Weil am Rhein Die Gemeinschaftsschul-Sanierung ist fertig

Weil am Rhein - Die nervenaufreibenden Zeiten mit Schmutz, Lärm und provisorischen Unterrichtssituationen sind nach rund zwei Jahren Bauzeit an der Gemeinschaftsschule seit diesem Herbst endgültig vorbei. Nachdem die schrittweise Rückkehr in die Klassenzimmer bereits im Januar stattfinden konnte, verläuft der Schulalltag abgesehen von der pandemiebedingen Sondersituation inzwischen wieder in gewohnten Bahnen, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Die Endabrechnung für das Projekt steht noch nicht, so Sprecherin Junia Folk. Doch: „Die Gesamtkosten werden deutlich unter den zuletzt bewilligten 16,9 Millionen Euro Baufreifreigabe liegen.“

Geduldsprobe beendet

Mit dem Einbau des Aufzugs vor wenigen Wochen ist die umfassende Sanierung des Gebäudes abgeschlossen. Die aufwändige technische Kernsanierung der Schule, die ursprünglich als energetische Sanierung begonnen hatte, war eine außerordentliche Geduldsprobe für Schulleitung, Lehrkräfte, Schüler ebenso wie für die Bauverantwortlichen in der Stadtverwaltung, heißt es weiter. „Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt.“

Die Gemeinschaftsschule verfüge jetzt neben einer energetischen Generalüberholung des kompletten Gebäudes und seiner Technik über hochwertige Klassenzimmer mit einer technischen Ausstattung nach zukunftsweisenden Standards, modernen Lüftungsanlagen, Internet- und PC-Anschlüssen, behindertengerechte Toiletten-Anlagen, einen behindertengerechten Zugang zum Gebäude samt Aufzug im Innenbereich sowie eine neue Lüftungsanlage in der Schulküche. Allein für die digitale Vernetzung der Klassenzimmer wurden insgesamt 22 Kilometer Kabel verlegt.

Innovative Lüftungsanlage

Gerade in Pandemiezeiten kommt insbesondere die innovative Lüftungstechnik zum Tragen: Das hybride, also auch manuell zu bedienende System, stellt sicher, dass der CO2-Gehalt in der Raumluft nicht zu hoch wird bei gleichzeitiger Wärmerückgewinnung. „Die dezentralen Lüftungselemente ermöglichen den individuellen Einsatz nach Bedarf“, schildern die Verantwortlichen. „Die Elemente verfügen über CO2-Sensoren und Fensterkontakte, um für eine gleichbleibend hohe Raumluftqualität zu sorgen.“ Außerdem sind sie an die auch zentral steuerbare Gebäudeleittechnik angeschlossen.

Bei geöffneten Fenstern schaltet sich die Einheit automatisch ab und bei einem CO2-Gehalt von mehr als 1000 ppm – so der allgemein empfohlene Raumluftwert für Schulen – ein. Dieser Wert kann auch variiert werden, so dass die in Pandemiezeiten geltenden 500 ppm ebenfalls eingehalten werden können. Eine lohnende Investition, bei deren Planung 2016 wohl noch keiner eine Pandemie im Blick hatte, heißt es.

Energetische Sanierung

Die energetischen Erneuerungen am Gebäude, also der ursprüngliche Sanierungsanlass, können sich laut Rathaus-Einschätzung ebenfalls sehen lassen, denn die ökologischen Vorteile lägen klar auf der Hand: Die jetzt metallverkleidete Fassade des Bauwerks hat eine mineralische Dämmschicht aus 20 Zentimeter starken Steinwolleplatten erhalten, so dass eine sparsame Beheizung mit maximal drei Litern pro Quadratmeter jährlich möglich ist. Dies entspricht dem sogenannten KfW-70-Standard. Die Fensterelemente sind außerdem dreifach verglast.

