Weil am Rhein Die „Couch“ bleibt weitgehend leer

Andreas Weniger hat im Corona-Jahr 2020 mehr Zeit mit dem Modellbau verbringen können. Foto: Saskia Scherer

Der Weiler Andreas Weniger bietet Reisenden gerne einen Schlafplatz in seinem Haus an und beschäftigt sich gerne mit Modellbau. Das „Couchsurfen“ war im vergangenen Jahr coronabedingt fast gar nicht gefragt, dafür blieb umso mehr Zeit für das Basteln.

Weil am Rhein. Lediglich ein Gast übernachtete im Jahr 2020 bei Weniger, und zwar im Sommer, als die Lage entspannter war. „Ansonsten kamen gar keine Anfragen, das ist völlig tot“, berichtet der Weiler Gastgeber im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es ist schade, aber natürlich auch verständlich.“ Kaum jemand reise aktuell zum Vergnügen. Und sich nach dem Grenzübertritt in Quarantäne begeben zu müssen, sei auch nicht erstrebenswert.

Die Frage, ob er und seine Frau in Zeiten von Corona überhaupt jemanden bei sich zu Hause beherbergen wollen, habe sich aufgrund der fehlenden Anfragen nicht wirklich gestellt. „Es wäre aber auf jeden Fall darauf angekommen, wie jemand reist.“ Auch in Hochzeiten wie an den Feiertagen wäre es sicherlich nicht so sinnvoll gewesen. Von Gruppen hätten die Gastgeber ebenfalls lieber abgesehen. „Man muss schon vorsichtig sein.“

Der Gast im Sommer war eine Frau aus Italien, die in die Schweiz wollte. „Sie kam aus Sardinien und hat eine Nacht hier verbracht“, erzählt Weniger. Abstand halten stand dann auf dem Programm. „Aber da ja Sommer war, konnten wir auch raus auf die Terrasse, das war also alles kein Problem.“

Weniger empfängt seit Anfang 2019 Gäste bei sich zu Hause, die übrigens nicht auf der sprichwörtlichen Couch schlafen, sondern in einem Zimmer mit Bett im Dachgeschoss. Die unterschiedlichsten Leute hat er dabei schon kennengelernt: von jungen Musikern aus Weißrussland bis zum älteren Ehepaar aus England, das eine Woche blieb. Im Durchschnitt bleiben die Übernachtungsgäste aber nur etwa zwei Tage.

„Reisen wird sich ändern“

Wie es mit dem Couchsurfen weitergehen wird, steht noch in den Sternen. Die Webseite, die als Vermittlungsplattform dient, finanziere sich schließlich über Werbung und Mitglieder. „Die Betreiber benötigen derzeit Spenden.“ Ob das System am Leben bleibt, werde sich zeigen. „Es ist schwierig. Diese Art zu reisen wird sich bestimmt ändern“, ist der Gastgeber überzeugt. Die Hemmschwelle werde höher, zu jemandem zu fahren, den man überhaupt nicht kennt, meint er. „Und ich denke auch, dass sich das Reisen allgemein ändert.“ Weniger kann sich vorstellen, dass es teurer wird und nicht mehr so einfach.

An Modell gearbeitet

Für seine Leidenschaft, den Modellbau, war 2020 aber durchaus ein gutes Jahr. „Ich hatte vor allem im Sommer durch Kurzarbeit mehr Freizeit und habe an einem Schiffsmodell weiter gearbeitet. Es sieht jetzt mehr nach Schiff aus und weniger nach Baustelle“, lacht der Bastler. Die Rede ist von einem 2,89 Meter langen Modell eines Dampfers, das in Wenigers Keller steht und an dem er seit mehr als 20 Jahren arbeitet – allerdings mit einer langen Pause dazwischen. Seit 2019 ist er wieder aktiv dran.

„Beim Modellbau kann ich völlig abschalten. Und auch mal komplett die Zeit vergessen, so dass sich meine Frau beim Heimkommen wundert, warum es noch kein Abendbrot gibt“, schmunzelt Weniger.

Außerdem kann er sich über einen „Neuzugang“ freuen: Er hat eine Modellbahn dazu bekommen. „Es handelt sich um eine Garteneisenbahn von einem 80-jährigen Bekannten. Er wollte, dass sie bei jemandem einen Platz findet, der sie zu würdigen weiß und nicht einfach verkauft.“ Und da war er bei Andreas Weniger an der richtigen Adresse.

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