Weil am Rhein 1000 Jahre Altweiler Geschichte

Horst Rupp, Fritz Rupp und Kurt Moritz

Für die Geschwister der Familie Rupp aus Alt-Weil ist der heutige Dienstag, der 22.2.22, ein besonderer Jubiläumstag. Denn sie können auf zusammengenommen 1000 Lebensjahre zurückblicken. Zwischen 1939 und 1962 kamen in der Familie Rupp 14 Kinder (neun Mädchen und fünf Jungen) – überwiegend durch Hausgeburten – zur Welt. Anlässlich des Jubiläums geben die Geschwister in einem Gastbeitrag Einblicke in ihre Familiengeschichte.

Von Horst Rupp, Fritz Rupp und Kurt Moritz

Weil am Rhein. Die 14 Kinder auf die Welt zu bringen und groß zu ziehen, schaffte Mutter Erna Rupp, geborene Merdes, zusammen mit ihrem Mann Ludwig Rupp. Ihre ganze Schaffenskraft und Energie brachten die beiden dafür auf, es blieb keine Zeit für Hobbys oder für Persönliches. Wichtig war aber stets das Gesellige innerhalb der Familie oder beim Besuch von Freunden. Das haben die Eltern bis zum Schluss beibehalten. Es war immer „Tag der offenen Tür“, alle Besucher wurden gerne empfangen, ein vorheriges Anmelden kannte man nicht. Da fast alle Geschwister in der näheren Region leben, traf man sich häufig bei den Eltern. Einen Kaffee gab es jederzeit und die Zusammenkünfte waren immer ein Erlebnis.

Nun feiern die 14 Geschwister gemeinsam ihre 1000 Lebensjahre. Die Älteste ist 82 Jahre und die jüngste der Geschwister 59 Jahre alt. Der jüngste Sohn – Jahrgang 1955 – war übrigens der 15 000. Einwohner von Weil am Rhein. Die ältesten vier der Geschwister sind während der Kriegsjahre in der Lindengasse 5 in Alt-Weil geboren und aufgewachsen.

Danach wurde die Hauptstraße 99 – ein Haus der Großeltern – das Domizil der Familie. Dort hatte der Großvater seinen Handwerksbetrieb. Er stammte aus Ötlingen und war der Erfinder sowie Erbauer einer neuartigen Rebspritze, die im ganzen Markgräflerland bekannt wurde.

Die älteren Geschwister gingen noch durch die schmalen verwinkelten Gässchen von Alt-Weil in die Hebelschule. Die Karl-Tschamber-Schule wurde erst 1955 eröffnet.

Die Geschwister passten aufeinander auf

Der Alltag war nicht immer leicht und bisweilen sogar entbehrungsreich. Die älteren Geschwister hatten viele Verpflichtungen. Sie halfen, die kleineren zu versorgen, um die Mutter zu entlasten.

Gerade in der schweren Zeit nach dem Krieg war die Nahrungsversorgung eine enorme Herausforderung. Mitunter ging die Mutter zu Fuß bis nach Feuerbach, um dort Milch und weitere Lebensmittel zu organisieren.

Auch waren einige der Jungen gerne bei den Landwirten Brändlin, Frei und Marx, um Kühe auf der Weide zu hüten, Kirschen zu pflücken, in den Reben zu arbeiten und sogar – aus Platzgründen –, um dort zu schlafen. Bei den Bauern gab es gutes und sättigendes Essen, was zuhause nicht immer möglich war; der Sonntagsbraten, ein Nierenstück von eineinhalb Pfund, musste für alle reichen.

Bei der Oma gab es Guezelischnitten

Gerne gingen die Kinder auch zur Oma in die Lindengasse 5. Da wurde man immer mit einer Guezelischnitte wieder auf den Heimweg geschickt. Oft war man der Oma auch behilflich auf der Bündi und im großen Garten, um unterschiedliche Arbeiten zu verrichten, die für den Gemüseanbau erforderlich waren.

Da zuhause die jüngeren Kinder von den älteren betreut wurden, blieb für diese so manche persönliche Kontaktpflege erst einmal auf der Strecke.

Ein besonderer Ausflug nach Hockenheim

Noch gut erinnern können sich drei der Geschwister an einen besonderen Ausflug im Jahr 1949: Die Eltern fuhren mit ihnen im Lieferwagen mit Holzvergaser aus Opas Hinterlassenschaft zu einem Autorennen nach Hockenheim. Auf der offenen Pritsche wurden die drei Jungen eingewickelt in Teppiche auf die Fahrt mitgenommen. Abwechselnd durfte einer mit in die Fahrerkabine zu Vater und Mutter, um sich etwas aufzuwärmen. Zwischen den Säcken voll Holzstücken, die als Treibstoff benötigt wurden, hatten sie Schutz vor Wind und Wetter.