Für Wärme und Strom sorgt ein von den Stadtwerken betriebenes Blockheizkraftwerk im Keller der Schule. Die Belüftung der Klassenzimmer mit Wärmerückgewinnung erfolgt automatisch. Die Heizung und die Lüftungsgeräte werden über moderne Gebäudeleittechnik überwacht und vom Hausmeister gesteuert.

Die auf LED umgestellte Beleuchtung verfügt über eine automatische Abschaltung, bei der ein Bewegungsmelder automatisch das Licht ausschaltet. Im Sommer soll ein System außerdem dafür sorgen, dass ein nicht benutzter Raum vor Überhitzung geschützt wird, indem die Jalousie automatisch herunterfährt.

Der Brandschutz

Die neugestalteten Räume für die Klassen, die Lehrkräfte und das Rektorat wurden innen „mit warm wirkenden Holzlaibungen“ ausgestattet. Die Decken sind mit Holzwolleleichtbauplatten abgehängt und sollen ein hohes Maß an Schallschutz bieten. Auch auf den Erhalt des Grüns auf dem Außengelände, zu dem unter anderem wertvolle Buchen zählen, sei Wert gelegt worden: Bis auf drei Bäume konnte trotz der umfangreichen Umbaumaßnahmen und Einsatz von schwerem Gerät alles erhalten bleiben, freuen sich die Verantwortlichen.

Neu ist auch der Brandschutz: Neben einer erweiterten Brandmeldeanlage wurden alle Wände und die entscheidenden Türen dem Brandschutzkonzept entsprechend hergestellt, beleuchtete Fluchtwegeschilder sowie eine Notbeleuchtung mit Batterieversorgung installiert.

Anders als geplant

Die Bilanz dieser Sanierung kann sich heute zwar sehen lassen. In der Planungsphase des Projekts hatte an einen derartigen Rundumschlag allerdings niemand gedacht. Die im Jahr 2016 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für eine energetische Sanierung zeigte die Hauptarbeitsfelder auf: die dringend notwendige Sanierung der Fassade, die lediglich über eine sechs Zentimeter starke Styropor-Dämmung verfügte, einschließlich der undichten Fenster und eines nicht mehr funktionstüchtigen Sonnenschutzes, der im Sommer den Aufenthalt im Gebäude zur Zumutung machte.

Neben den energetischen Faktoren war ein weiteres Ziel ein Lüftungskonzept für eine konstant hohe Raumluftqualität mit Wärmerückgewinnung. Überraschungen im Bauverlauf führten schließlich zum Rundumschlag.

Nach dem Start der Umbaumaßnahme zeigten sich jedoch bald weitere Missstände. Mit dem Ausbau der Deckenelemente in den Schulräumen wurde deutlich, dass die Elektro-Versorgung komplett erneuert werden musste. Betroffen davon waren neben der Starkstromversorgung mit der Komplettsanierung aller Schaltschränke auch die Neuinstallation des Internets sowie die Neuausrichtung der Einbruch- und Telefonanlage.

Negativ überrascht

Im Bereich der Bestandsfassaden gab es die größten Überraschungen: Die vorgesehene sanfte Demontage war nicht wie geplant möglich. Stattdessen mussten die alten Waschbetonplatten arbeitsintensiv und mit viel Lärm verbunden einzeln zertrümmert werden. Aufgrund des Baulärms musste der gesamte Unterricht in Container ausgelagert werden. Nur der Fachunterricht und das Rektorat mit Sekretariat blieben während der Bauphase in Teilen im Altbau der Gemeinschaftsschule.

Im weiteren Verlauf der Bauarbeiten zeigte sich außerdem, dass die Baupläne aus den Jahren 1967 und 1968 nicht der tatsächlichen Ausführung entsprach, was die Arbeiten weiter verkomplizierte. So gab es zum Beispiel keine richtigen Außenwände in den Toilettenräumen und Teilen des Haupteingangs, wo einfach die Waschbetonfassadenelemente von innen verkleidet worden waren.

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