Weil am Rhein An Ursprung der Kunstform erinnern

Weil am Rhein - Straßenkunst statt nackter Fassade: Zwei dänische Künstler haben dieser Tage eine der Außenwände der Colab Gallery in Friedlingen mit einem großen Gemälde geschmückt. Es handelt sich bereits um die vierte Wandgestaltung im Weiler Stadtteil – weitere sollen folgen.

Nach dem Schweizer Duo „Backstube Leuchtkraft“, „Sainer“ aus Polen und Mark Gmehling aus Dortmund, die sich auf Fassaden an der Bayerstraße verewigt haben, waren nun „Swet“ und „CMP One“ am Werk. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen der Galerie und dem Kulturamt der Stadt Weil am Rhein.

Es gebe viele Hauswände, die „regelrecht danach brüllen, gestaltet zu werden“, meinte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz beim gestrigen Pressetermin. Und Friedlingen sei zudem ein Standort, in dem diese Art der Kunst zu Hause ist. „Jedes Jahr soll eine Fläche dazukommen“, so der Gedanke. Für Stefan Winterle, Kurator der Colab-Gallery, ist das auch ein Aufruf an die Bürger: „Hausbesitzer dürfen sich gerne melden.“

Das Urban-Art-Projekt wird erstmals über drei Länder gespannt. Es ist eingebunden in ein Dreiland-Kunstprojekt der Art-Galerie Basel. „Artyou“ hat nicht nur weitere Künstler für Fassaden-Gestaltungen in Basel und St. Louis engagiert, sondern setzt auch einen Shuttle-Bus ein, der die Kunstorte während der „Art Basel“ miteinander verbindet. „Wir hatten schon länger den Gedanken, diese Malerei auf allen Rheinseiten stattfinden zu lassen“, erklärte Winterle.

Künstler seit Jahrzehnten in der Szene aktiv

Hinter den Pseudonymen „Swet“ und „CMP One“ verbergen sich William Hjorth und Claus Michael Pedersen. Hjorth gehört seit den 80er-Jahren der internationalen Graffiti-Szene an. Durch seine lebendigen und bunten „Masterpieces“ gilt er in dieser sich konstant verändernden Szene als unverkennbar. Pedersen startete seine künstlerische Karriere ebenfalls Mitte der 80er-Jahre – insbesondere als Graffiti-Writer. Er setzte unter anderem Akzente in Sydney, New York und München.

Am Donnerstag haben die beiden mit Hilfe der ersten Linien das Bild grob aufgebaut, gestern ging es dann darum, das „Bild heraus zu modellieren“, wie es Winterle formulierte. Heute soll das Kunstwerk fertig werden.

Fassadenfarbe statt Spraydosen

Gearbeitet wird übrigens mit Fassadenfarbe und Pinsel – nicht mit Spraydosen. „Letzere verbindet man zwar immer mit Urban Art, aber das muss nicht sein“, so der Kurator. Durch die Fassadenfarbe bleibe die Qualität des Bildes auch länger erhalten – und die Farbe sei nicht so giftig. Außerdem soll das Kunstwerk aussehen wie eine große Skizze, was die beiden Künstler auf diese Weise besser umsetzen können.

Zu sehen ist eine Szene in Amerika: Ein junger Mann sitzt am Bahnhof, auf der anderen Seite nähert sich ein Zug. „Er wartet auf das Graffiti, das mit dem Zug kommt“, sagte Hjorth mit einem Augenzwinkern. Den Künstlern geht es darum, daran zu erinnern, wo diese Art der Kunst und auch Kultur ihren Ursprung hatte und von wo sie überhaupt erst nach Europa kam.

„Schön, dass hier wieder etwas Sichtbares realisiert wird – auch im Kontrast zu den bisherigen Bildern“, gab Kulturamtsleiter Tonio Paßlick seiner Freude Ausdruck und sprach von einem „Hot Spot für Urban Art“. Das sei die Colab Gallery in der Tat, wie Geschäftsführer Kevin Reinhart erläuterte. „Wir werden weltweit beobachtet, erhalten von überallher Feedback und können Stars der Szene nach Weil am Rhein holen.“ Man freue sich, einen kulturellen Beitrag leisten zu können. „Und die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert toll“, lobte Reinhart.

Der ungewöhnliche Shuttlebus, ein altes Schweizer Saurer-Postauto, zirkuliert bis Sonntag, 16. Juni, von 14 bis 19 Uhr im Stundentakt während der „Art Basel“ kostenlos an die verschiedenen Fassaden-Kunstorte der „Artyou Walls’19“-Künstler, Nebenmessen und zu den Partnern in Saint Louis und Weil am Rhein. Infos: www.artyou.ch

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