Weil am Rhein Bilder von erstaunlicher Nähe

Edith Oellers (links) und Konstantin Weber vor ihren Werken Foto: Beatrice Ehrlich

Weil am Rhein - Menschen und zeitgenössische Kunst zusammen zu bringen, betrachtet die Galeristin Ria Stahlberger als Verpflichtung. Auch durch die erschwerten Bedingungen in Corona-Zeiten lässt sie sich davon nicht abbringen. Für die Freunde der Galerie ist das ein Glück. In großer Zahl fanden sie sich am Freitagabend zur Vernissage der aktuellen Ausstellung von Edith Oellers und Konstantin Weber ein.

Unter dem Titel „Menschen und Orte“, hat Stahlberger die beiden Künstler erstmals in einer Ausstellung vereint. Eine wunderbare Idee, wie sich zeigt: Die zum Teil verschränkte Hängung, die dazu führt, dass Bilder der einen direkt neben den Bildern des anderen zu sehen sind, zeigt, dass die beiden nicht nur thematisch zusammenpassen, sondern sich sogar bis hin zur Auswahl bestimmter Farbtöne erstaunlich nah sind.

Auf ihren regelmäßigen Reisen findet Edith Oellers ihre Motive. Ob in Madrid, Warschau oder Budapest. Oellers sammelt visuelle Fundstücke, im Gedächtnis, als Fotografie oder Skizze und bringt sie dann im Atelier auf die Leinwand. Durch das Ausgestalten von Details, die Verstärkung bestimmter Farbtöne und nicht zuletzt durch die Überlagerung bestimmter Szenen, unabhängig von Ort und Zeit, entstehen ihre Bilder mit einer ganz besonderen Handschrift: nah an der Realität, detailreich, mit manchmal fast dokumentarischem Charakter, und zugleich, beim näheren Hinschauen, offensichtlich unwirklich, fast traumhaft.

Durch sorgfältig gestaltete Übergänge werden solche „Ungereimtheiten“, wenn überhaupt, erst beim zweiten Hinschauen deutlich. Auf diese Weise schafft die Künstlerin in ihrem Werk eigene, fiktive Orte und Räume mit ebensolchen Bewohnern, allein oder in Gruppen. Die Vielschichtigkeit des Dargestellten erzeugt Tiefe. Menschen sind Edith Oellers wichtig, kein Bild bleibt gänzlich unbelebt. Beim Betrachter stoßen ihre Bilder Erinnerungen an eigene Reisen, ein faszinierendes Gedankenspiel in Zeiten, in denen die meisten pandemiebedingt weniger unterwegs sind als sonst.

Anders als bei Konstantin Weber: Der Künstler aus Efringen-Kirchen beschäftigt sich vorwiegend mit Landschaften, oft in der unmittelbaren Umgebung, und hat erst zu einem späteren Zeitpunkt Menschen in sein Werk miteinbezogen. Seine Bildgegenstände sind oft unspektakulär, Gräser oder Pflanzen etwa, die nach einer Überflutung platt liegengeblieben sind und, geformt durch das Naturereignis, dynamisch in verschiedene Richtungen auseinanderstreben.

Es ist das Dahinter – Struktur und Rhythmus, Licht und Schatten feine Abstufungen in der oft gedämpften Farblichkeit – was Weber an seinem Bildgegenstand interessiert, weniger, um was oder wen es sich im Einzelfall handelt. So begründet er auch seine „Zitate“ von Meisterwerken der Kunstgeschichte wie Böcklins „Toteninsel“, der er mit prägnantem Weiß und pastosem Pinselstrich eine ungewohnte, dramatische Lebendigkeit verpasst. Dies wird auch in den kurzen, recht allgemein gehaltenen Titeln seiner Bilder deutlich: „Flut“, „Blick“, „Faces“ oder „Insel“.

Ausstellungsinfo:   bis 6. Dezember sowie 22. Januar bis 14. Februar, Pfädlistraße 4, Weil am Rhein

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