Todtnauer Narrengericht Dreiste Diebe und Getränke-Pfuscher

Verena Wehrle
Da ist was los: Die Dillldappen-Mädels demonstrieren im hohen amtlichen Narrengericht. Foto: /Verena Wehrle

In diesem Gerichtssaal ist so gar nichts ernst zu nehmen: Drei Strafsachen wurden vor dem Todtnauer Narrengericht mit jeder Menge Gaudi verhandelt und alle Täter wurden schuldig gesprochen. Die Richter hatten sich wieder originelle Strafen überlegt.

Wenn der Hammer zwei Mal schlägt, gilt „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ beim hohen Todtnauer Narrengericht. Trotz Regen war dabei viel los auf dem Marktplatz. Das Publikum war für die Zwischenrufe zuständig, um ihre angeklagten Freunde zu unterstützen. Doch dies brachte die ehrenwerten Narrenrichter Roland „Paule“ Walleser, Jürgen Wehrle und Dominik Günther nicht aus dem Konzept.

Der Fleck muss weg

Zuerst wurde Walter Mühl von Kläger und Narrenpolizist Noldi Seger auf die Anklagebank geführt. Der Ranzengardist hielt seinen Meineid eher flüsternd und stark abgewandelt. Der Tatvorwurf: Er soll sich vor dem Narrengericht im vergangenen Jahr Gulaschsuppe auf seine Uniformhose geschüttet haben und daraufhin die weiße Kopfbedeckungs-Schutzhülle der Marketenderin Karola Augenblick als Überzieher missbraucht. haben. Diese trat – völlig verzweifelt – in den Zeugenstand, da es ja nur noch so wenige große „Gugge“ (Plastiktüten) gibt. Und Seger hatte als Alternative eine Riesenwindel präsentiert. Der Verteidiger Matteo Abbate hatte keine Chance.

Als Strafe muss Mühl am heutigen Verurteiltenball als Riesenbaby in XXL-Windel erscheinen und im selbst gebauten Mega-Kinderwagen in den Saal geschoben werden.

Die Narrenrichter Jürgen Wehrle, Roland Walleser und Dominik Günther (von links) /Verena Wehrle

Dilldappen als dreiste Diebe

Beim zweiten Fall saßen gleich vier Angeklagte auf der Bank: Die Dilldappen Christian und Johannes Binder, Harald Steck und Timo Walleser. Richter Walleser wechselte wegen Befangenheit seine Robe mit Volker Kaiser. Und schon gleich war großer Tumult auf dem Marktplatz: Die Dilldappen-Mädels demonstrierten mit großen Schildern, tanzend und rufend:„Dilldapp frei“. Und auch auf der Anklagebank war es mehr als unruhig. Der Tatvorwurf: Die Angeklagten wollten beim Narrengericht im vergangenen Jahr das Beweisstück aus einem Fall, einen Scheibenbock, in einem Anhänger verstauen. „Dreister Diebstahl“, nennen es die Narrenrichter. Die drei Zeugen Bernhard „Pi“ Steinebrunner, Markus Steiger und Peter Hanning hatten den Vorgang mit Adleraugen beobachtet.

Unter Buh-Rufen wurden auch diese Täter schuldig gesprochen. Verkleidet als märchenhafte Scheibenköniginnen müssen sie einen grazil einstudierten Scheibenschiebertanz vorführen.

Großes Test-Trinken

Der Regen wurde immer stärker, die behandelten Taten immer schlimmer. Denn die dritte Strafsache ist wohl – aus Sicht der Todtnauer Narren – das höchste Vergehen überhaupt: Die Angeklagten Conny Wehrle, Elke Dietsche und Anja Wunsch haben am Rosenmontag Asbach-Cola ohne Asbach ausgeschenkt. Als „kriminelle Machenschaften auf Kosten anderer“ betitelten die Richter diese Tat. Die Angeklagten präsentierten den Richtern ihre Getränke-Mischung.

Als Zeuge trat schwärmend Ex-Münz-Wirt Erwin Hartmann auf, der mit so einem Asbach, seine Gaststätte sofort wieder öffnen würde. Und dennoch: Die Richter ließen auch nach dem großen Test-Trinken keine Gnade walten. Die Damen müssen als Servierschlitten im Hawaii-Outfit einen Tanz sowie Akrobatik vorführen.

Die Strafen werden am heutigen Dienstag am Verurteiltenball, um 18 Uhr, in der Eisdiele Piazzetta vorgeführt. Um 21 Uhr findet dann die Fasnachtsverbrennung auf dem Marktplatz statt.

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