Weil am Rhein Die Flächen durch unterschiedliche Nutzung erhalten

Projektmanager Markus Mayer (Zweiter von links) zeigt Weils Erstem Bürgermeister Christoph Huber, Naturschützer Armin Wikmann, Lörrachs Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (von links) das Mobil-Projektgebiet. Foto: Scherer Foto: Weiler Zeitung

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Mit dem Mobil-Projekt (Modellregion Biotopverbund Markgräflerland) sollen die Populationen wild lebender Tier- und Pflanzenarten dauerhaft gesichert und modellhaft vernetzt werden. Voraussetzung ist eine durchlässig gestaltete Landschaft in den Kernlebensräumen. Eine von vier Kernzonen stellt der Tüllinger Berg dar. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster machte sich am Montagmorgen selbst ein Bild.

Das Projektgebiet erstreckt sich von Weil am Rhein und Lörrach bis nach Breisach, wie Projektmanager Markus Mayer anhand einer Karte zeigte. Die Trockenlebensräume werden über Schafe als „Taxis“ miteinander verbunden: Die Schafherde zieht von Fläche zu Fläche von Grißheim im Norden, entlang des Rheins auf Bad Bellinger und Schliengener Gemarkung nach Süden bis Haltingen und von dort zu den Sommerweideflächen am Tüllinger Berg. In ihrer Wolle werden Samen und Insekten oder sogar manchmal kleine Eidechsen mittransportiert. „600 Schafe ziehen über eine Strecke von 40 Kilometern“, erläuterte der Projektmanager.

Der Tüllinger Berg habe einen hohen Biotopwert. Wie Astrid Deek vom Trinationalen Umweltzentrum (Truz) erklärte, sind große Bereiche als FFH-Habitat (Fauna-Flora), als Vogelschutz- und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das Truz koordiniert dort die Maßnahmen zur Erhaltung und Optimierung der Lebensräume, etwa für seltene Vogelarten, die auf Streuobstwiesen angewiesen sind.

Flächen kartieren

Die Mitarbeiter des Turz kartieren unter anderem die Streuobstwiesen. 86 Prozent der 2900 Flurstücke sind bereits erfasst. Notiert werden die Anzahl der Bäume, ihre Sorte und ihr Zustand. „Dann können wir auch sehen, was noch zu tun ist“, so Deek. Von 4755 Obstbäumen sei knapp die Hälfte pflegebedürftig, was das Truz übernehmen oder vermitteln kann. Allerdings sei es teilweise sehr schwierig, die Besitzer der Grundstücke ausfindig zu machen – etwa aus Datenschutzgründen. „Das ist das reinste Detektivspiel.“

Deshalb setze man vermehrt auf Öffentlichkeitsarbeit – zum Beispiel mit Plakaten, Flyern und Aktionen wie dem Streubobstklassenzimmer. Dafür stellt auch der Weiler Naturschützer Armin Wikmann sein Grundstück zur Verfügung, wo das Treffen mit Schuster und den Verantwortlichen gestern stattfand. „Das spricht sich rum und die Besitzer tauschen sich aus, das ist ein großes Plus“, freute sich Deek.

Im Hintergrund tätig ist der Landschaftserhaltungsverband (LEV) Landkreis Lörrach, wie Hannes Röske, stellvetretender Geschäftsführer, erläuterte. „Wir organisieren etwa die Förderung.“ Außerdem versuche der LEV, Kompromisse mit Besitzern zu schließen. „Das Ziel ist ja, die Flächen durch Nutzung zu erhalten.“

Trockenmauer geplant

Auf Wikmanns Grundstück gibt es 19 Baumsorten, davon 15 Apfelsorten. Das Gebiet bietet Lebensraum für Zaunammer, Steinkäuze, Wendehals und auch den seltenen Wiedehopf. Deshalb soll auch das Gebiet noch aufgewertet werden – mit einer Trockenmauer im oberen Bereich des Grundstücks, die weiteren Lebensraum bieten würde. Wikmann hofft, dass dies noch während des Mobil-Projekts realisiert werden kann – es läuft bis Mai 2020.

„Man kann viel schnell tun und für den Naturschutz gezielt investieren“, zeigte sich Schuster beeindruckt.

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