Zum Baden in den Mühlenrain

Im Sommer wurde barfuß gelaufen, und zum Baden ging man zum Mühlenrain an die „Rossschwämmi“, wo abends warmes Wasser vom Riehener Schwimmbad den Bach erwärmte und ansteigen ließ.

Durch gesammelte und weiter verkaufte Weinbergschnecken sowie gepflückte Veilchen, die in den Wirtshäusern auch am Zoll an die Schweizer verkauft wurden, konnte man damals etwas „Sackgeld“ verdienen. Große Freude herrschte im Sommer, wenn man den Eismann mit der Glocke hörte und jeder eine Kugel für zehn Pfennig erhielt.

Bei der Arbeit packten alle mit an

Zum Nähen von Kleidern kam die Mutter nur in der Anfangszeit, doch hatten alle Kinder immer etwas anzuziehen und reichten viele Teile an die Jüngeren weiter. Man war mit wenig zufrieden. Der Vater arbeitete seinerzeit als Spengler und Installateur in der Schweiz, der bessere Verdienst war notwendig, da es damals noch kein Kindergeld gab. Er fuhr täglich mit dem Fahrrad nach Allschwil und es ging nicht lange, da baute er sich einen Hilfsmotor an das Hinterrad. Ende der 50er-Jahre wurde ein Lambretta-Motorroller angeschafft.

1958 wurde mit sehr viel Eigenleistung vom Vater und den älteren Söhnen ein Haus in der Traubengasse 38 gebaut. Endlich gab es für alle Platz, man musste nicht mehr zu dritt in einem Bett schlafen. Die zwei jüngsten Mädchen sind in der Traubengasse hinzugekommen.

Auch die Mutter trug außerordentlich zur Einkommensverbesserung durch Abendarbeit bei. Zusätzlich betrieb die Familie kurzzeitig einen kleinen Mineralwasser- und Bierhandel. Ein Telefon mit Wählscheibe gab es erst in den 1980er-Jahren, aber einen Fernseher – in jenen Jahren ein fast unbezahlbarer Luxus – hatten die Rupps bald. Gerne kamen Freunde, die auch schauen wollten, und zu diesem Zweck musste man eine Mark in einen Schaltautomaten werfen. Damit lief der Fernseher eine Stunde; hiermit wurde das Gerät abbezahlt und immer wieder kam es vor, dass im spannendsten Augenblick die D-Mark verbraucht war.

Fernseher und Gas mit Münzapparat

Auch das Gas zum Kochen wurde per Münzapparat bezahlt. Die Gasmünzen verkauften seinerzeit die Lebensmittelläden Klara Tischler an der Hauptstraße, Barry-Muser an der Pfädlistraße sowie Betty Leute an der Reblistraße, bei denen man auch mal außerhalb der Öffnungszeit klingeln und einkaufen konnte.

Auch bekannte Freunde kamen zu Besuch

Als Freund des Hauses war auch Maler Adolf Glattacker ein gern gesehener Gast, die älteste Tochter war eines seiner Modelle. Nach seinem „Viertele“ lief er immer spät abends zu Fuß von Alt-Weil nach Tüllingen nach Hause. Das Angebot, ihn hochzufahren, lehnte er stets ab.

Das Original aus Alt-Weil, August Enderlin, war als Götti eines der Kinder oft zu Besuch und stets nur mit Wasser zufrieden. Er erzählte Spannendes aus seinem Leben – etwa von der Fußwanderung aus der Kriegsgefangenschaft in Norwegen bis nach Hause in Weil.

27 Kinder, 36 Enkel und ein Urenkel

Der mit vielfältigen Ereignissen ausgefüllte Alltag hat sehr zum Meistern des Lebens beigetragen und auch dazu, Verantwortung füreinander zu übernehmen, sich einer Gemeinschaft anzupassen und auch entsprechend zu behaupten.

Die Jungen durften lernen, was sie gerne wollten, zu den Mädchen dagegen sagte der Vater: „Ihr heiratet eh bald, bekommt Kinder, habt dann Familie und keine Zeit für einen Beruf, geht Arbeiten und helft somit der Gemeinschaft.“ Dennoch konnten alle mit einer guten Ausbildung bodenständige Berufe erlangen und ihr Leben bewältigen. Die 14 Geschwister bekamen zusammen 27 Kinder und 36 Enkel sowie inzwischen einen Urenkel.

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