister, der noch bis im September im Amt ist.

„Es ist einiges passiert“, fasste Andreas Wießner am Ende zusammen. Nach seiner gut zweistündigen und letzten Neujahrsrede zollten ihm die Bürger mit stehenden Ovationen ihren Respekt.

Für die musikalische Unterhaltung beim Neujahrsempfang sorgten von der Musikschule Oberes Wiesental: Clara Costa, Amara Igwe, und liana Schierer (Violinen) und am Klavier Arne Marterer.

Weitere Informationen: Die Stadt Todtnau hat aktuell 4 900 Einwohner und 94 Vereine.

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