Weil am Rhein 300 Protokolle und 25 Wahlen

Weiler Zeitung
Jürgen Schopferer sieht es pragmatisch: „Die Wahlen sind auf uns zugekommen und wir mussten die machen.“Foto: Fraune Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (mcf). Jürgen Schopferer geht heute in Rente. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz lobte ihn zum Abschied in dieser Woche im Gemeinderat als seit Jahrzehnten eingeführten Protokollanten. Auf 300 Gemeinderatssitzungen kommt der Neu-Ruheständler. In der Öffentlichkeit ist Schopferer neben seinem zwischenzeitlichen Amt als Egringer Ortsvorsteher als Weiler Wahlhelfer bekannt. Im Gespräch mit Marco Fraune bietet Jürgen Schopferer Einblicke und einen Rückblick.

Frage: 25 Wahlen in 25 Jahren: Haben Sie sich so kurz vor dem Abschied schon gefragt: Wie habe ich das eigentlich gemeistert?

Die Wahlen sind auf uns zugekommen und wir mussten die machen. Manchmal waren es drei in einem Jahr, manchmal gab es keine. Die Urnengänge waren aber immer ein Kraftakt. Mit großem Aufwand verbunden waren die Kommunalwahlen und die OB-Wahl, weil wir vor Ort alles von A bis Z erledigen mussten.

Frage: Zuletzt war viel Routine dabei, die Sie sich erst einmal erarbeiten mussten. Was muss ein Wahlleiter können – außer, dass er stets die Ruhe bewahrt?

Er sollte sich in den jeweiligen Gesetzen auskennen, ob es das Bundeswahlgesetz, die Bundeswahlordnung oder die Landesgesetzgebung ist.

Frage: Das reicht schon?

Man muss auch ein gutes Team haben, das mitarbeitet und sich gut auskennt. Alleine geht es nicht.

Frage: Wie lang ist denn die Liste mit den Dingen, die für eine Wahl zu erledigen sind?

Die ist schon ordentlich lang. Jedes Mal müssen wir uns um die Wahlbezirke Gedanken machen, also ob man Verschiebungen vornehmen muss, damit es nicht zu große und zu kleine gibt. Auch die Verpflichtung der Wahlhelfer und die Beschaffung der Vordrucke zählen zu den zahlreichen Vorbereitungen. Ich weiß aber nicht, wie viele Punkte auf der Liste stehen. Zum Glück gibt es auch Checklisten mit Terminkalendern, sodass man sich nicht immer alles selber erarbeiten muss.

Frage: An welchen Urnengang erinnern Sie sich denn besonders gerne zurück?

Da kann ich keinen speziellen nennen. Bei jeder Wahl war ich froh, wenn es gut gelaufen ist.

Frage: Und an welche Wahl erinnern Sie sich lieber nicht mehr zurück?

Da gibt es nichts Spektakuläres. Man muss aber schon gedanklich darauf vorbereitet sein, was passiert, wenn es beispielsweise eine Bombendrohung gibt.

Frage: Von den äußeren Bedingungen war die jüngste Landtagswahl mit den Corona-Bestimmungen sicher herausfordernd.

Schwierig war besonders, dass wir die Inzidenz für den Wahltag nicht voraussagen konnten. Letztlich galt für den Urnengang: Abstand halten, lüften und desinfizieren. Das hat funktioniert. Wir konnten darüber hinaus nicht voraussagen, wie sich Corona auf die Zahl der Briefwähler auswirkt. Und einige Wahlhelfer hatten Angst, sich anzustecken.

Frage: Zwei Bürgerentscheide zur Bebauung Hangkante gab es, bei denen nur mit Ja oder Nein gestimmt werden konnte. So schwer sich die Stadt mit dieser Innenstadtentwicklung tat, für Sie dürfte es ein Kinderspiel gewesen sein...

Die Wahlabwicklung war relativ einfach, sowohl wegen der einfachen Auswertung als auch angesichts der nicht so hohen Beteiligung. Im Vorfeld mussten wir aber Info-Material erstellen. Das war aufwendig, da die Position der Stadt und der Gegner des Projekts klar gemacht werden sollte. Die Fragestellung bei der Abstimmung musste auch verständlich sein.

Frage: Und wie sah es mit der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 durch Ihre Brille betrachtet aus?

So eine Volksabstimmung ist von der reinen Abwicklung her unproblematisch. Uns stieß jedoch auf, dass jede Kommune für sich alles bekannt machen musste, obwohl es dieselben Texte waren.

Frage: Ihr weiteres Tätigkeitsfeld im Rathaus wollen wir nicht unterschlagen. Welche dieser Aufgaben werden Sie besonders vermissen?

Die Geschäftsstelle Gemeinderat war immer interessant, da man nah an den Entscheidungen dran ist. Die Protokollführung der langen Sitzungen ist aber aufwendig. Doch man hat alle Diskussionen und Informationen als erstes mitbekommen. Außerdem bin ich für die Organisation der Stadtverwaltung zuständig. Wenn man alleine sieht, was sich am Arbeitsplatz verändert hat, das ist hoch interessant. Früher gab es weder Internet noch E-Mail im Rathaus und auch keine Handys für bestimmte Mitarbeiter. Die Arbeitsabläufe haben sich gewaltig verändert. Das hat mich immer fasziniert.

Frage: Knapp über ein Vierteljahrhundert waren Sie als Wahlleiter im Einsatz. Zur nächsten Bundestagswahl wird Stefan Dürrenfeld Ihren Job übernehmen.

Wir haben die Übergabe vorbereitet. Ich blicke nun mit einer Vorfreude auf den Ruhestand.

Frage: Sie waren in Egringen 30 Jahre lang ehrenamtlicher Ortsvorsteher, bis zum Jahr 2019. Womit vertreiben Sie sich künftig als Rentner die Zeit?

Es gibt verschiedene Dinge. So habe ich eine Frau, mit der ich nun ebenso mehr Zeit verbringen kann wie mit meinen vier kleinen Enkelkindern. Außerdem haben wir einen großen Garten. Nun kann man das machen, wozu bisher zu wenig Zeit blieb.

Frage: Und demnächst sieht man sie noch als Wahlhelfer?

Ich weiß es nicht, wir werden sehen.

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