Utzenfeld Portion Leidenschaft Gepäck

Das Zirkuszelt wurde zwischen den Vehikeln des „Oldtimer-Fuhrparks“ aufgebaut. Foto: HansJürgen Hege

Getrieben von guten Ideen und einer gehörigen Portion Leidenschaft im Marschgepäck ist ein derzeit 15köpfiges Team junger Leute auf einer „Kultour durch’s Ländle“.

Utzenfeld (hjh). Nach Lorenzenzimmern und einem Halt auf einem Bauernhof in Maulburg machte das Team um Julia Johannsen und Dorothea Stilo eine Woche lang Station in Utzenfeld, wo sie in ihrem Bemühen, „Kultur vor der Haustüre“ zu zelebrieren, erneut einen Volltreffer landeten.

„Permanent waren unsere Projekte, darunter Kino-Vorstellungen, Kindertheater, der ‚Cumulus Curiosus‘, unser Workshop und nicht zuletzt die beiden artistisch orientierten Vorstellungen so gut wie ausverkauft“, freuten sich die beiden Frauen über die Resonanz, die in diesem Jahr aufgrund der Pandemie-Beschränkungen „nur“ erlaubte 60 statt der möglichen 100 Personen ins Zirkuszelt führte.

Eine Woche lang verfügten die Utzenfelder über eine äußerst imposante „Kneipe“ neben ihrem Sportplatz. Es gab dort nicht nur ein breit gefächertes Angebot an kulturellen Leckerbissen und an Möglichkeiten, sich selbst ins Programm einzubringen, sondern auch genügend Tische, an denen Fladenbrote zu kühlen Getränken serviert wurden und nebenbei auch Gelegenheit bestand, einen zünftigen Skat zu klopfen oder sich bei anderen Spielen zu probieren. Oder eben selbst aktiv zu werden bei den Workshops, die laut Einladung „reinschnuppern“ erlaubten. Und das fand das Publikum, das sich in etwa zur Hälfte aus Einheimischen, zur anderen Hälfte aus Fans aus den umliegenden Gemeinden zusammensetzte, „einfach klasse.“

Die Abenteuerwoche unterm Zirkusdach begann mit dem Film „Weit“, der den rund 60 überwiegend erwachsenen Zuschauern die ebenso spannende wie bewegende Reise eines jungen Paares aus dem Schwarzwald durch die große weite Welterzählte. „Man spürt, dass die Menschen froh sind, dass endlich wieder etwas geht“, begründete Julia Johannsen den Ansturm aufs Angebot ihrer Gruppe. Ihren gemeinnützigen Verein „Sansibar“, der sich vorwiegend mit pädagogisch orientierten Zirkuserlebnissen beschäftigt, gibt es bereits sei sechs Jahren. Vor zwei Jahren wurde dieses Angebot ergänzt, weil sich herausstellte, dass sich nicht nur die bis dahin im Fokus befindlichen Kinder, sondern auch viele Erwachsene für die interaktive Beteiligung am Geschehen im Zirkusrund interessierten.

„Wir freuen uns, dass wir ein so großes Angebot machen können, an dem Kinder wie Erwachsene gleichermaßen interessiert sind“, sagte Dorothea Stilo und hob dabei besonders die Bereitschaft der Menschen hervor, sich mit eigenen Beiträgen in Szene zu setzen. „Jeder darf bei uns, keiner muss“, betonte sie im Hinblick auf das grenzenlose Vergnügen, in dessen Genuss das Publikum im Rampenlicht und abseits des Rampenlichts kam, als „zum täglichen Laster“ unter der Zirkuskuppel geladen wurde. Gedichte wurden vorgetragen, Lieder wurden gesungen. „Alle sind zwanglos ins Programm involviert“, versicherten die beiden Teamsprecherinnen unisono, die sicher sind, dass sich die Kontakte, die unter ihrem Zeltdach geknüpft werden oder zustande kommen, auch aufs dörfliche Leben auswirken. „Diese Kontakte können Grundlage für weitere Gespräche sein, wenn man sich das nächste Mal beim Bäcker trifft.“

Zu einem besseren Miteinander beitragen könnten auch die „Dorfbänkle“, die das „Kultour“-Team aus Schwäbisch-Hall an den Orten ihrer Auftritte „hinterlassen“ werden. In Utzenfeld stehen die „Bänkle“ beim Sportplatz und beim Kindergarten

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