Weil am Rhein Aufsichtspflicht ist klar geregelt

Marco Fraune
Das Laguna befindet sich wirtschaftlich wegen der Pandemie und der Energiekrise in unruhigem Fahrwasser. Foto: Jennifer Ningel

Das Laguna Badeland hat nicht nur mit den Folgen der Energiekrise beim Badebetrieb zu kämpfen, sondern muss sich in „Sozialen Medien“ vereinzelt auch harscher Kritik stellen. Die Schwimmmeister haben richtig gehandelt, unterstreicht der Laguna-Prokurist Birk Exner hinsichtlich des jüngsten Ertrinkungsfalls.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Insgesamt bemerken die Bad-Verantwortlichen, dass die Aufsichtspflicht ein zentraler Punkt ist. Im Gespräch mit unserer Zeitung ordnet Prokurist Exner auch die wirtschaftliche Situation des Bades ein. Und: In einem anderen Fall hat die Polizei eine Spur.

Frage: Ein sechs Jahre altes Kind ist am Sonntag voriger Woche im kleinen Erlebnisbecken fast ertrunken. Wie geht es dem Kind mittlerweile?

Wir haben uns nach dem Wohlbefinden des Kindes erkundigt, doch aufgrund des Datenschutzes leider keine Auskunft mehr erhalten. Das Kind wurde an dem 15. Januar am späten Nachmittag ins St. Elisabethen-Krankenhaus Lörrach eingeliefert und dann ins UKBB nach Basel verlegt.

Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass das Kind bewusstlos im Wasser trieb?

Dem Unfallbericht zufolge hat eine Frau mit zwei Kindern – eines im Alter von einem Jahr, das zweite Kind im Alter von sechs Jahren – das ältere Kind für längere Zeit aus den Augen verloren. Beide Kinder sind Nichtschwimmer. Das für längere Zeit unbeaufsichtigte ältere Kind ist dann im Erlebnisbecken fast ertrunken. Aus Datenschutzgründen dürfen wir keine weiteren Details veröffentlichen.

Frage: Und was ist mit den Bademeistern?

Bei knapp 1000 Tagesgästen fällt ein einzelnes Kind selbst dem besten Aufsichtspersonal nicht sofort auf. Eltern sind in erster Linie für die Aufsicht ihrer Kinder verantwortlich. Wenn ein Kind verloren geht, melden sich die Eltern in solchen Fällen direkt bei unseren Schwimmmeistern. Dann handeln die Schwimmmeister sofort, sie rufen die Kinder aus und suchen unverzüglich.

Frage: Wer hat die Aufsichtspflicht konkret verletzt – und was ist die Ursache dafür gewesen?

Kinder sind fasziniert vom Wasser. Zu leicht überschätzen sie beim Baden und beim Spielen im Wasser ihre Schwimmfähigkeiten. Eltern oder die von den Eltern mit der Aufsicht beauftragten Personen sollten daher immer ein Auge auf ihre Kinder haben und die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder einschätzen können. Die Aufsichtspflicht der Eltern gilt auch im Schwimmbad. Eltern dürfen und können ihre originäre Aufsichtspflicht nicht auf die Schwimmaufsicht am Beckenrand abwälzen. Dies gilt übrigens nicht nur in Bädern, sondern auch an bewachten Stränden. Kinder, die noch nicht schwimmen können oder unsichere Schwimmer sind, sollten immer in Griffweite der Eltern sein.

Frage: Der „Schwarze Peter“ wird aber schnell den Bademeistern zugeschoben. Wie reagieren diese bei solchen Vorfällen?

Die Pflichten der Badeaufsicht sind klar definiert: Die Eltern oder die beauftragten Begleitpersonen können sich nicht zu 100 Prozent auf die Badeaufsicht in einem Frei- oder Hallenbad verlassen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat im Jahr 2017 in einem Urteil die Pflichten von Schwimmmeistern präzisiert. Danach „besteht keine Verpflichtung zur lückenlosen Beobachtung eines jeden Schwimmers“. Die Schwimmaufsicht ist jedoch verpflichtet, den Badebetrieb und damit auch das Geschehen im Wasser fortlaufend zu beobachten und mit regelmäßigen Kontrollblicken daraufhin zu überwachen, ob Gefahrensituationen für die Badegäste auftreten. Bei Badeunfällen wird sofort Erste Hilfe seitens der Bademeister geleistet, wie auch im jüngsten Fall geschehen.

Frage: Und was kann präventiv von Seiten der Schwimmmeister getan werden?

Die Schwimmmeister wirken proaktiv auf die Badegäste ein. Sie ermahnen die Badegäste bei Verstößen gegen die Schwimmbadregeln und weisen die Badegäste direkt auf Gefahren hin. Oft reagieren aber die Badegäste mit Unverständnis und Unmut, was die Arbeit der Bademeister nicht leichter macht. Die Schwimmmeister sind in erster Linie Ersthelfer, sie sind für den reibungslosen Badebetrieb, die Wasserqualität und für die Sicherheit sowie das Wohlbefinden der Badegäste zuständig. Jedoch ist eine permanente 1:1-Betreuung aller Badegäste in einem Spaßbad fast unmöglich, so der Leitende Schwimmmeister Marcel Rülke.

