Weil am Rhein Auf naturnahen Weinbau setzen

In der vierten Folge unserer Serie „Lebensader Hauptstraße“ schauen wir beim Winzer Christoph Schneider vorbei. Der 29-Jährige, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem 33-jährigen Bruder Johannes in fünfter Generation führt, lebt am und mit dem Tüllinger.

Von Adrian Steineck

Weil am Rhein. Beim Weingut Schneider, das offiziell eigentlich an der Lörracher Straße 2 liegt, hat man sich auf trockene Weine spezialisiert – also solche, die weniger als ein Gramm Restzucker enthalten. Ebenso wird Wert auf Bekömmlichkeit gelegt. „Die Weine enthalten wenig Schwefel und haben einen relativ geringen Alkoholgehalt“, legt Christoph Schneider dar.

Traditionelle Sorten

Bei den Rebsorten wird auf jene Sorten gesetzt, die am Tüllinger traditionell besonders gut gedeihen, also vor allem Pinot oder Burgunder sowie Gutedel. „Tüllinger Berg, das heißt auch: Es gibt drei oder vier Rebsorten, die auf den kalkhaltigen Böden besonders gut gedeihen“, schildert Christoph Schneider seine Erfahrungen. Den Spätburgunder gibt es hier seit dem 14. Jahrhundert, da sei man als Winzer gut beraten, wenn man sich an diesen halte. Ohnehin komme es beim Weinanbau wie auch generell in der Landwirtschaft auf Erfahrung an.

Dass diese innerhalb der Familie Schneider von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, dafür sorgen die Eltern Susanne und Claus Schneider, die weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Seit dem Jahr 1892 betreiben wir Weinbau, ursprünglich war mein Ur-Ur-Großvater hier als Winzer tätig“, sagt der 29-jährige Christoph Schneider.

Am Tüllinger schätzt der Winzer auch die sehr hohe Biodiversität. „Streuobstwiesen, Weinbau, Insekten, Eidechsen, Vögel – auf dem Tüllinger ist ziemlich viel los“, bringt er es schmunzelnd auf den Punkt. Dass diese Vielfalt erhalten bleibt, dafür will auch er sorgen. So gibt es in jeder zweiten Rebenreihe eine sogenannte Einsaat mit Blumen.

Auch beim Weinanbau setzt Familie Schneider auf Nachhaltigkeit. „Seit zehn Jahren verzichten wir auf Glyphosat“, sagt Christoph Schneider. Wenngleich das Weingut nicht bio-zertifiziert ist, wird doch ökologisch schonend gearbeitet. „Wir betreiben Weinbau nicht ideologisch, aber naturnah“, meint der junge Winzer.

Bindung zur Region

Das Thema Tüllinger Berg will die Familie Schneider auch den Menschen nahebringen, die in der Region leben. „Wir führen Leute auch mal auf den Rebberg“, erzählt Christoph Schneider. Das schaffe eine stärkere Bindung sowohl zur Region als auch zu den Weinen. „Wir wollen den Menschen die Landwirtschaft nahebringen“, umreißt Schneider die Intention dahinter. Denn wo der Raum begrenzt ist wie etwa auf dem Tüllinger, da müsse man aufeinander Rücksicht nehmen und gut miteinander auskommen.

Frühere Lese

Der Klimawandel wirkt sich auch auf den Weinbau aus. Vor allem dahingehend, dass die Lese früher beginnt. So wurde im vergangenen Jahr mit seinem Hitzesommer bereits am 20. August mit der Ernte der Trauben begonnen, während diese ansonsten meist Mitte September beginnt. Das Jahr 2017 ist Schneider ebenfalls in Erinnerung geblieben. „Durch den im April einsetzenden Frost haben wir damals 70 Prozent unserer Ernte verloren“, erinnert sich der Winzer.

Am Weinbau schätzt er generell, dass es sich dabei um ein „sehr entschleunigtes Geschäft“ handelt. „Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist das etwas, was einen auch erdet“, ist der 29-Jährige überzeugt.

Unter dem Titel „Lebensader Hauptstraße“ steht die Sommerserie unser Zeitung. Vier Wochen lang blicken wir von Montag bis Samstag darauf, welche interessanten Personen, Plätze und Gegebenheiten es zwischen dem Zoll in Alt-Weil bis zur Dreiländerbrücke in Friedlingen gibt. Bereits erschienen: Folge 1, 12. August: Zollamt Folge 2, 13. August: TAM

Folge 3, 14. August: Altweiler Schlössli

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