Weil am Rhein Design: dies- und jenseits der Mauer

Weil am Rhein. Geprägt durch Bauhaus und Werkbund, erlangte deutsches Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweite Bedeutung. Nach 1949 nahm es einen wohl einzigartigen Verlauf: In den zwei Teilen des gespaltenen Landes setzte sich die Entwicklung der Vorkriegszeit unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen fort.

Das Vitra Design Museum präsentiert vom 20. März bis 5. September 2021 die Ausstellung „Deutsches Design 1949–1989. Zwei Länder, eine Geschichte“, die mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung erstmals die deutsche Designgeschichte der Nachkriegszeit in einer großen Gesamtschau untersucht. Dabei werden die unterschiedlichen Lebenswelten auf beiden Seiten der Mauer deutlich, aber auch die vielen Parallelen und Querbezüge, die das Design in Ost und West verbanden. Gefördert wird die Ausstellung durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland. Die Ausstellung wird vom 16. Oktober 2021 bis 20. Februar 2022 im Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, präsentiert.

Design entstand als eigene Disziplin im Zuge der industriellen Revolution. Bis heute werden in der Geschichte von Gestaltung und Design – ganz ähnlich wie in der Kunst und Architektur – meist männliche Protagonisten und ihre Schlüsselwerke in den Vordergrund gestellt. Bei Ausstellungen, die Designerinnen gewidmet waren, lag der Fokus vorwiegend auf einzelnen Akteurinnen oder der Arbeit von Frauen an Institutionen wie dem Bauhaus.

Im Herbst 2021 untersucht die Ausstellung „The Bigger Picture“ im Vitra Design Museum daher die Rolle von Frauen im Design und bietet einen kritischen Überblick über die Leistungen, Arbeitsbedingungen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen Designerinnen in den vergangenen 100 Jahren tätig waren.

Die Ausstellung veranschaulicht den Beitrag der Frauen zum modernen und zeitgenössischen Design, hinterfragt aber auch die grundlegenden Strukturen der Designpraxis und ihrer Geschichtsschreibung. „The Bigger Picture“ zeigt Werke von Charlotte Perriand, Lilly Reich oder Eileen Gray und stellt weniger bekannte Gestalterinnen vor, darunter Nanda Vigo und Nanna Ditzel. Ebenso präsentiert die Ausstellung zeitgenössische Designerinnen wie Marian van Aubel, Bless oder Julia Lohmann.

Gruppe Memphis: Kitsch und Eleganz

Die italienische Gruppe Memphis zählt zu den außergewöhnlichsten Erscheinungen im Design der letzten Jahrzehnte. Auch wenn sie nur von 1981 bis 1987 bestand, sind ihre Geschichte und ihr Einfluss legendär: Mit ihren schrillen Farben und Mustern wirkten die Memphis-Entwürfe wie aus dem Comic entsprungen und prägten einen völlig neuen Look, in dem sich Popkultur, Werbeästhetik und Postmoderne zu einem wilden Mix verbanden. Zum 40. Gründungsjahr der Gruppe gibt die Ausstellung „Memphis. 40 Jahre Kitsch und Eleganz“ in der Vitra Design Museum Gallery anhand von Objekten, Zeichnungen und Archivmaterial einen Einblick in die Welt von Memphis und stellt einige Mitglieder vor, darunter der Vordenker Ettore Sottsass sowie Michele de Lucchi, Martine Bedin, Michael Graves, Barbara Radice, Peter Shire und Shiro Kuramata.

Neues Konzept im Vitra Schaudepot

Das Vitra Schaudepot, entworfen von Herzog & de Meuron, bietet seit seiner Eröffnung 2016 einen Überblick über rund 430 Schlüsselwerke aus der Sammlung des Vitra Design Museums. Zum fünften Geburtstag erhält es nun ein neues Präsentationskonzept, bei dem jährlich gesetzte Themenschwerpunkte mehr Raum für aktuelle Diskurse und wechselnde Inhalte schaffen. Das neue Konzept startet im Juni 2021 mit dem Themenschwerpunkt „Designerinnen“. In diesem Zusammenhang werden Protagonistinnen des modernen Möbeldesigns vorgestellt, Neuankäufe von Designerinnen präsentiert, wichtige historische Dokumente aus dem Archiv gezeigt und die Auswahl von Schlüsselwerken im Schaudepot durch Objekte von Designerinnen bereichert.

Noch bis 28. Februar 2021 ist zudem die viel beachtete Ausstellung „Home Stories. 100 Jahre, 20 visionäre Interieurs“ zu sehen. Die Ausstellung führt den Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigt, wie sich gesellschaftliche, politische und technische Veränderungen der letzten 100 Jahre in unserem Wohnumfeld widerspiegeln.

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