Frage: Seit Jahren hat es im Laguna keinen solchen Ertrinkungsfall mehr gegeben. Wie bewerten Sie diese Zeitspanne?

Wir sind sehr froh, dass durch die Umsicht und durch das schnelle Handeln unserer Schwimmmeister viele Unfälle vermieden werden können. Unsere Schwimmmeister leisten hier sehr gute Arbeit. Was auch das Ergebnis des permanenten Trainings der Schwimmmeister ist. Leider sind die Erfahrungen der vergangenen Jahre so, dass immer mehr Kinder, vor allem im schwimmfähigen Alter – in Deutschland ist das laut der DLRG ab dem fünften bis zum sechsten Lebensjahr –, nicht oder „nur sehr schlecht“ schwimmen können. Anstatt Kinder mit Schwimmhilfen auszustatten, bemerken wir, dass Eltern allzu oft darauf verzichten und damit auch die Sicherheit ihrer Kinder beim Besuch im Schwimmbad gefährden. Oftmals werden Hinweise des Badepersonals ignoriert oder es wird mit Unverständnis darauf reagiert. Damit erhöhen sich die Gefahrensituationen und unsere Schwimmmeister müssen viel häufiger eingreifen als es früher noch der Fall war.

Frage: Zu einem anderen Punkt: Im Oktober hatte die Polizei mit einem Überwachungskamera-Bild noch nach einem Mann gesucht, der angeblich im Laguna ein Mädchen sexuell missbraucht haben soll. Wie ist der Fall ausgegangen?

Leider richtig, Anfang September 2022 war es im Bereich des Landebeckens des Wildwasserkanals im Badeland zu dem Vorfall gekommen. Ein unbekannter Mann soll ein zehnjähriges Mädchen unsittlich berührt haben. Zu einer Vergewaltigung ist es dabei nicht gekommen, wie jedoch viele Leute in den „Sozialen Medien“ mutmaßten und so ein regelrechter Shitstorm ausgelöst wurde. Dabei war das Laguna seitens der Polizei angehalten worden, nichts zu dem Fall bekanntzugeben. Die Polizei ermittelte vier Wochen verdeckt im Laguna. Danach sollten wir das Fahndungsplakat zur Abschreckung der Täter am Haupteingang anbringen, was sich aber sehr negativ auswirkte. Das Aufsichtspersonal im Bad sowie auch die Kassenmitarbeitenden hatten vollkommen richtig an dem Tag der Tat gehandelt. Über den aktuellen Stand dürfen wir als Laguna keine Aussage machen, nur so viel, die Polizei hat eine Spur.

Frage: Eine Frage bleibt in diesen Zeiten der hohen Energiekosten noch: Welche Folgen hatte der seit Oktober erhobene Energiekostenzuschlag von drei Euro pro Person sowie die Schließung des Wildwasserkanals und des Außenbeckens über den Winter hinweg auf die Besucherfrequenz?

Zunächst wurde der Energiekostenzuschlag zur Abmilderung der explodierten Energiekosten von unseren Gästen gut angenommen. Der Energiekostenzuschlag traf auf Verständnis bei den Gästen, auch weil wir mitgeteilt hatten, dass, wenn sich die Energiepreise relativieren, der Aufsichtsrat neu darüber entscheiden wird.

Frage: Und das blieb so?

Nein, dieses Bild drehte sich binnen weniger Wochen, als die Gäste feststellten, dass die Sparmaßnahmen auch die Schließung des Wildwasserkanals, des Außenbeckens und der Sauna nach sich zogen. Der O-Ton einiger Gäste: „Die Preise werden beibehalten und sogar noch einen Zuschlag muss man zahlen, aber die Attraktionen werden abgeschaltet.“ Aber nicht nur deswegen wurden die Besucherzahlen schlechter, allein wegen der negativen Presse und wegen der öffentlichen Entrüstung in den „Sozialen Medien“ blieben uns die Gäste fern. Diese Auswirkungen waren über den gesamten November bis hin zu den Weihnachtsferien zu spüren.

Frage: Und hier musste dann die „Mutter“ der Gesellschaft einspringen...

Allein der Stadt Weil am Rhein war es auch im Jahr 2022 zu verdanken, dass die Laguna GmbH mit Kassenkrediten über Wasser gehalten werden konnte. Viele Gäste wissen gar nicht, dass wir bis dato keine November- und Dezemberhilfe in der Form erhalten haben und ebenso viele wissen nicht, wie die Laguna GmbH wirtschaften muss. Ein Blick beim Onlinedienst „NorthData“ zeigt, was unser Geschäftsführer Carl Stephan Matti seit 2013 bis 2019 bereits erreicht hat. Im Jahr 2020 hätten wir sicherlich die schwarze Null geschafft, wir lagen sehr gut im Wirtschaftsplan – doch dann kam das Coronavirus, die behördlich angeordnete Schließung und vorerst der Stillstand. Zum Vergleich: Andere Bäder in Südbaden haben einen ganz anderen Defizitausgleich beziehungsweise Finanzierungsrahmen und dadurch hinken die Vergleiche oft und es entsteht ein falsches Bild über das Laguna. Das finde ich persönlich sehr schade, weil hier viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Herzblut arbeiten.

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