Weil am Rhein Bürger lassen sich nicht verrückt machen

Das Coronavirus ist derzeit Thema Nummer eins. Was denken die Menschen in Weil am Rhein – fühlen sie sich bedroht oder gehen sie eher lässig mit der Ansteckungsgefahr um?

Weil am Rhein (sc). Unsere Mitarbeiterin Anita Indri-Werner war an der Hauptstraße unterwegs und hat sich umgehört.

Barbara Vitali: „Ich bin Zahnarzthelferin und sehe daher die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Ich versuche, mich nicht verrückt machen zu lassen. Schließlich gab es mit Ebola, Sars und anderem schon viele ähnliche Situationen. Wir haben alles gut überstanden. Ja, Händewaschen, desinfizieren, das ist doch ganz selbstverständlich. An die Hinweise, wie sich in der aktuellen Situation verhalten werden soll, halte ich mich. Was meine Familie anbetrifft, so habe ich ein gutes Gefühl. Auch in der Familie wird auf diese Dinge geachtet. Wir sind alle informiert. In den Medien wird immer wieder über neue Fälle berichtet, was eher beunruhigend ist. Dennoch, ich bin guter Dinge, dass relativ schnell etwas gefunden wird, um das Virus zu stoppen. Grundsätzlich bin ich ein optimistischer Mensch.“

Robin Halbhuber: „Ein schwieriges Thema, klar, der Aufruhr ist verständlich. Andererseits: Viren und Bakterien werden von Menschen übertragen, immer und überall. Daher war es zu erwarten, dass sich das Coronavirus ausbreitet. Menschen mit einer Vorschädigung, die sind eher betroffen. Ich denke, wichtig ist, aufzupassen. Zwar könnte eine Pandemie ausbrechen, trotzdem sind die derzeitige Panik und Panikmache meines Erachtens übertrieben. Ich gehe locker mit der Sache um. Den Umzug in Weil absagen? Eigentlich keine schlechte Idee. Dennoch, ich hoffe, der Buurefasnachtsumzug in Weil am Rhein findet statt.“

Erika Bauer: „Ich bin im Verkauf tätig, da ist es notwendig, Geld anzufassen und Kontakt zu den Kunden zu haben. Oft lassen die Kunden beispielsweise gebrauchte Tempotaschentücher in den Umkleidekabinen liegen. Aber auch schon vor dem Coronavirus habe ich diese sorgsam entsorgt. Dass ältere oder kranke Menschen bei einer Ansteckung gefährdet sind, das lässt sich nachvollziehen. Was ich gegen eine Ansteckung unternehme? Nun, ich wasche und desinfiziere meine Hände, vermeide derzeit den Händedruck und es gibt keine Küsschen, wie das an der Fasnacht üblich ist, wenn man befreundete Narren trifft. Den Weiler Umzug absagen, das halte ich für übertrieben. Schließlich ist es jedem selbst überlassen, ob er hingeht oder nicht. Sind wir mal ehrlich, Gefahren für Leib und Leben lauern doch täglich überall.“

Michael Jungk (Gesundheitsstudio): „Wir desinfizieren jedes benutzte Gerät nach dem Training. Gegen eine Ansteckung gilt Händewaschen, desinfizieren und die Einhaltung der anderen Sicherheitshinweise. Das setzen wir um. Ein Mensch mit einem gesunden Immunsystem ist kaum gefährdet. Hier sind ältere und kranke Menschen eher betroffen. Der selbstverständliche Umgang mit Tabak und Alkohol kostet viel mehr Leben, als eine Grippe oder das Coronavirus. Sich diesen Gefahren täglich auszusetzen, die ja auch lebensbedrohlich sind, das wird verdrängt. Dass in Basel die Fasnacht abgesagt wurde, finde ich nicht gut. Es ist doch schließlich jedem selbst überlassen, wie er die Situation einschätzt.“

Monika Finke: „Alles nur Panikmache! Zwischenzeitlich rennt jeder, der einen Schnupfen hat, ins Krankenhaus. Ich mache mir da keine Gedanken, man kann sich ja auch selbst verrückt machen. Und das machen die Leute zur Zeit. Wer die ganz normalen Hygienemaßnahmen umsetzt, der dürfte nicht gefährdet sein. Und, den Umzug wegen des Coronavirus abzusagen, davon halte ich nichts. Wenn ein Umzug wegen eines Sturms abgesagt wird, dann könnte ich das nachvollziehen. Aber die diffusen Ängste, die durch die Medien täglich geschürt werden, sollten nicht der Grund sein, den Umzug abzusagen.“

Dominic Martin: „Ich bin mir nicht im Klaren, ob die Gefahr tatsächlich so groß ist, ob es sich um eine reale Bedrohung handelt, oder ob die Medien das Ganze nur hochpushen. Zur Sicherheit meide ich Menschenansammlungen, auch die Hygienevorschläge, die schon bisher selbstverständlich für mich waren, setze ich nach wie vor um. Dass die Basler Fasnacht abgesagt wurde, ist mir egal. Auch, dass Fußballspiele ohne Publikum stattfinden sollen, berührt mich nicht. Ich wäre zu beiden Veranstaltungen sowieso nicht hingegangen.“

Zahnärztin Katharina Herrmann: „Ich denke, dass in der Zahnarztpraxis die üblichen Standard-Hygienemaßnahmen, mit konsequentem Tragen des Mund-Nase-Schutzes und von Handschuhen sowie der korrekten Anwendung der Händedesinfektion unter Beachtung der Einwirkzeit, als ausreichend anzusehen sind. Trotzdem ist es natürlich ganz wichtig, sich zu überlegen, ob die möglichen Schutzmethoden optimal eingesetzt sind. So haben wir neu im Eingangsbereich für unsere Patienten einen Desinfektionsspender angebracht. Dies alles, ohne in Hysterie zu verfallen, auch wenn diese Ungewissheit schon gruselig ist.“

Domenic Hermann: „Alles halb so wild, da ist viel Panikmache dabei. Die Medien tun hier ihr übriges. Jeder kann sich selbst schützen, indem er sich an die Hinweise zur Hygiene hält. Wobei Händewaschen und so weiter schon vor dem Coronavirus eine Selbstverständlichkeit hätte sein sollen. Besuche in Einrichtungen, in denen sich viele Menschen aufhalten, wie beispielsweise ein Besuch im Zoo mit Kindern, können verschoben werden. Auch der Kontakt zu Fremden kann überschaubar gehalten werden.“

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