Weil am Rhein Corona gibt erneut den Takt vor

Marco Fraune
Der Unterricht an den Musikschulen läuft weiter - wenngleich mit einigen Einschränlungen (Symbolfoto). Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Weil am Rhein - Es hätte drastischer ausfallen können: Mit einer gewissen Erleichterung bewertet der Weiler Musikschulleiter Karl Gehweiler die neue Corona-Verordnung Schulen. „Die Bedingungen für den Unterrichtsbetrieb haben sich nicht gravierend verändert oder verschlechtert.“ Denn Einschränkungen und Einstellungen von Angeboten gehören seit langem auch in der Sing- und Musikschule zum Alltag.

Die gesundheitliche Unversehrtheit von Lehrern und Schülern genieße die höchste Priorität, unterstreicht Gehweiler im Gespräch mit unserer Zeitung. Und das ist auch der Grund dafür, dass die zwei Kinderchöre seit eineinhalb Jahren verstummt sind. Eine kurzzeitige Wiederbelebung des Angebots wäre theoretisch möglich gewesen, doch der Musikschulleiter hat Vorsicht walten lassen und schon damit gerechnet, dass die dritte nicht die letzte Welle war. „Die Kinder wollten unbedingt, aber ich wollte es nicht verantworten.“

Nun wieder in Online-Proben befindet sich neu der Erwachsenenchor „Voices in Motion“. Vor einer Woche wurde versucht, mit Masken zu singen. Doch das erwies sich nicht als zielführend. So haben die Gruppenmitglieder jetzt notfalls sogar die Möglichkeit, sich von ihrem Arbeitsplatz in die Probe digital einzuwählen – oder eben von zuhause.

Plexiglasscheibe und mehr

Bei den Bläsern sieht der Unterricht wie folgt aus: Hier gibt es statt einer Maske vor dem Mund eine zum Lehrer hin aufgestellte Plexiglasscheibe. Wenn dann Korrekturen im Notenblatt gemacht werden, ziehen beide die Maske auf, bevor man sich nähert, liefert Gehweiler Einblicke in die besonderen Bedingungen. Fünf Meter Mindestabstand, die Lüftung sowie eine CO2-Ampel ergänzen das Sicherheitspaket. „Damit ist die Gefahr minimiert.“ Unter den Jugendlichen seien auch viele schon doppelt geimpft. „Das finde ich beruhigend.“

Konzert verschoben

Eigentlich war für den 4. Dezember auch ein festliches Konzert der Musikschule geplant. Doch das ist nun auf Frühjahr nächsten Jahres verschoben worden. Die 2G-plus-Regelung hätte zwar angewendet werden können, doch angesichts der großen Spielerzahl hätte man dies nicht mehr hinbekommen, so Gehweiler.

Alle weiteren Instrumentalfächer werden weiter von der Weiler Musikschule angeboten, Unwägbarkeiten inklusive. So ist der instrumentale Grundschulunterricht abhängig davon, ob sich Klassen in Quarantäne befinden. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Musikschüler auf 1850. Es gibt 36 Lehrer, von denen fast 100 Prozent geimpft sind.

Notfalls online

Ein Knackpunkt bleibt dennoch. Das Zwischenmenschliche ist unter Pandemie-Bedingungen anders, distanzierter, weiß der Musikschulleiter. Dabei sei der Unterricht eigentlich sehr persönlich. So werde die Nähe durch Weite ersetzt. „Ich hoffe, dass es mal wieder anders wird.“

Womöglich wird die Entfernung noch größer. Auf einen Online-Unterricht ist die Musikschule aber laut Gehweiler vorbereitet. „Wir versuchen, den kontinuierlichen Unterricht aufrechtzuerhalten“, was derzeit durch Quarantäne durchbrochen wird. Im Notfall muss das Wlan helfen.

Bedeutung der Bildung

Froh ist der Musikschulleiter, dass die Zahl der Schüler weitgehend gleich geblieben ist. Nur ein leichter Rückgang sei zu verzeichnen. Im Gegensatz zu Sportvereinen, wo die Freizeitgestaltung maßgebend sei, werde der Musikschulunterricht hauptsächlich als Bildungsangebot angesehen, worauf nicht verzichtet werden wolle. Es sei aber kein elitärer Kreis, sondern dank der frühzeitigen Kontaktaufnahme würden alle Bildungsschichten angesprochen. Schon in Kitas ist die Musikschule vertreten, später dann auch in der Grundschule. Die Kontaktaufnahme zu musikalischen Inhalten greift, freut sich der Musikschulleiter.

Der Blick voraus

Dieser setzt seine Hoffnungen angesichts der hohen Infektionszahlen mittlerweile auf das Frühjahr. „Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.“ Für die Gemeinschaft und Gesellschaft sei dies sehr wichtig.

Und dann hegt Gehweiler noch eine Hoffnung: „Dass wir wieder normal miteinander umgehen können.“ Und einen dritten Wunsch gibt es noch: Die beiden Kinderchöre sollen dann nach zwei Jahren möglichst im Frühjahr wieder erklingen.

Das Kultusministerium hat die Corona-Verordnung Schule notverkündet. Damitgelten seit dieser Woche angepasste Regeln zum Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen. Für den Musikunterricht gilt in den Alarmstufen, dass beim Singen und beim Musizieren mit Blasinstrumenten ein Mindestabstand von zwei Metern in alle Richtungen eingehalten werden muss. Das Spielen von Blasinstrumenten ist nur im Freien oder in sehr großen Räumen wie beispielsweise der Aula erlaubt. Das Singen ist in geschlossenen Räumen nur mit Maske erlaubt, im Freien kann die Maske abgesetzt werden.

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