Stuttgart - Vor ein paar Jahren noch war es nur das sogenannte Arschgeweih. Inzwischen kennt der bunte Körperschmuck vor allem bei Fußballern und Musikern keine Grenzen mehr. Junge Menschen eifern dem nach und lassen sich immer häufiger tätowieren. Doch was, wenn der Fall eintritt, vor dem die Eltern immer gewarnt haben – und einem das Tattoo Jahre später nicht mehr ­gefällt?

Ralf Merkert ist leitender Arzt des ­Laser- Haut-Therapie-Zentrums in Stuttgart und hat wöchentlich bis zu 20 Patienten, die sich ihre Tattoos entfernen lassen wollen. Oft, weil die Bilder auf der Haut im Beruf ­unerwünscht sind oder dem neuen Partner nicht gefallen. „Hier ist keine Tendenz zu einer höheren Toleranz zu erkennen“, sagt Merkert. Meist sei es jedoch der Tätowierte selbst, der seinen Geschmack geändert habe.

„Die Jugendsünde ist sicher immer noch einer der Hauptgründe für Tattoo-Entfernungen“, bestätigt Hans-Detlef Axmann, Facharzt für Plastische und Ästhetische ­Chirurgie in Hannover. Mit modernen Lasern können Tattoos zwar ohne große Risiken behandelt werden. „Die meisten Patienten erwarten aber: Das Ding muss weg. Das geht so nicht“, sagt Axmann. Wie gut die Entfernung klappt, hänge vor allem von den verwendeten Farben ab und davon, wie tief die Farbpartikel ins Gewebe gestochen wurden.

„Laientattoos, die man als Urlaubsandenken am Strand verpasst bekommt, sind meist nicht so tief gestochen. Sie lassen sich meist gut behandeln und entfernen“, sagt der Stuttgarter Arzt Ralf Merkert. Bei ­professionellen Tattoos hingegen sei die ­Einstichtiefe eine andere.

Was die Farben angeht, wird es schon etwas komplizierter. Wurde reines Material verwendet, sollte die Entfernung kaum ein Problem darstellen. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um Mischfarben. Dann braucht es ein großes Spektrum an verschiedenen Lasern, um behandeln zu können. Darüber verfügt jedoch nicht jeder Arzt.

Patient muss mit grauem Schleier rechnen

Denn jeder Laser arbeitet mit einem bestimmten Wellenspektrum und schlägt deshalb nur auf genau eine Farbe an. „Handelt es sich um eine Mischfarbe, dann bleibt nach dem Einsatz eines Lasers zunächst jede andere Farbe übrig“, erklärt Hans-Detlef Axmann aus Hannover. Hinzu komme, dass „sich manche Farben so gut wie gar nicht entfernen lassen.“ Gelb, zum Beispiel, kann nur von Lasern mit einem bestimmten Wellenspektrum erfasst werden. Gängigere Farben wie Schwarz und Blau sind leichter zu entfernen.

Dennoch sollten Betroffene keine zu großen Erwartungen mit in die Behandlung bringen. „Profi-Tattoos so zum Verschwinden zu bringen, dass es danach aussieht, also ob da nie was gewesen wäre, gelingt im Normalfall nicht“, sagt der Stuttgarter Arzt Ralf ­Merkert. Umrisse können bleiben, „manchmal ist sogar nur eine Aufhellung möglich“. Ebenso muss der Patient damit rechnen, dass ein „grauer Schleier ­zurückbleibt“.

Außerdem komme es auf den Hauttyp des Patienten an. Je ähnlicher die Hautfarbe dem tätowierten Material ist, desto stärker werden bei einer Laserbehandlung die ­natürlichen Pigmente der Haut mit aufgehellt. Im ungünstigsten Fall bleiben die ­Umrisse des Tattoos als Hellzeichnung ­bestehen.

Sorgen um giftige Farben unter der Haut

Neben dem Loswerden von Jugendsünden kommen auch immer wieder Tätowierte zum Arzt, weil sie sich Sorgen um verunreinigte und somit giftige Farben unter ihrer Haut machen. „Das ist ein großes Thema und vor allem ein großes Problem“, sagt Axmann. Viele seiner Patienten kommen, weil sie körperliche Reaktionen rund um die tätowierte Stelle beobachten. Diese können sowohl allergischer als auch toxischer Natur sein. „Das Immunsystem ist dann angegriffen, das Blut weist erhöhte Entzündungsparameter auf“, sagt Axmann. Das Tattoo müsse dann auf jeden Fall entfernt werden.

Eine Laserbehandlung führe in solchen Fällen oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Dann kommt es zu einem chirurgischen Eingriff, einer sogenannten Exzision. Dabei wird das betroffene Gewebe großflächig ­entfernt. Eine Vernarbung ist in diesem Fall kaum zu vermeiden.

Solche Exzisionen werden fast nur noch dann gemacht, wenn es aus medizinischen Gründen notwendig ist, das tätowierte ­Ma­terial zu entfernen. Bei den modernen Lasertherapien sind die Risiken deutlich geringer. Dennoch ist die Behandlung aufwendig, fast immer schmerzhaft und nie zu hundert Prozent erfolgreich. Auch aus rechtlichen Gründen ist es deshalb wichtig, sich vor der Entfernung von einem guten Arzt beraten zu lassen. „Bei einem zertifizierten Arzt hat der Patient ­natürlich mehr Sicherheit, als wenn er das beim Nicht-Fachmann machen lässt“, sagt Hans-Detlef Axmann.