Weil am Rhein Archiv-Image zum Glänzen bringen

Weiler Zeitung, 13.02.2018 19:30 Uhr

Die erste Akte, die Mareike Langenbach im Weiler Rathaus in die Hände bekam, war eine Bauakte. „Eher unspektakulär“, sagt die 32-Jährige, die seit Jahresbeginn das Stadtarchiv leitet. Und doch weiß die Siegerländerin, die zuletzt das Archiv von St. Chrischona gesichtet, geordnet und nutzbar gemacht hat, wie viel Spannendes sich zwischen den unscheinbarsten Aktendeckeln verbergen kann.

Von Jasmin Soltani

Weil am Rhein. Mareike Langenbachs vordringliche Aufgabe ist es, Verwaltungsakten aus den Rathaus-Abteilungen zu registrieren und abzulegen, so dass bei Bedarf rasch und gezielt darauf zurückgegriffen werden kann. „Tagesgeschäft“, sagt die Archivarin, und das gehe vor. Doch obschon sie allerhand zu tun hat, um die aktuellen Bestände aufzuarbeiten, nimmt sie sich hin und wieder Zeit, in ihnen zu blättern. Vor allem dann, wenn sie mit Menschen zu tun haben, und das haben Akten und Urkunden irgendwie immer.

Das war es auch, was die Siegerländerin bei ihrem Geschichtsstudium früh für die Archivarbeit begeistern ließ: der unmittelbare Einblick in die Historie und die direkte, ungefilterte Nähe zu den handelnden Personen – „das ist alles andere als verstaubt“, sagt sie. Dass sie mit der Anstellung im Weiler Rathaus nun ihren Berufswunsch mit dem Wunsch verbinden konnte, im Dreiländereck zu bleiben, sei eine „Riesensache“, freut sie sich. Dass sie keinen Verwaltungshintergrund hat, schreckt sie nicht ab.

Historische Bestände aufarbeiten

Eigentlich wollte Mareike Langenbach, die bei Siegen in Nordrhein-Westfalen geboren ist und dort auch die Schule absolvierte, nach dem Abitur erst einmal ins Ausland. Als sich das zerschlug, begann sie, in Siegen Geschichte zu studieren und belegte als Nebenfach evangelische Theologie. Ihre Begeisterung für die Archivarbeit entstand bei einem Praktikum im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart. Dort hat sie die Grundlagen kennengelernt, hat geholfen, Pfarramtsbestände aus 500 Jahren zu erschließen und im Benutzerdienst mitgearbeitet, etwa wenn Anfragen von Ahnenforschern kamen.

Nach dem Studium, das sie mit einer Arbeit über die „Machtübernahme der Nationalsozialisten auf dem Land“ am Beispiel ihres Heimatdorfes abschloss, wollte sie eine „ordentliche Ausbildung zur Archivarin“ absolvieren. Doch das ließ sich trotz bundesweiter Bewerbungen nicht realisieren. Nach mehreren Stationen wechselte sie nach St. Chrischona, wo ihre Schwester lebt und wo sie bald die Aufgabe übernahm, den dortigen Archivbestand qualitativ zu erschließen und wissenschaftlich nutzbar zu machen. Nach vier Jahren konnten die Früchte der Arbeit nun geerntet werden, freut sie sich. „Es ist ein gutes Gefühl, etwas hinterlassen zu haben, womit andere jetzt arbeiten können“, sagt Mareike Langenbach, die in ihrer Freizeit gerne joggt, liest und Musik hört.

Was sie als Nächstes anpacken möchte, wenn im Weiler Archiv ein reibungsloser Aktenablauf gewährleistet ist? Dann will sie die historischen Bestände detailliert aufarbeiten und möglichst digital erfassen, so dass sie Nutzern leichter zur Verfügung gestellt werden können. Anhand von Findbüchern hat sie schon etwas in die Weiler Historie eingearbeitet und ist gespannt darauf, auf welche Schätze sie noch stoßen wird. Erste historische Anfragen hat sie schon bearbeitet, und sie freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Kulturamt und dem Museumskreis.

Potenzial, „das verstaubte Image der Archive zum Glänzen zu bringen“, sieht sie auch in der Kooperation mit Schulen. Schließlich ermöglichten Archive, Regionalgeschichte greifbar zu machen, sagt Langenbach.

In diesem Sinne kann sie sich unter anderem auch gut vorstellen, an der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in Weil am Rhein mitzuwirken – ein langgehegter Wunsch des Vorsitzenden des Vereins für Heimatgeschichte und Volkskunde, Uwe Kühl, den sie bereits kennengelernt hat. „Die NS-Zeit beschäftigt mich seit meiner Jugend“, sagt sie.