Weil am Rhein „Das würden nicht viele machen“

Monika Merstetter
In den vergangenen Jahren wurde Walter Schnatterer (links) zum Lieblingsmenschen von Hansjörg Baumgärtner. Der ältere Nachbar hilft ihm, wo er nur kann. Foto: Monika Merstetter

„Mein Walter ist mein Lieblingsmensch.“ Das sagt Hansjörg Baumgärtner aus Überzeugung, wenn es um seinen Nachbarn Walter Schnatterer geht. Als ihm über die Aktion „Lieblingsmensch“ von Schwarzwälder Bote, Lahrer Zeitung und Verlagshaus Jaumann berichtet wurde, überlegte er nicht lange und nahm Kontakt zur Oberbadischen auf.

Von Monika Merstetter

Weil am Rhein/Regio. Baumgärtner wurde dabei auch animiert von seinen Kollegen vom regelmäßigen Treff in einem nahen Café, die ebenfalls fanden: „Dein Walter hat es doch verdient, mal erwähnt zu werden.“

Für den schwerbehinderten Baumgärtner, der an Spinabifida (einer Spaltung der Wirbelsäule) leidet, was ihn zeitlebens an den Rollstuhl fesselt, macht die Unterstützung seines Nachbarn überhaupt erst möglich, dass er in seiner Wohnung alleine noch leben kann, da die körperlichen Einschränkungen in den vergangenen Jahren zunahmen.

Der heute 82-jährige Walter Schnatterer ist 1971 in das Mehrfamilienhaus eingezogen, Baumgärtner im Jahr 2008. Es fing alles damit an, dass er halt mal Brötchen vom Bäcker mitbrachte. Ebenso erledigte er einzelne Botengänge, wie Medikamente in der Apotheke zu besorgen oder stellte den Mülleimer raus.

„Das macht man so unter guten Nachbarn“, merkt Schnatterer an. Denn dass er nun in der Zeitung stehen soll, ist ihm eigentlich nicht so recht. Er möchte überhaupt kein Aufhebens um seine Person und seine unterstützende Tätigkeit. Schnatterer lebt alleine und seit vor ein paar Jahren sein 98-jähriger Vater gestorben ist, habe er nun mal Zeit, wie er sagt.

Der Nachbar wurde für Hansjörg Baumgärtner zum verlässlichen Partner

Seit dem Jahr 2012, als Baumgärtners Mutter verstarb und sich sein Zustand durch einen Bandscheibenvorfall akut verschlechterte, wurde Schnatterer zum verlässlichen Partner des heute 64-Jährigen. Dabei geht es nicht mehr um ab und an mal eine Gefälligkeit, sondern um tagtägliche Hilfe, oft auch zu bestimmten festgelegten Uhrzeiten, da gewisse Situationen das erfordern.

„Es gibt nicht viele Leute, die das machen würden“, merkt Baumgärtner an. Dazu gehört auch pflegerische Unterstützung. Ein inzwischen installierter Treppenlift macht es einfacher, aber um aus dem Haus zu kommen und den schweren Elektrorollstuhl aus der Aufbewahrungsbox herauszubekommen, braucht es wiederum Unterstützung.

Das alles macht Schnatterer nun schon die ganzen Jahre rein privat und mit großer Empathie. Seit Beginn der Pandemie verbringen die beiden Männer auch die Festtage gemeinsam. Denn in dieser Zeit war es schwierig, überhaupt außer Haus zu jemanden Kontakt aufzunehmen. Lange Zeit konnte Baumgärtner seine Schwester in der Schweiz nicht sehen.

„Wir haben einen guten Draht zueinander und an solchen Tagen ist das auf jeden Fall besser, als alleine zu sein.“ Da sind sie sich einig.

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