Weil am Rhein „Die Branche trifft es enorm hart“

Das Coronavirus hat auch große Auswirkungen auf die Tourismusbranche. Foto: sba Foto: Weiler Zeitung

Die Auswirkungen des Coronavirus machen sich in der Tourismusbranche erheblich bemerkbar. Das Auswärtige Amt hat mittlerweile eine weltweite Reisewarnung herausgegeben. Wir haben bei zwei Weiler Reisebüros nachgefragt, wie dort mit der Krise umgegangen wird.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Als „drastisch“ beschreibt Aron Stiefvater, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, die Auswirkungen. Seit einer Woche seien die Stiefvater-Reisebüros für den Publikumsverkehr geschlossen. Diese Entscheidung habe man aus Sicherheitsgründen für Kunden und Mitarbeiter getroffen. „Telefonisch und per E-Mail sind wir nach wie vor erreichbar“, sagt Stiefvater im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit dem 16. März gibt es Kurzarbeit in allen Reisebüros und Abteilungen des Unternehmens.

„Die Lage ist sehr ernst“, macht Stiefvater deutlich. Glücklicherweise habe man in den vergangenen Jahrzehnten gut gewirtschaftet, um einige Monate durch die Krise zu kommen. „Wir sind da auch nicht alleine unterwegs, unsere Partner, Reiseveranstalter und Airlines sind ja auch betroffen. Die Branche trifft es enorm hart“, sagt Stiefvater.

Große Verunsicherung

Die Verunsicherung sei groß, ob nun bei den Kunden, Leistungsträgern oder der Bevölkerung insgesamt. „Keiner weiß, wie lange es dauert.“ Aber alle säßen in einem Boot. „Das öffentliche Leben ist ja lahmgelegt. Es gibt nur Verlierer“, findet Stiefvater deutliche Worte. Man könne nur abwarten. „Wir haben verschiedene Szenarien der Dauer durchgespielt. Wir hoffen, dass es in acht bis zehn Wochen besser wird, stellen uns aber vorsichtshalber auf sechs bis acht Monate ein.“

Kurzfristige Reisen werden derzeit storniert oder auf den Herbst/Winter umgebucht, berichtet Stiefvater. Ob es Geld zurückgibt oder Stornokosten anfallen, sei von Fall zu Fall verschieden. „Da gibt es einiges zu klären, die Informationen überholen sich stündlich.“ Man stehe in engem Austausch mit dem DRV (Deutscher Reiseverband) und mit Reiseveranstaltern. „Wir haben täglich Kontakt und halten Telefonkonferenzen mit anderen Reisebüros in ganz Deutschland ab.“ Insgesamt seien die Kunden sehr verständnisvoll – „und auch die Mitarbeiter“, lobt der Geschäftsführer. Der Krankheitsstand sei niedrig.

Es gebe aber auch ein paar Kunden, die sich nicht unterkriegen lassen und bereits Reisen für Januar 2021 buchen. „Das Leben geht ja auch weiter.“

Von einer „Krisensituation für alle“ spricht Michael Seilnacht, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. Die Mobilität sei zum Erliegen gekommen. „Es sind ja aber noch Reisende unterwegs und es gibt Rückhol-Aktionen. Wer eine Reise geplant hatte, fragt sich natürlich, ob er diese überhaupt noch antreten darf und was mit seinem Geld passiert“, schildert Seilnacht die Fragen, die es zu klären gilt. „Dabei stehen wir unseren Kunden zur Seite.“

Auch die Seilnacht-Reisebüros habe man aus Rücksicht auf Kunden und Mitarbeiter für den Publikumsverkehr geschlossen. „Wir sind aber nahezu unverändert per Telefon und E-Mail erreichbar“, erklärt der Geschäftsführer. Des Weiteren gehe man proaktiv auf Kunden zu, von denen man wisse, dass sie akut betroffen sind. „Wir sind da auch auf die Aussagen der Reiseveranstalter angewiesen.“

Für Klarheit sorgen

Für Stornierungen bei Pauschalreisen seien die jeweiligen Reiseveranstalter zuständig. „Wir können diese Entscheidung nicht fällen.“ Die Stornierungen würden derzeit aber oft automatisch geschehen. Bei Pauschalreisen gebe es auch andere gesetzliche Grundlagen und mehr Rechtssicherheit. „Das ist gut für die Kunden.“

Als Aufgabe des Reisebüros sieht es Seilnacht, in dieser allgemeinen Verwirrung für Klarheit zu sorgen. „Da möchte ich auch ein Riesenlob für unsere Mitarbeiter aussprechen. Es ist eine Herausforderung.“ Die Ereignisse würden sich überschlagen und es gebe eine Flut an Informationen. „Es gilt, zu klären, welche Möglichkeiten und welche Wahl die Kunden haben – und auch für die Betreuung sorgen wir.“

Dass die Erreichbarkeit nicht überall so gut sei, merke man etwa daran, dass auch Nicht-Kunden im Reisebüro vor Ort anfragen. „Wenn es die Zeit ermöglicht, versuchen wir auch diese mit Aussagen zu versorgen.“

Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland, da mit starken und weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, und der weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist. „Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.

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