Weil am Rhein Der Wunsch nach mehr Wohnraum

Marco Fraune
Der Plan: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche soll in Otterbach ein Wohnquartier werden. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum steht beim Gemeinderat ganz oben auf der Agenda und bildet einen der drei politischen Eckpunkte für das nächste Jahr. Nachdem das Neubaugebiet „Hohe Straße“ in der zurückliegenden Zeit stets als das letzte große zusammenhängende neue Wohngebiet in der Kernstadt galt, könnte eine mehr als doppelt so große Anzahl von Bürgern im neuen Wohnquartier in Otterbach leben, also am Stadtrand. Und nicht nur dort laufen Planungen.

Oberbürgermeister Wolfgang Dietz weiß um den Handlungsdruck: „Menschen wollen hierhin ziehen und suchen Wohnraum.“ Dem soll mit dem neuen Wohnprojekt auf zehn Hektar direkt am Otterbacher Zoll in besonderem Maße Rechnung getragen werden.

Die Wettbewerbsergebnisse Otterbach-Süd werden heute Abend im Gemeinderat öffentlich präsentiert, nachdem in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz zwei Arbeiten vorgestellt wurden, die vom Beurteilungsgremium als hochwertige Basis für die weiteren Vertiefungs- und Planungsschritte angesehen werden. 1500 bis 2200 Menschen könnten je nach Entwurf unterm Strich hier dann ein neues Zuhause finden (wir berichteten).

Sowohl von der Schweizer Seite als auch aus dem eigenen Land ist der Druck auf Wohnraum zu spüren, ordnet OB Dietz den Status quo ein. Daher machen sich Stadt und Gemeinderat schon seit einigen Jahren Gedanken, wo neue Wohnungen und Häuser gebaut werden können. Einer dieser Bausteine ist die mit Basel-Stadt vorgesehene gemeinschaftliche Entwicklung von Otterbach- Süd, wo bislang noch eine Grünfläche von der Landwirtschaft genutzt wird und auch von einem Gemüseanbaubetrieb.

Die Instrumentarien

Mit verschiedenen Instrumentarien soll das Ziel der Schaffung von Wohnraum stadtweit mit Leben gefüllt werden. So besteht die schon im Neubaugebiet „Hohe Straße“ gewählte Möglichkeit, über den Flächennutzungsplan und Bebauungspläne den Weg zu ebnen. In Otterbach muss über diesen Weg das eigentliche Gewerbegebiet in ein Areal für Wohnraum mit Mischnutzung definiert werden, womit auch Dienstleistungen und Gewerbe hier angeboten werden können, wobei die genaue Ausgestaltung noch folgen soll.

Ein Ansinnen ist auf alle Fälle, einen Nahversorger am Rand des Quartiers zu platzieren. Ganz konkret wird es dann im Bebauungsplan, in dem auch Geschosshöhen und Dachneigungen Themen sind. Auch im Gebiet „Hohe Straße“ wurde im Laufe der Zeit noch an dieser Stellschraube gedreht.

Einen weiteren Punkt bildet bei der Wohnraum- Schaffung die planungsrechtliche Nachverdichtung. Hinzu kommt noch die Unterstützung von Wohnungsbauunternehmen wie die städtische Wohnbau, die beispielsweise eine größere Kapitaldecke erhielt. Doch auch die Baugenossenschaft Haltingen-Weil ist mit im Boot bei der städtischen Herangehensweise. Diese errichtet eine Kindertagesstätte im Neubaugebiet „Hohe Straße“. Denn der OB weiß: „Die Infrastruktur muss mit dem Wohnbau mitgehen.“

Fläche ist knapp

Trotz des großen Umfangs des geplanten Otterbacher Wohnquartiers ist und bleibt die knappe Flächenverfügbarkeit in Weil am Rhein das begrenzende Kriterium. So zählt die Grenzstadt zu den dicht besiedelten Städten in Baden-Württemberg. Das Stadtoberhaupt und weitere Akteure wissen daher, dass mit den Flächen wegen der geringen Gemarkungsgröße sehr vorsichtig umgegangen werden muss.

„In engem Schulterschluss“ agiert Weil laut Dietz hier mit dem Regierungspräsidium Freiburg, das grünes Licht für den Flächennutzungsplan geben muss. Denn bislang handelt es sich in Otterbach um Gewerbeflächen, die eigentlich auch benötigt werden. „Das braucht Gespräche und Zeit.“

Dialog mit den Bürgern

Doch nicht nur auf Behördenebene tritt die Stadtverwaltung in den Dialog ein, sondern auch mit den Bürgern. Angesichts von 579 Otterbachern und bis zu 2200 neuen Nachbarn ist die Stadtspitze hinsichtlich sozialer und soziologischer Konsequenzen sensibilisiert. Daher bewertete Dietz die Vorstellung des Projekt auch als „Einstieg und der Beginn des Dialogs“. Erster Bürgermeister Christoph Huber bezeichnete es als „große Herausforderung“, die Öffentlichkeit zu beteiligen. Ein Punkt: „Die Otterbacher haben schon einiges an Verkehr zu ertragen.“ Er relativierte auch die detaillierten Inhalte der Pläne, denn eins zu eins würden diese sicher nicht umgesetzt. Vielmehr seien es „hervorragende Ansätze“.

Klar ist aber: Nicht nur Grenzgänger und wohlsituierte andere Bürger sollen in Otterbach künftig wohnen, sondern zu 30 Prozent soll es sich um sozialen Wohnraum handeln – wie auch schon an anderer Stelle im Stadtgebiet so praktiziert. Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt, verwies als Sprachrohr des Eigentümers auf Familien ebenso wie auf Ältere, die hier leben sollen. „Wir können uns alles vorstellen.“ Und auch Dietz betonte die mit der Wohnrauminitiative konforme Ausrichtung: „Es liegt uns an einer guten Durchmischung.“

An der Blauenstraße

Von heute auf morgen kommt es zudem nicht zu der in Etappen vorgesehenen Bebauung, an deren Ende in womöglich 15 Jahren dann 2200 Bewohner im Quartier leben. Deutlich früher an der Reihe ist voraussichtlich die restliche Bebauung des Messeplatzes. Doch diese Flächen soll nun etwas später am Markt platziert werden. Zuerst geht es auch im Rahmen der Wohnrauminitiative um den Verkauf eines Baugrundstücks an der Blauenstraße. Und genau darum wird es heute Abend ab 19 Uhr im Gemeinderat ebenfalls gehen.

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