Weil am Rhein Die Luftschlösser mit Leben füllen

Michaela Rimkus zeigt, wie der „Street-Workout-Park“ aussehen könnte. Foto: Carina Stefak Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (ste). Seit 27. November trägt die Stadt das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“. Wie sich dies auf die Praxis auswirkt, welche Maßnahmen konkret geplant sind und wie weit diese fortgeschritten sind –­ darüber hat Carina Stefak mit Projektleiterin Michaela Rimkus gesprochen.

Was ist der aktuelle Sachstand des Projekts?

Die Stadt hat das Siegel Ende November erhalten. Maßgabe dafür war unter anderem die Ausarbeitung eines Aktionsplans. So haben wir unter Mithilfe von Kindern und Jugendlichen einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Nun gilt es, diesen mit Leben zu füllen.

Ganz viel Leben verspricht schon allein die Lektüre der Maßnahmenkatalogs. Vieles, was dort aufgelistet ist, sind wohl Herzenswünsche der Kinder und Jugendlichen.

Das Prädikat „Kinderfreundliche Kommune“ bedeutet weit mehr, als die Bereitstellung von Spielplätzen und Kindertagesstätten. Vielmehr sollen Kinder und Jugendliche bei Themen, die sie betreffen, altersentsprechend in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und ihr Lebensumfeld mitgestalten können. Dies geschieht über Workshops und Befragungen.

Drei Workshops hat es als „Streifzüge durch meine Stadt“ bereits in der Kernstadt, in Friedlingen und Haltingen gegeben. Stehen weitere an?

Ja, die gute Erfahrung aus den Streifzügen durch die Stadtteile soll fortgesetzt werden. Spaziergänge durch Märkt und Ötlingen sind im Laufe des Jahres geplant.

Im Aktionsplan sind 13 Maßnahmen aufgelistet, unter die wiederum verschieden Einzelprojekte fallen. Können Sie exemplarisch eines nennen, an dem gerade gearbeitet wird?

Der „Street-Workout-Park Weil am Rhein“: Wie bei einem der Streifzüge festgestellt wurde, wünschen sich die Jugendlichen eine „Calisthenics“-Anlage, an der sie über Sprossen und Stangen mithilfe des eigenes Körpergewichts trainieren können.

Wie weit ist dieses Projekt fortgeschritten?

Ein Hersteller hat gestern seine Produkte bei einem Infotermin vorgestellt, bei dem auch zwei Vertreter der Jugendlichen dabei waren. Gleichzeitig geht es um die Standortfrage. Auch da sind wir im engen Austausch. Ich habe die Gruppe gebeten, im Stadtplan Orte zu markieren, an denen sie sich die Anlage vorstellen können.

Wie sieht es mit der generellen Reihenfolge bei der Umsetzung der Projekte aus – gibt es einen detaillierten Fahrplan?

Wo sich Aussagen über Zeitfenster treffen lassen, haben wir sie im Aktionsplan festgehalten. Ansonsten schauen wir, wie wir vorankommen. Für die Umsetzung des gesamten Aktionsplans mit allen Maßnahmen haben wir vier Jahre Zeit. Und nach Rücksprache mit allen Amtsleitern denken wir, dass das machbar ist.

Die Mitarbeiter der jeweiligen Ämter müssen zur neuen Zielsetzung der Kinderfreundlichkeit in ihrer Arbeit sicher auch einiges beachten.

Die Verwaltung muss für den Umgang mit der Zielsetzung „kinderfreundliche Kommune“ sensibilisiert werden. Dazu erstellt eine Arbeitsgruppe mit externer Unterstützung Leitfäden, die den Mitarbeitern als Handwerkszeug dienen. Denn natürlich müssen die Projekte in ihre Arbeitsabläufe integrierbar sein.

Der Kinderfreundlichkeits-aspekt soll in der Verwaltungsarbeit zu einer Selbstverständlichkeit werden?

Genau. Daher haben wir bei den Workshops auch unsere Azubis eingebunden. Neben den Verwaltungsfachleuten waren pro Streifzug drei dabei. So bekommen unsere Lehrlinge das von Anfang mit und können es später selbst in ihrer Arbeit berücksichtigen.

Auch die Bevölkerung muss für das Thema Kinderfreundlichkeit sensibilisiert werden.

Auch daher die Einbindung der Kinder und Jugendlichen. Wenn sie in die Umsetzung der sie betreffenden Vorhaben involviert sind, steigt die Chance, dass das Ergebnis angenommen wird. Gleichzeitig sinkt das Risiko der Zweckentfremdung und des Vandalismus’ – Beteiligung steigert Wertschätzung. Darüber hinaus lernen junge Menschen, dass mit Rechten auch Pflichten wie Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme einhergehen. Durch ihre Einbindung in alle Schritte kommt dieses Spannungsfeld von Anfang an auf den Tisch.

Wo können sich Kinder und Jugendliche informieren?

Das Projekt hat auf der Homepage der Stadt ein eigenes Informationsangebot. Wir haben darauf geachtet, dass dieses kindgerecht ist. So werden Kinder nicht mit Fakten überschüttet, sondern aufgefordert, selbst Anregungen zu schicken. Leider gibt es Probleme mit der Suchfunktion auf der Startseite: Gibt man das Schlagwort „Kinderfreundliche Kommune“ ein, findet man nur einzelne Artikel. Nutzer gehen daher am besten auf die Startseite www.weil-am-rhein.de und klicken rechts bei „Häufig nachgefragt“ auf „Kinderfreundliche Kommune“.

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