Weil am Rhein Aus Überzeugung

Die Metal Maniacs Markgräflerland bieten wieder internationale Szenegrößen auf der Dreiländergarten-Bühne. Fotos: zVg/Thomas Gröschel – trvelove.de Foto: Weiler Zeitung

Szenegrößen hautnah, in familiärer Atmosphäre, mit günstigem Bier und das unter freiem Himmel: Mit dieser Beschreibung wird für das Heavy-Metal-Festival „Baden in Blut“ geworben. Was verbirgt sich dahinter?

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Bevor am kommenden Samstag im Dreiländergarten die lauten Töne erklingen, liefert Festival-Sprecher Arthur Hupka im Gespräch mit unserer Zeitung einordnende Töne. Schließlich handelt es sich um ein Festival von Metal-Fans für Metal-Fans.

Frage: Ihr Verein „Metal Maniacs“ als Organisator will sich vom „alltäglichen Kommerz-Festivalbrei“ abheben. Was ist denn so schlecht an den anderen Festivals?

„Schlecht“ möchte ich andere Festivals nicht nennen. Die „großen“ Festivals unterliegen einem enormen Kostendruck. Speziell nach den explodierenden Gagen in den letzten Jahren aufgrund immer weiter zurückgehender CD-Verkäufe. Letztlich sind es Wirtschaftsunternehmen, die natürlich ihre Profite Jahr um Jahr erhöhen und wachsen möchten.

Frage: Und was ist gut an „Baden in Blut“?

Das „Baden in Blut-Festival“ wird 100 Prozent ehrenamtlich organisiert. Alle im Verein leisten die Organisationsarbeit in ihrer Freizeit – aus Überzeugung und Motivation, unseren Besuchern und auch den Bands einen möglichst einmaligen Tag zu bescheren. Aus Überzeugung der Sache wegen. Auch wir müssen wirtschaften, um ein Finanzpolster für Wetterkapriolen oder andere schwer zu beeinflussende Ereignisse auf der Vereinskasse vorrätig zu haben. Natürlich freuen auch wir uns darüber, wenn am Ende nach einem super Festival etwas hängen bleibt und wir im Verein damit investieren können. Das ist aber nicht unsere erste Priorität. Wir müssen auch keine fünf Euro für ein Bier oder Wasser verlangen, sondern können die Preise besucherfreundlich gestalten.

Frage: Zur Musik: „Iced Earth“ dürfte auch nicht so mit der Heavy-Metal-Musik vertrauten Mitbürgern ein Begriff sein. Bedarf es eines solchen Zugpferdes, damit sich das Festivalgelände mit Besuchern füllt?

„Iced Earth“ sind im Sommer auf Europatournee und da wir inzwischen gut vernetzt sind, konnten wir die Band auch für das „Baden in Blut-Festival“ verpflichten. Auf diese Weise ist es möglich, eine etwas größere Band mal exklusiv in Südwestdeutschland spielen zu lassen, ähnlich wie 2015 mit dem Auftritt von „Sepultura“. Für uns als Verein ist das auf jeden Fall ein riesen Coup und ich persönlich hätte vor einigen Jahren nicht zu träumen gewagt, dass Bands mit solchen Namen mal die „Baden-in-Blut“-Bühne rocken werden. Große Namen helfen außerdem natürlich, aber inzwischen haben auch wir eine kleine, aber feine Fanbasis, auf die man zählen kann. Wir legen Wert auf Bands, die im Verein beliebt sind, die uns größtenteils widerspiegeln.

Frage: „Iron Maiden“ hat erst vor kurzem in Freiburg die Bühne gerockt. Ist solch ein Zugpferd als Headliner in Weil am Rhein irgendwann denkbar?

Nein. Iron Maiden sind Welten von dem entfernt, was wir heute stemmen. Ich schätze die Produktion in der LGS für uns als schlicht nicht realisierbar ein. Von den Gagen, die solche Bands schätzungsweise aufrufen, träumen wir nicht einmal. Und das ist auch gut so, wir müssten auf jeden Fall viele unserer Prinzipien aufgeben.

Frage: Für Ihren Verein ist die Organisation und Umsetzung des Festivals schon mehr als ein Hobby. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, dass die Organisation und vor allem die Verantwortung inzwischen weit über das hinausgeht, was man sich gemeinhin als Hobby vorstellt. Es ist auch viel „Arbeit“. Also Arbeit in dem Sinne, dass wir uns um viele Dinge und Auflagen kümmern müssen, die zu einem Vorhaben dieser Größe gehören. Ich habe bisher noch niemanden getroffen, dessen Hobby es war, gewisse Auflagen zu erfüllen.

Frage: Mehr als 70 Helfer werden im Einsatz sein. Auf welche Bereiche entfällt der größte personelle Einsatz – und warum?

