Weil am Rhein - Polizeirat Thomas Müller (40), seit vier Jahren engagierter Leiter des Verkehrskommissariats Weil am Rhein, wird am kommenden Donnerstag verabschiedet. Er wird in seiner Heimatstadt Müllheim neuer Leiter des Polizeireviers. Als neuer Chef des Verkehrskommissariats wird Polizeihauptkommissar Andreas Schaffhauser (46), bisheriger Leiter des Unfalldiensts, in sein Amt eingeführt.

Im Verkehrskommissariat in Friedlingen an der Autobahn sind rund 50 Polizeibeamte beschäftigt. Diese kümmern sich nicht nur um den Autobahnabschnitt zwischen Weil am Rhein, Rheinfelden bis Hartheim, sondern sind auch für die Verkehrsüberwachung und die Aufnahme schwerer Unfälle im gesamten Landkreis Lörrach zuständig. Der tägliche kilometerlange Lkw-Stau vor dem Autobahnzoll ist eine weitere Herausforderung für die Polizeibeamten.

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Unsere Zeitung sprach mit dem scheidenden Verkehrskommissariatsleiter Thomas Müller. Ihm ist es mit starkem Einsatz und viel Beharrlichkeit gelungen, das Thema Schwerverkehrszentrum ins Bewusstsein der Politiker zu bringen. Dies belegte auch der Besuch des Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium. Mit einem Vorstauraum könnte das Stauproblem weitgehend gelöst werden.

In ein paar Tagen verlassen Sie die Grenzstadt. Gehen Sie mit einem lachenden oder weinenden Auge?
Mit beidem. Zum einen freue ich mich, beruflich in meiner Heimatstadt Müllheim eine neue, herausfordernde Aufgabe angehen zu können. Dadurch entfällt das tägliche Pendeln zwischen Müllheim und Weil am Rhein. Andererseits verlasse ich nur ungern das Verkehrskommissariat mit den vielfältigen Aufgaben inmitten des Dreiländerecks. Wir haben hier eine tolle Truppe und ein tolles Umfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten.

Außerdem war die Zusammenarbeit mit der Stadt Weil am Rhein, sei es mit OB Dietz, den Bürgermeistern Huber und Koger oder der Rechts- und Ordnungsamtsleiterin, Frau Nonnenmacher, einfach klasse. Wäre das Verkehrskommissariat in Müllheim angesiedelt, würde ich sicher nicht wechseln. So aber überwiegt die Freude, nach Hause zu kommen.

Was ist Ihnen in Ihrer vierjährigen Amtszeit in Weil am Rhein in besonderer Erinnerung geblieben?
Das sind vier Einsätze: Zum einen die Autobahnblockade, als sich eine linke Szene aus dem gesamten Bundesgebiet hier einfand, zum anderen der Transport von Windkrafträdern nach Gersbach. Das war etwas Besonderes, eine tolle Sache mit guten Gesprächen, auch mit den Windkraftgegnern. Es sind manche guten Kontakte entstanden. Erst kürzlich hatte mich der Ortsvorsteher von Gersbach wieder angerufen. Des Weiteren werde ich nicht den tödlichen Motorradunfall am Feldberg vergessen, bei dem ein 16-Jähriger ums Leben kam. Ich war selbst vor Ort, es war schrecklich. Genauso wie der tödliche Unfall zwischen Hasel und Schopfheim, als ein Jaguar einen Bus überholte und frontal kollidierte. Solche Einsätze sind besonders schwierig.

Was nehmen Sie aus Weil am Rhein mit?
Ich bin froh, dass ich vier Jahre hier sein konnte und es mit sehr angenehmen Leuten zu tun gehabt habe. Die Arbeit an einer EU-Außengrenze ist etwas Besonderes, auch die Zusammenarbeit mit dem Zollamt, der Schweizer Grenzwache und den französischen Kollegen. Da sind auch Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte. Diese wichtigen Erfahrungen sind einmalig. Was ich noch mitnehme: Man macht ja im Berufsleben auch Fehler. Diese sollen sich an meinem neuen Wirkungsort nicht wiederholen.

Was zählte für Sie zu den größten Herausforderungen?
Der tägliche Stau vor dem Autobahnzoll ist eine riesige Herausforderung. Wenn wir den Stau beseitigen könnten, wären auch andere Probleme gelöst.

Deshalb haben Sie bis zuletzt mit Konsequenz und Beharrlichkeit für ein Schwerverkehrszentrum gekämpft.
Ja. Die Idee habe ich von einem Besuch in Erstfeld in der Schweiz mitgenommen. Ein solches Schwerverkehrszentrum würde viele Probleme beseitigen. Es ist nun Bewegung im Thema, jetzt fehlt nur noch das Gelände für einen Lkw-Stauraum.

Sie mussten dicke Bretter bohren, bis das Thema in der Politik ankam.
Es hat sich aber gelohnt, wie auch der Besuch des Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium im Sommer dieses Jahres zeigte. Bis Ende 2019 soll ein Verkehrsgutachten vorliegen. Die Chancen stehen so gut wie noch nie, dass das Thema Schwerverkehrszentrum weiterverfolgt wird. Das ist wichtig, denn die Stauproblematik wird ja nicht besser. Man muss bedenken, dass das Lkw-Verkehrsaufkommen jährlich um zwei bis zweieinhalb Prozent steigt.

Sie können Ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Kommissariat übergeben.
Das müssen andere beurteilen. Ich habe jedenfalls versucht, mein Bestes zu geben. Zufrieden bin ich allerdings erst, wenn wir keine Verkehrstoten mehr haben. In diesem Jahr hatten wir im Landkreis Lörrach zehn tödliche Unfälle zu verzeichnen. Noch etwas: Wenn alle Kreuzungen zu Kreisverkehrsplätzen ausgebaut würden, hätten wir keine Unfälle mehr. Aber dafür ist die Polizei nicht zuständig.