Weil am Rhein „Das Laguna ist eine Familie“

Ingmar Lorenz

Die Wiederaufnahme des Betriebs auf der einen Seite, eine angespannte Personalsituation und Finanzlage auf der anderen: Carl Stephan Matti, Geschäftsführer des Laguna, blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Jahr 2021 zurück.

Von Ingmar Lorenz

Weil am Rhein. Beim Blick zurück auf das zweite Corona-Jahr hebt Matti im Gespräch mit unserer Zeitung hervor, dass es für ihn und das Laguna-Team von großer Bedeutung war, den Gästen wieder Spaß und Vergnügen bieten zu können. Im Sommer konnte zunächst der Betrieb des Freibads wieder aufgenommen werden, kurz darauf öffnete auch das Badeland seine Pforten. Wenig später wurde zudem der Besuch der Saunen erneut möglich. Es sei gelungen, den Gästen ein gutes Angebot mit passendem Preis-Leistungs-Verhältnis zu machen, so der Laguna-Geschäftsführer. Man habe sich auf diese Weise in der schwierigen Ausgangssituation, in die das Laguna unverschuldet geraten war, gut geschlagen.

Trotzdem hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass die Schließzeiten so lange dauern“, weist Matti auf die Zeit hin, in welcher der Betrieb im Laguna zum Erliegen gekommen war.

Obwohl die Wiederaufnahme des Betriebs ein großer Schritt in die richtige Richtung war, hätte sich das Laguna rückblickend doch über mehr Besucher gefreut. Der erste Testlauf, den man zur Öffnung der Saunen unternommen hatte, sei zunächst noch ernüchternd gewesen. Im Herbst haben die Besucherzahlen dort aber schnell angezogen, erinnert sich Matti.

Die Einführung der 2G-plus-Regelung habe das Bad dann aber wieder hart getroffen. „Wir haben versucht, das mit einer Teststation bei uns vor der Tür aufzufangen“, schildert der Geschäftsführer. Allerdings habe die Notwendigkeit eines zusätzlichen Tests – ebenso wie der Umgang mit dem Online-Ticketing-System – bei vielen potenziellen Besuchern für Verunsicherung gesorgt.

Die Gäste nach Kräften unterstützt

Für die Laguna-Belegschaft waren die neuen Bestimmungen zudem mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand verbunden. Schließlich habe man die Gäste informiert und nach Kräften unterstützt. Die Mitarbeiter haben dabei Erstaunliches geleistet und sich schnell in neue Themenfelder eingearbeitet, resümiert Matti.

Dass die 2G-plus-Regel indes weiter für Verunsicherung bei den Gästen sorgt, zeige ein Blick auf die aktuellen Besucherzahlen. Am Wochenende, so schildert Matti, hätten etwa 1000 Besucher pro Tag das Bad besucht. „Das ist weniger als die Hälfte“, vergleicht er die Zahlen mit der Vor-Corona-Zeit.

In der weiterhin angespannten Situation ist für die Belegschaft des Laguna die positive Rückmeldung der Besucher von entscheidender Bedeutung, betont Matti. Und diese gebe es glücklicherweise häufig. „Viele Gäste sagen uns: Toll, dass ihr wieder aufhabt.“

Weiterhin Sorgen bereiten im Laguna die Personalsituation und die Finanzen. Ein Großteil der Mitarbeiter sei nach wie vor in Kurzarbeit, legt Matti dar. Über Sondermaßnahmen in Absprache mit dem Arbeitsamt versuche man, die finanziellen Ausfälle für die Mitarbeiter, so weit es möglich ist, abzufedern. Insgesamt herrsche aber viel Verunsicherung mit Blick auf die Zukunft. Von den einst etwa 120 Mitarbeitern seien noch gut 70 übrig, erklärt Matti, dass sich viele Angestellte in den schwierigen Zeiten neu orientiert haben.

Damit geht auch einher, dass die Personaldecke dünn ist und die Mitarbeiter ein Plus an Flexibilität an den Tag legen müssen. Perspektivisch bestehe zudem die Sorge, dass bei vermehrten Krankheitsfällen im Team, der Betrieb nicht mehr gestemmt werden kann, legt Matti dar. Allerdings versuche man alles zu unternehmen, dass es dazu nicht kommt.

Zugleich könne man die Bedeutung nicht zu hoch einschätzen, die in diesen Zeiten dem „Herz, das uns am Leben erhält“ zukommt. Der Geschäftsführer meint damit den Kern der Belegschaft, der durch das gemeinsame Durchleben der Krise eng zusammengewachsen ist. „Das Laguna ist eine Familie“, fasst es Matti zusammen und betont die positive Grundeinstellung der Belegschaft. „Die Zuversicht ist da.“ Dem „schlagenden Herz“ des Laguna spricht Matti einen großen Dank aus. „Sie sind alle mit Leib und Seele dabei.“ Man hoffe nun, dass man die Krise gemeinsam übersteht und die Geschäftsführung sich danach bei den Mitarbeiter entsprechend erkenntlich zeigen kann.

Mit Blick auf das neue Jahr sei es schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation entwickeln wird. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Matti. Zunächst blicke man dem Beginn der Freibadsaison entgegen. Alles, was danach kommt, muss sich zeigen.

Das gilt auch für den Zuschussbedarf, der im Jahresverlauf noch konkretisiert wird. Für das Laguna waren und sind die Zuschüsse der Kommune und des Energiedienstes von entscheidender Bedeutung. „Sie haben uns nicht nur entlastet, sie haben uns gerettet“, betont Matti.

Unverständnis äußert Matti mit Blick auf die fehlende Unterstützung von anderen Stellen. Das Problem ist unter anderem, dass das Laguna nicht unter den sogenannten Rettungsschirm gekommen ist und auch das Kriterienportfolio von anderen Hilfsprogrammen nicht erfüllt. Letzteres sei umso schmerzlicher, weil es zunächst danach ausgesehen hatte, als ob Unterstützungsgelder fließen würden, es dann aber doch nicht dazu kam. Ob aus dieser Richtung noch finanzielle Mittel kommen werden, sei unklar, schätzt Matti die Lage ein. Ein juristisches Verfahren laufe. „Das kann sich aber durchaus noch ein, zwei Jahre hinziehen.“

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