Weil am Rhein Brüder helfen bei der Evakuierung

Die Brüder Sascha und Marco Liebig (links) waren mit dem DRK-Krankentransportwagen im Hochwasser-Gebiet im Einsatz. Foto: zVg

Die Weiler DRK-Rettungssanitäter Marco und Sascha Liebig haben in der vergangenen Woche bei der Evakuierung eines Altenheims und einer Palliativstation im vom Hochwasser betroffenen Ahrweiler mitgeholfen. In Erinnerung bleiben ihnen einerseits die furchtbaren Bilder der Zerstörung, andererseits die enorme Hilfsbereitschaft.

Weil am Rhein. Mit insgesamt 100 Krankentransportwagen ging es in vier Gruppen aufgeteilt von Südbaden in Richtung Norden, um in von den großen Wassermassen betroffenen Gebieten zu helfen. In einem Wagen saßen die Weiler DRK-Kräfte, die dem Ruf nach Unterstützung und Hilfe direkt gefolgt sind.

Während Marco Liebig schnell seinen Urlaub nutzte, opferte sein zwei Jahre älterer Bruder Sascha sein verlängertes freies Wochenende im Rettungsdienst. In Bruchsal wurde dann festgelegt, dass beide in Ahrweiler eingesetzt werden. Marco Liebig hatte sich mittlerweile auch ins Bild gesetzt, was überhaupt für eine Katastrophe passiert war, da er im Urlaub keine Nachrichten verfolgte.

Enorme Schäden

Am Freitag gegen 3 Uhr kam der Konvoi in Nordrhein-Westfalen an, um 7 Uhr ging es dann an die Evakuierung des etwa fünf Kilometer entfernt liegenden Altenheims.

Während bei der Fahrt am Bahnhof vorbei alles wenig problematisch aussah, änderte sich Szenerie kurz darauf beim Blick über den Fluss. „Es sah aus wie im Krieg“, bleibt dem 28-jährigen Marco Liebig dieses Bild in Erinnerung – weggespülte Straßen und Bürgersteige, über- und nebeneinander liegende Fahrzeuge in verschiedenen Positionen, zusammengebrochene Häuser-Fassaden, in Schieflage stehende Baukräne, umgeknickte Elektrokästen sowie aus dem Boden ragende Rohrleitungen. „Die eingeknickte und zusammengebrochene Brücke behalte ich für immer im Kopf.“

Zugleich sah er die Menschen, die alle mit anpackten, während die Feuerwehr mit dem Abpumpen von Wasser aus den Gebäuden gefordert war. Und was geht beim Anblick einem Helfer durch den Kopf? „Ich habe nur gedacht: Hoffentlich kann ich helfen.“

Und das konnten beide Weiler Rettungssanitäter. Am wenige Kilometer von Ahrweiler gelegenen Stützpunkt am Haribo-Werk wurde die Evakuierung der Seniorenwohnanlage zugeteilt. Zum Teil waren die alten Menschen bettlägerig, teils konnten sie nicht selbst gehen.

Mit den zahlreichen Krankenwagen wurde der Transport der Wohnanlage übernommen. Am Tag darauf folgte die Palliativstation, deren Menschen ins Krankenhaus gebracht wurden. Um den richtigen Weg durch das vom Unwetter zerstörte Gebiet zu finden, fuhr die Polizei voraus. „Man schaut sich genau die Umgebung an, ob etwas unterspült oder einsturzgefährdet ist.“

Wichtige Unterstützung

Kein Wasser, keinen Strom und auch kein Gas gab es zu diesem Zeitpunkt in Ahrweiler. Die Kommunikation unter den Helfern war zumindest über Digital- und Analogfunk möglich, schildert Marco Liebig. Das Internet funktionierte hingegen nicht, mit etwas Glück konnte man heraustelefonieren.

Am Samstag konnten die beiden Weiler Helfer mit dem DRK-Krankentransportwagen aber die Rückreise antreten, da nach einer intensiven und von wenig Schlaf geprägten Zeit die nächsten Helfer anrückten, um mit neuer Kraft Unterstützung zu bieten. „Wenn wir nicht gewesen wären, hätten die extreme Probleme gehabt“, hat Marco Liebig Rückmeldungen der Retter vor Ort erhalten, die parallel auch noch den Regelrettungsdienst zu stemmen hatten.

Mit wenigen Tagen Abstand ist am Dienstagmittag ein Teil der Erlebnisse nun verarbeitet, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wird. Doch was bleibt, sind auch positive Erfahrungen. „Bei solchen Katastrophen sieht man erst einmal den Zusammenhalt in der Republik. Alle wollen helfen, das ist genial“, freut sich der Rettungssanitäter. Sogar der Chef seiner Frau, die in einer Metzgerei arbeitet, habe direkt angeboten, eine dreistellige Anzahl an Wienerle spontan zu spenden.

Für Katastrophenfall

Dass der Weiler Krankentransportwagen zum Einsatz kommt, ist mit der Anschaffung durch das Land eingeplant, so DRK-Bereitschaftsleiter Stefan Ohm. Hätten nicht die Weiler Rettungskräfte direkt Zeit gefunden, wäre der Wagen anderweitig besetzt ins Katastrophengebiet gefahren worden, da es sich um ein Fahrzeug des Katastrophenschutzes handelt.

Während der neunjährigen Zeit wurde der Krankentransportwagen erstmals in einem weiter entfernten Gebiet benötigt, erklärt Ohm. Ansonsten kommt er regelmäßig beispielsweise bei Brandfällen in Weil und der Umgebung zum Einsatz. In diesem Fall weiß er auch um die Wirkung auf das Brüderpaar: „Für unsere beiden Helfer ist es jetzt auch eine große Erfahrung gewesen.“

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