Weil am Rhein Ansichten der Alltagsrealität

Imposant: das in neun gleiche Rechtecke gegliederte, wandhohe Eichengemälde von Hans Rath in der neuen Ausstellung in der Weiler Galerie Stapflehus. Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Von Walter Bronner

Weil am Rhein. Staunenswertes präsentiert der Kunstverein Weil am Rhein mit der Ausstellung „Reale Orte“ in der Städtischen Galerie im Stapflehus. Wo der Besucher sonst meistens nur Bildwerke antrifft, zu denen er mehr oder weniger mühsame Verständniswege begehen muss, springt ihn die mitunter fotorealistisch wirkende Motivwelt von Petra Trenkel, Marcel Forrer und Hans Rath förmlich an.

Die in der Tradition wurzelnden Kunstthemen der Landschaftsmalerei und der Darstellung urbaner Räume werden hier aus drei unterschiedlichen Künstlerpositionen in einen oftmals übereinstimmenden Dialog gebracht. Dem Betrachter drängen sich dabei spontan Assoziationen auf zur „Neuen Sachlichkeit“, jener um 1920 in der deutschen Kunstszene anzutreffenden Stiltendenz der sachgerechten Sujetdarstellung in der Malerei und den nüchtern-funktionalen Gestaltungszielen in der Architektur.

Auf jene Epoche spielte bei der Vernissage auch der Kunsthistoriker Martin Hartung in seiner Laudatio an. So bei der Würdigung der Kreationen des in Zürich ausgebildeten Zeichenlehrers und „Reisemalers“ Marcel Forrer, der im Erdgeschoss Schweizer Gebirgs- und Flachland-Szenerien von pastoser Farbopulenz auf großformatigen Öl-Leinwand-Bildern präsentiert. Ansichten von und bei Fribourg, Schwamendingen, Luzern und Sargans vermitteln dem Publikum ebenso hohen Wiedererkennungswert wie Darstellungen belebter Autobahn-Ausfahrten und des Basler Voltaplatzes, in dessen Nähe der Aussteller wohnt.

„Verschwimmende Rekonstruktionen“

Aufmerksam machte der Eröffnungsredner freilich auch auf mitunter „verschwimmende Rekonstruktionen“ des Gesehenen und Erlebten, die im Spannungsfeld von Präzision und Unschärfe das „fotografische Dokument um einen persönlichen Duktus erweitert“.

Noch präziser konstruiert erscheinen die urbanen Szenerien von Petra Trenkel im ersten Geschoss. In zurückhaltendem Kolorit variiert sie in ihren Öl-Nessel-Gemälden jeweils mehrfach die Bodenplatten-Gestaltung vor dem Eingang eine Postgiro-Dependance, Dorfmotive von Redlin (Mecklenburg-Vorpommern) und Klein Pankow sowie eine „Wüstenmoor“ betitelte Suhle in einem öden sandigen und lehmigen Terrain aus vielartigen Ocker- und Brautönen.

In ihrer Auseinandersetzung mit unspektakulären Erscheinungen der Alltagsarchitektur gehe es der Künstlerin vor allem darum, zu zeigen „was passiert, wenn sie der Zeit ausgesetzt werden“, definierte Hartung das Individuelle in dieser Malerei.

Den auffälligsten Beitrag zur Ausstellung steuert Hans Rath im Dachgeschoss mit seinem wandhohen und in neun gleichmäßige Rechtecke (Öl auf Leinwand, Format 86 mal 116 Zentimeter) gegliedertes Gemälde einer betagten riesigen Eiche bei. Mithin ein Kunstwerk, das respektvolles Erstaunen auslöst, sowohl vor dem opulenten Naturphänomen als auch vor der souveränen Malkunst des Ausstellers. Die imposante Bildkomposition entstand 2013 während sechs Hochsommerwochen vor Ort im französischen Sommières-Gebiet. Dabei wandere „die Zeit des Entstehens sichtbar durch die Bildelemente“, wies der Eröffnungsredner überzeugend an den kleinen Unterschieden in der Darstellung des jeweiligen Himmel-Hintergrunds nach.

Kontrastiert wird das Bildergefüge der Eiche durch sechs bildrandparallele Ansichten texanischer Silos, die hier als Monumente von bedrohlich düsterer Form- und Farbgebung ein beunruhigendes Schauerlebnis evozieren.   bis 14. April, Sa, 15 bis 18 Uhr, So- und Feiertage, 14 bis 18 Uhr

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