Wir betreiben alle Getränkestände selbst. Der größte personelle Aufwand liegt in der Betreuung der Stände. Diese sind alle mit ehrenamtlichen Helfern unter Leitung von Vereinsmitgliedern besetzt. Natürlich ist der Aufbau des Geländes mit allen Ständen und der Technik ein dreitägiger Kraftakt mit vielen Helfern.

Frage: Was ist denn Ihr persönlicher Antrieb, zahllose Stunden in das Festival zu investieren?

Das habe ich mich auch schon des öfteren gefragt. Und es ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ein großer Antrieb ist dieses großartige, unbeschreibliche Gänsehautgefühl im Publikum zu stehen, wenn der Headliner spielt und diese einmalige Stimmung aufzusaugen. Die gesamte Anspannung der gesamten letzten Tage fällt wie ein Hinkelstein ab. Man genießt schlicht und einfach diesen Moment, auf den man ein Jahr hinarbeitet. Es ist der Antrieb, etwas Großartiges zu schaffen. Im Grunde ist „Baden in Blut“ ein Familienunternehmen. Das Festival hat mich geprägt und ist ein Teil von mir. Ich war 19 als wir angefangen haben, inzwischen bin ich 33.

Frage: Die „verflixte“ 13. Auflage haben Sie schadlos überstanden. Dennoch: Welche Erfahrungen haben Sie im vergangenen Jahr in Weil gemacht, aus denen Sie für dieses Jahr Ihre Lehren gezogen haben?

Die verflixte 13. Auflage haben wir nur aus Besuchersicht schadlos überstanden. Tatsächlich sind wir im Hintergrund an einem knappen Festival-Gau vorbeigeschrammt: Stromausfall, durch einen fast in Brand geratenen Stromverteilerkasten. Wir konnten den Brand nur durch beherztes und fehlerloses Eingreifen aller Beteiligten in der Kausalkette verhindern. Zudem hatten wir mit starken Verzögerungen aufgrund einiger technischer Probleme auf der Bühne zu kämpfen. In Summe war die 13. Ausgabe im Hintergrund mit Abstand die stressigste seit Jahren. Da könnte man abergläubisch werden.

Frage: Was haben Sie sich für Maßnahmen überlegt, damit das nicht wieder vorkommt?

Beispielsweise setzen wir dieses Jahr auf ein Stromaggregat, um die Bühnentechnik unabhängig der restlichen Stromversorgung zu betreiben. Zudem werden wir die (technische) Organisation auf und um die Bühne besser strukturieren.

Frage: Und inwiefern spielen die Sicherheitsauflagen eine Rolle?

Wir erstellen ein Sicherheitskonzept und lassen es von der Stadt jährlich prüfen. Zudem gibt es ein Behördengespräch im Vorfeld des Festivals. Vor dem Festival stehen wir auch mit der Polizei in Kontakt. Ich persönlich finde dieses Vorgehen in der Form richtig und wichtig.

Frage: Sie können mittlerweile einen Vergleich mit Lörrach als Festivalort ziehen. Wie fällt der aus?

Überwiegend positiv. Das Gelände der Weidenkuppel war eine einmalige Location für unser Festival. Wir merken jetzt allerdings, dass wir in der LGS mehr „Luft zum Atmen“ haben. Im Grütt wurde es in den letzten Jahren etwas eng. Speziell im Backstage-Bereich hinter der Bühne sind wir an Grenzen gestoßen. Bands wie „Iced Earth“ wären dort kaum möglich gewesen. Demnach war der Umzug nach Weil im Nachhinein der logische nächste Schritt. Wir wurden in Weil sehr nett empfangen. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Polizei funktioniert aus unserer Sicht sehr gut und pragmatisch. Wir fühlen uns jedenfalls wohl in Weil. Es ist schön, dieses Festival in meiner ehemaligen Heimatstadt zu veranstalten. Ich war Schüler der Realschule in Weil.

Frage: Wann bewerten Sie das 2018er-Festival als gelungen?

Wenn der Tag ohne Zwischenfälle und Stromausfall verläuft, das Wetter mitspielt und die Besucher einen Tag erlebt haben, von dem sie ihren Freunden und Verwandten erzählen. Passt dann der Kassensturz noch, sind auch wir wunschlos zufrieden.

Frage: Und wie sehen die Pläne für die nächsten Jahre aus?

Im Grunde möchten wir auf diesem Niveau weitermachen und uns in Details verbessern. Etwas Raum für Wachstum mit bestehender Infrastruktur haben wir noch. Gerne würde wir das Festival noch auf Freitagnachmittag in verkleinerter Form als „Warm-up“ ausweiten. Beispielsweise von 17 bis 22 Uhr mit vier Bands. Der Aufbau und die Logistik sind für einen Tag enorm aufwendig. Bei eineinhalb Tagen hätten wir die Möglichkeit, bei ähnlich hohem Aufwand, selbst mehr vom Festival zu erleben und könnten den Kostendruck etwas reduzieren, da die Fixkosten gleich bleiben. Vorerst haben wir hierfür leider eine Absage von der Stadt Weil bekommen.

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