Weil am Rhein Besondere Sonaten erklingen

Weiler Zeitung, 13.03.2018 22:00 Uhr

„Musikalische Grenzgänge zur Passionszeit“ erwarten die Zuhörer des Barockkonzerts mit selten zu hörender Passionsmusik am Sonntag, 18. März, in der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein.

Weil am Rhein. Ausführende sind Mojca Gal und Andreas Heiniger (Barockviolinen) sowie Thomas Leutenegger an der Orgel. Von Heinrich Ignaz Franz Biber, dem Hofkapellmeister des Fürsterzbischofs von Salzburg, werden aus der berühmten Sammlung seiner 15 „Rosenkranz- oder Mysteriensonaten“ vier Sonaten aus dem „schmerzhaften“ Rosenkranz-Zyklus zu Gehör gebracht. Sie beschreiben die Klage im Garten Gethsemane, die Dornenkrönung, die Kreuztragung und die Kreuzigung.

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Einzigartig am Zyklus der Rosenkranzsonaten ist die Tatsache, dass Biber für alle Sonaten eine andere Stimmung der Violine fordert. Diese im 17. Jahrhundert recht beliebte Technik, „Scordatur“ genannt, wurde von Biber zu einer vor und nach ihm nicht erreichten Hochblüte gebracht, heißt es in der Ankündigung. Durch die Scordatur wird die Klangfarbe der Violine verändert, indem Resonanzen gefördert oder unterdrückt werden. Zudem werden Doppelgriffe möglich, die auf einer normal gestimmten Geige nicht ausführbar wären.

So erscheint die Sonata 6 durch eine in sich besonders dissonante Stimmung der Geige resonanzarm und gedeckt im Klang, was der tiefen Trauer in Gethsemane bewegenden Ausdruck verleiht. Dagegen ist der Klang der Geige in der achten Sonate scharf und herb. In der zehnten Sonate erklingt gleich zu Beginn ein rhythmisches Motiv, das den Ausruf „kreuzige, kreuzige, kreuzige“ skandiert. In der abschließenden Aria werden die Verdunkelung des Himmels, das Reißen des Vorhangs im Tempel und das Erdbeben deutlich vertont.

In der Mitte des Programms erklingt an der Metzler-Orgel das e-Moll-Praeludium des norddeutschen Orgelmeisters Nikolaus Bruhns. Anfang und Schluss des Konzerts bilden je eine Triosonate von Johann Heinrich Schmelzer und Biber.

Mojca Gal absolvierte ihre Ausbildung „mit Auszeichnung“ an der Akademie für Musik in Ljubljana in der Klasse von Primoz Novsak sowie an der Hochschule der Künste Bern, wo sie bei Monika Urbaniak, Monika Baer, Carsten Eckert und Michael Form studierte. 2011 bis 2013 studierte sie an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel bei Amandine Beyer.

Andreas Heiniger erwarb das Lehrdiplom für moderne Violine bei Christine Ragaz. Anschließend studierte er Barockvioline in London bei Rachel Podger. Er wirkt in verschiedenen Orchestern auf historischen Instrumenten mit, zudem ist er rege kammermusikalisch tätig.

Thomas Leutenegger studierte Orgel bei R. Meyer, Winterthur und Hans van Nieuwkoop, bei dem er 1985 mit dem Solistendiplom abschloss. Cembalo studierte er bei Kees Rosenhart, Haarlem und Johann Sonnleitner, Zürich. Seit 1987 ist er Organist an der Nydeggkirche Bern, von wo aus er eine rege Konzert- und Unterrichtstätigkeit entfaltet.

 Das Konzert beginnt um 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Am Ausgang findet eine Kollekte statt zur Deckung der Unkosten.