Weil am Rhein Beeindruckt vom großen Engagement

Quartiersmanagerin Brigitte Lill (hinten) bei einem der Nachbarschaftsgespräche Foto: zVg

Weil am Rhein - Ein Quartier lebt vom direkten Kontakt, weiß Brigitte Lill, die im vergangenen Jahr ihre Arbeit als Quartiersmanagerin rund um die August-Bauer-Straße aufgenommen hat. Coronabedingt war also der Einstieg erschwert – aber es wurden dennoch Wege gefunden, die Bewohner und ihre Bedürfnisse kennenzulernen.

Die einzige „Live-Aktion“, die stattfinden konnte, stellten die Nachbarschaftsgespräche dar, berichtet Lill im Gespräch mit unserer Zeitung. Zu diesen hatte sie im Sommer unter dem Motto „Trotz Abstand nah dran“ auf dem Platz an der Leimgrubenstraße/Ecke August-Bauer-Straße eingeladen. „Dort kamen die ersten Themen zur Sprache. Vor allem ging es um die Gestaltung des Quartiers und des Miteinanders.“

Zudem bestand für die Bewohner die Möglichkeit, auch miteinander in Kontakt zu kommen. Um den Abstand zu wahren, durften aber nur vier Personen gleichzeitig im Gesprächskreis Platz nehmen. „So konnten wir beim Austausch auch mehr in die Tiefe gehen“, freut sich die Quartiersmanagerin.

Eigentlich sollte es nach den Nachbarschaftsgesprächen eine größere Beteiligungsveranstaltung geben, aber die Corona-Regeln wurden wieder verschärft. Also startete Lill eine schriftliche Umfrage. An 1875 Haushalte bis hin zur Robert-Koch-Straße, Römerstraße und Bühlstraße wurden Fragebögen verteilt. 193 Antworten gingen ein. „Sie waren zum Teil sehr ausführlich, enthielten Meinungen und konkrete Wünsche“, berichtet Lill.

Die Ergebnisse

54 Prozent der Antworten stammten von Rentnern. 49 Prozent der Teilnehmer waren älter als 66 Jahre, 31 Prozent zwischen 46 und 65 Jahre alt. „Ich denke, dass das auch damit zusammenhängt, dass dort viele ältere Menschen leben“, meint die Quartiersmanagerin. Die meisten hätten auch angegeben, dass sie schon länger im Quartier wohnen.

Beim Punkt „Zufriedenheit mit der Wohnumgebung“ wurden drei Faktoren berücksichtigt: Lage, Gestaltung und soziales Umfeld. „Mit der Lage sind die meisten sehr zufrieden. Die größte Unzufriedenheit herrscht bei der Gestaltung.“ Auch die Verkehrssituation sei für viele wichtig. „Die Grundschüler haben oft einen langen Weg und müssen stark befahrene Straßen überqueren, daher werden sichere Übergänge gewünscht“, weiß Lill. Auch ältere Bewohner mit Rollatoren oder Rollstühlen müssten diese gut nutzen können.

Zum Thema Gestaltung: „Alle vermissen Grünflächen“, hat die Quartiersmanagerin durch die Umfrage herausgefunden. Auch Natur- und Baumschutz sei den Anwohnern wichtig. „Manche hatten sogar schon konkrete Vorschläge für eine Begrünung, ich bin erstaunt über den Ideenreichtum.“

Beim Punkt Soziales Miteinander herrsche Unsicherheit: „Es wurde oft ,Ich weiß nicht’ angekreuzt“, berichtet Lill. Das hänge wohl mit der Corona-Zeit und der sozialen Isolation zusammen. „Manche haben auch notiert, dass derzeit alles anders ist.“

Generell bestehe der Wunsch nach kulturellen Angeboten im Quartier sowie nach Begegnungsräumen. Dafür wird derzeit in Räumen der Städtischen Wohnbau ein Quartierstreff eingerichtet. „Aber während noch gebaut wird, sind sie ohnehin nicht nutzbar. Ich hoffe auf den Sommer“, sagt die Quartiersmanagerin. Dort wird neben einem Gemeinschaftsraum mit Küche auch das Quartiersbüro Platz finden.

„Die Bewohner wünschen sich eine Möglichkeit, sich aufhalten zu können. Dort können sie nicht nur mit mir ins Gespräch kommen, sondern auch miteinander.“ Zudem soll ein Quartierscafé ins Leben gerufen werden – natürlich erst, wenn es die aktuelle Situation zulässt. Dafür hätten sich auch schon engagierte Frauen gemeldet.

Allgemein zeigt sich Lill vom Engagement der Bürger sehr beeindruckt. 42 Prozent haben in der Umfrage bereits angegeben, dass sie das Leben im Quarter mitgestalten möchten und haben zum Teil schon eigene Ideen. Ihr großer Dank gilt ihrem Team, das beim Einpacken und Verteilen der Umfragebögen geholfen hat. „Das waren auch alles Leute aus dem Quartier – man spürt das Interesse und die große Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.“

Große Unterstützung gab es auch beim Thema „Internetzugang für alle“. Denn es sei aufgefallen, dass viele ältere keinen Internetzugang haben, nicht ausgestattet sind oder sich nicht auskennen. Deshalb soll im Quartierstreff, wenn er denn dann nutzbar ist, die Möglichkeit geboten werden, sich die Fähigkeiten anzueignen und dabei Hilfe zu erhalten. „Wir haben gebrauchte Geräte und Freiwillige gesucht und eine tolle Rückmeldung erhalten“, freut sich Lill.

Natürlich werde man durch Corona immer wieder ausgebremst. „Aber wir versuchen, weiter den Kontakt zu halten, so wie es möglich ist.“

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