Utzenfeld „Wir brauchen den Wolf nicht“

Utzenfeld - „Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?“ Sind es Kinder, denen die Brüder Grimm das Märchen vom „Wolf und die sieben Geißlein“ auftischten? Oder sind es die Erwachsenen, denen dieses Märchen aus ihrer Kindheit mit all seinen Schrecken noch immer in Erinnerung ist?

Ganz klar ist nicht, woher die Angst vor dem Raubtier rührt, das nach über 150 Jahren relativer Ruhe vor ihm deutsche Lande für seine Raubzüge neu zu entdecken scheint. Und: Ist diese Angst tatsächlich begründet?

Die FDP Oberes Wiesental hatte den Bundestagsabgeordneten Christoph Hoffmann um Antworten gebeten und vorsichtshalber den Kreis derer, die sich Sorgen machen könnten oder sollten, in der Einladung zu einer – sehr gut besuchten -  Diskussionsrunde in die Utzenfelder Gemeindehalle eingegrenzt: „Der Wolf und die Landwirtschaft im Schwarzwald“ standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, nach der ein nachdenklicher FDP-Bundestagsabgeordneter versicherte: Ich bin ihnen dankbar für die vielen Hinweise, wo sie das Problem mit dem Wolf im Detail sehen. Ich habe an diesem Abend viel gelernt und nehme viel mit nach Berlin. Und ich verspreche ihnen, dass ich nicht ruhen werden, ihre Standpunkte im Parlament zu vertreten. Denn es ist nicht hinnehmbar, erst zu reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“

Warum keine Jagd?

Richard Zahoransky hatte den Politiker „stolz“ in Utzenfeld begrüßt. Mit dem ehemaligen Forstdirektor aus Todtnau komplettierten Heinz Kaufmann (BLHV-Kreisvorsitzender) und Dietrich Brombacher (Kreisjägermeister a. D.) die illustre und kompetente Runde, die den Landwirten Rede und Antwort stehen wollte, nachdem der Wolf nicht mehr nur in Italien und Frankreich (3000 Wölfe), in Skandinavien (500 Tiere), Spanien (2500), in Deutschland (1300) und in Europa mit 15 000 Exemplaren seine Runden dreht. Baden-Württemberg liege da in der Statistik mit zwei bis drei Exemplaren zwar noch ganz weit hinten. Aber das bedeute noch sehr viel.

Denn alle, auch Christoph Hoffmann sind sicher: „Die Expansion der Wölfe hat auch hierzulande erst begonnen und ist nicht mehr aufzuhalten.“ Vor allem nicht, weil – im Gegensatz zu allen Ländern rund um Deutschland herum – die Jagd auf Wölfe bei drakonischen Strafen verboten ist. Aber warum? Das wollten die Anwesenden nicht verstehen.

Der eine „zweifelte am Verstand unserer Politiker“. Ein anderer sah „gerade in diesen Zeiten, wo Arbeitsplätze coronabedingt massenhaft in Gefahr sind, die Konzentration auf Probleme mit und wegen des Wolfes völlig deplatziert“. Und ein dritter stellte die Vorgabe an den Pranger, Zäune als Voraussetzung dafür zu montieren, dass für Schäden durch Wölfe vom Staat nur reguliert werden können.

Skifahrer, Wanderer, Biker und nicht zuletzt alle anderen Wildtiere würden unter solchen Maßnahmen „wahnsinnig“ leiden. Eines der gravierendsten Ergebnisse der Tiraden in Richtung der Politik war: „Wir brauchen den Wolf nicht.“ Und auch Christoph Hoffmann konnte die Frage nach dessen Existenzberechtigung nur mit dem Hinweis auf seinen natürlichen Ursprung und seine darin begründete Existenzberechtigung beantworten. Wofür Wolf gut ist, wusste er nicht.

„Millionengeschäft“

Für die Landwirte stand fest: „Zäune sind de Mäus pfiffe.“ Das Geld dafür, das vom Land bereits gestellt werde, sei zum Fenster hinaus geworfen.

Auch Christoph Hoffmann war klar: „Es gibt wohl keinen Zaun, den der Wolf nicht überwinden kann, wenn er dahinter leichte Beute vermutet.“

Da pflichtete ihm der Weitenauer­ Uwe Braun von der BI „Wolfinfo“ bei, der hinter dem Wolf-Hype ein „Millionengeschäft“ witterte und darauf hinwies, dass mittlerweile Wolf Patenschaften gekauft werden können.

Der Bundestagsabgeordnete appellierte an die Landesregierung, ihre Hausaufgaben zu machen und Pläne zu generieren, die im Notfall greifen. Denn er war mit dem BLHV, mit den Jägern und nicht zuletzt mit der Mehrheit der Zuhörenden einer Meinung. „Wir müssen darauf drängen, dass die Politik ihre Hausaufgaben macht.“ Und damit wusste er schließlich auch den BLHV und die Jägerschaft hinter sich, die am Ende betonten: „Wir sind auf einer Linie: Keiner will den Wolf.“

Und: „Es müssen wolfsfreie Zonen geschaffen werden, in denen die Jäger reglementierte Abschusslisten erfüllen sollen beziehungsweise dürfen.“

Und dafür biete sich – so Kaufmann – „in unserem Bereich das Biosphärengebiet an.“

Ansonsten, so der Tenor in der Runde, müssen sich früher oder später „die Herren oder Frauen Bürgermeister um die Pflege der Landschaft im Sinne des Naturschutzes bemühen.“

Denn die Nebenerwerbslandwirte, das stellte sich an diesem Abend eindeutig heraus, würden angesichts der sich auftuenden Probleme früher oder später endgültig die Segel streichen.

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