Weil am Rhein Die Ästhetik des Vergehens

Ein Ort zum Verweilen entsteht auf dem Vitra Campus: Der „Perennial Garden“ ist das erste Projekt in Süddeutschland für den niederländischen Garten-Künstler Piet Oudolf. Bettina Jaugstetter, deren Planungsbüro für Landschaftsarchitektur die Bauleitung übernommen hat, berichtet bei einem Rundgang über die Arbeiten.

Von Alisa Eßlinger

Weil am Rhein . „Bei dem Garten-Konzept soll der Besucher den Jahreszeitenwechsel miterleben. Piet Oudolf hebt mit seinem Arrangement die Ästhetik des Vergehens hervor“, schildert Jaugstetter. Dem Niederländer seien vor allem die Struktur und der Habitus der Pflanzen wichtig. Somit soll die „Performance“ der Blumen über das Jahr verdeutlicht werden – sowohl die Hochsaison ist dabei akzentuiert, aber auch der Zerfall.

Der niederländische Künstler wolle, dass die Menschen den Wert der Pflanzen auch im Winter erkennen und versuche mit seinen Kreationen das Empfinden dafür zu schulen, so Jaugstetter, die seit 30 Jahren mit Oudolf befreundet ist.

Seit Mai wird der Garten bepflanzt. Insgesamt sollen rund 32 000 Pflanzen das Gebiet schmücken. Es entsteht dabei eine homogene Fläche mit wiesenartigem Effekt. „Der Garten behält seinen naturnahen Charakter, aber er wird künstlich entstehen“, erklärt Jaugstetter.

Zwei Kirschbäume bleiben

Die 4000 Quadratmeter große Fläche neben dem Vitra-Haus besteht aus einem Innen- und Außenbereich. Der Rand ist blockartig mit 38 bis 46 Pflanzenarten ausgekleidet. Im Zentrum befinden sich neben einem Wegesystem vier Flächen mit insgesamt 16 verschiedenen Arten zusammen. Diese sind in einer Matrix-Struktur in Gruppen oder individuell eingepflanzt, aber auch eingestreut worden. Innerhalb dieser Struktur soll eine Dynamik entstehen: Ein fließender Übergang mit kurzzeitigen Pflanzen wird dabei kreiert, die sich selber aussähen. Der Rand bleibt fest verordnet.

Etwa 60 bis 80 Prozent der Pflanzen seien bekannte Sorten, die in den Weiler Gärten zu finden sind, doch 20 Prozent sind laut Jaugstetter eher untypische Arten für die heimischen Gärten. Während der Rand mit Herbstkopfgras besäht ist, wird der Innenbereich flächendeckend mit Tautropfengras ausgekleidet, das wegen dem besonderen Duft auch „Popcorngras“ genannt wird.

Farblich schmücken warme Rot- bis kalte Blautöne den Garten. Nur ein paar Akzente werden gelb sein. „Die spannendste Zeit wird von Juli bis Dezember sein. Aber es lohnt sich, das ganze Jahr vorbeizugehen, da es sich stetig verändern wird“, kündigt Jaugstetter an. Um das Vitra-Haus werden in der selben Matrix-Struktur die 14 Pflanzenarten eingepflanzt. „Sie werden das ganze Jahr das Haus mit ihrer Bepflanzung prägen“, meint die Bauleiterin.

Bei Oudolfs Arbeiten werde immer der Boden verwendet, der bereits vorherrscht. „Aber wir haben Substrate verwendet, weil dies ermöglicht, dass die Komposition frei von Unkraut bleibt und somit pflegeleichter ist“, erklärt sie außerdem. Das Terrain wurde aber modelliert, so dass das Quadratfläche diverse sanfte Anstiege besitzt.

Dabei bleiben zwei der Kirschbäume bestehen, die in die Kreation integriert wurden. Eine Hecke, die den Garten vom Vitra-Dom abgrenzt, wurde nach Süden neu angepflanzt. „Wir schaffen hier eine Kulisse für artenreiche Pflanzen“, erklärt Jaugstetter.

Bis zu 800 Pflanzen am Tag

Für die Bewässerung wird der eigene Brunnen verwendet. Dabei wird das Wasser herausgepumpt und über Stäbe die einzelnen Bereiche bewässern. Sichtbar wird die Wasserleitung im Zentrum des Gartens in Form einer Tränke. „Durch die Bewässerungsanlage ist Oudorf freier in seinem Arrangement gewesen und konnte die Pflanzen virtuos aufstellen, schließlich soll der Garten zum Verweilen einladen. Der Besucher soll sich verlieren und damit sich selber in der Pflanzenwelt erfassen“, erklärt Jaugstetter.

Mit der Firma „Eise Garten- und Landschaftsbau“ aus Weil am Rhein, die mit der Umsetzung beauftragt ist, ist Jaugstetter sehr zufrieden – und auch Mitarbeiterin Carola Ziereisen macht die Arbeit auf dem Vitra Campus Freude: „Wir haben eine Einführung in das Konzept bekomme und dürfen nach den Plänen selbstständig arbeiten.“ Insgesamt arbeiten fünf bis sechs Mitarbeiter an dem neuen Garten für den Vitra Campus. Pro Tag haben die Arbeiter 700 bis 800 Pflanzen eingesetzt.

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