Weil am Rhein Die Planungen laufen weiter

Weil am Rhein - Eigentlich ist am Wochenende immer Museumszeit in Weil am Rhein. Aufgrund des Teil-Lockdowns sind die Räume aber nicht zugänglich. Dennoch tut sich etwas hinter den verschlossenen Türen der städtischen Museen – und auch die Planungen für neue Ausstellungen liegen keineswegs auf Eis.

„Unsere Arbeit, die nach außen hin sichtbar ist und die uns mit Besuchern in Verbindung bringt, ist weggefallen. Das ist sehr schade, weil so die direkte Rückmeldung und der Austausch ausbleiben“, bedauert Simone Kern, Kuratorin im Landwirtschaftsmuseum und Museum Weiler Textilgeschichte, auf Nachfrage unserer Zeitung. Zugleich verschaffe die Situation Luft und Zeit, sich anderen Dingen zuzuwenden, für die ansonsten wenig Zeit bleibt. „Denn hinter den Kulissen ist genügend Arbeit da, wie zunächst die Aufarbeitung von Anfragen und ,Liegengebliebenem’. Ablage machen und das Büro aufräumen kommen sonst auch immer zu kurz.“ Für das Landwirtschaftsmuseum sei eine Ausstellungsbroschüre in Arbeit, in der die Entwicklung der hiesigen Landwirtschaft betrachtet wird und die Objekte der Dauerausstellung beschrieben werden sollen.

Im Museum am Lindenplatz gebe es das Problem, dass sich der Museumskreis derzeit nicht treffen kann, schildert Kuratorin Barbara Brutscher. „Aktuell habe ich aber große Unterstützung durch die Mitglieder Karl Abing und Bernhard Wißgott. Wir versuchen, neue Strukturen zu schaffen, indem etwa veraltete Technik aussortiert wird und durch Um- und Aufräumen die Arbeitsbereiche optimal genutzt werden.“ Ein bis zwei Mal pro Woche sind die Helfer für zwei bis drei Stunden im Museum – selbstverständlich unter Beachtung aller Vorgaben, auch Masken werden getragen, erläutert Museumskreis-Vorsitzender Abing. „Wir sind vorsichtig.“

Außerdem konnte etwa eine neue Werkbank angeschafft und aufgebaut werden. Zudem wird Ende des Jahres noch eine neue Empfangstheke geliefert. Aktuell gebe es laut Brutscher Überlegungen, die Bar im Museum mit dem Museumskreis neu zu gestalten. Wie von Kern angesprochen, sei jetzt die Zeit, „Altlasten“ abzuarbeiten, aber sich auch neuen Projekten und Themen im Museumsbereich zu widmen, wie neuer Ausstellungstechnik oder der Digitalisierung.

„Zudem beschäftigt mich das Thema Barrierefreiheit im Museum“, sagt Brutscher. Die 5000 Euro, die es von Lotto Baden-Württemberg im Rahmen der Aktion „MuseumsGlück“ gab (wir berichteten), sollen für die Barrierefreiheit des Museums eingesetzt werden. „Auch da planen wir“, ergänzt Abing.

Generell haben Kern und Brutscher nun auch strukturelle Dinge angepackt: „Wir haben die Archivierung unserer Sammlungsobjekte und des Bestands der städtischen Kunstsammlung auf den Weg gebracht.“

Keine Verlängerung mehr

Die Ausstellung „Knopf dran!“ im Museum Weiler Textilgeschichte wurde bereits zweimal verlängert. Nun will Kern die „Warteschleife“ wieder verlassen, nach vorne blicken und aktiv werden, um das Museum wieder zu beleben. „Die kleine Verschnaufpause tat gut, nun will ich den Museumsfreunden und Kulturhungrigen wieder etwas Neues anbieten.“ Die nächsten zwei Ausstellungen für das Museum Weiler Textilgeschichte seien in Planung beziehungsweise in Arbeit.

Die Ausstellungen werden derzeit inhaltlich erarbeitet und strukturell organisiert. „Ein Zeitfenster steht intern auch, wir haben uns Termine gesetzt. Gleichzeitig bleiben wir aber flexibel. Wenn es zu erneuten Schließungen kommen sollte, schieben wir eben.“ Mit Vernissagen, wie man sie kennt, rechnet Kern eher nicht. „Da werden wir andere Formen finden, eine Eröffnung ,zu feiern’: freier Eintritt, verlängerte Öffnungszeiten am Eröffnungstag, Videobotschaften oder ähnliche Angebote.“

Es sei aber sehr schade, dass der verlängerte Besuchszeitraum der aktuellen Ausstellungen durch die erneute Schließung nicht in Anspruch genommen werden konnte, findet Kern. „Es gibt bestimmt einige, die unsere Ausstellungen noch gerne angeschaut hätten. Aber wir haben Verpflichtungen und müssen unsere Leihgaben wieder zurückgeben.“

Das Landwirtschaftsmuseum musste diese Saison geschlossen bleiben. „Da werden nun aber die fehlenden Strukturen geschaffen, so dass es 2021 wieder geöffnet werden kann“, kündigt Kern an.

Die Ausstellung „Weil Welt Weit“ im Museum am Lindenplatz läuft offiziell noch bis zum 20. Dezember, aber wird nicht mehr öffnen können. „Es ist sehr schade, zumal die Ausstellung zu Beginn sehr viele Besucher hatte“, sagt Brutscher. „Besonders bedauerlich war auch, dass die Partnerstädte die Ausstellung nicht sehen konnten.“ Auch viele Leihgeber konnten nicht kommen. „Aus diesem Grund haben wir jetzt als Dokumentation einen kleinen Film zur Ausstellung erstellt.“ Ein Vortrag, den Patricia Reister zum Thema „Weil wird Wirtschaftsstandort“ gehalten hatte, wird in den Tagebuchblättern des Heimat- und Geschichtsvereins erscheinen.

Eine Verlängerung wird es im Museum am Lindenplatz ebenfalls nicht geben. Für Mai ist die Ausstellung „Menschen im Museum“ in Planung. „Das Erstkonzept steht, große Hilfe habe ich hier auch aus den Reihen des Museumskreises.“ Ein Teil der Ausstellung werde zudem auf die Unterstützung der jüngeren Weiler Bevölkerung angewiesen sein.

Die Ausstellungsplanung für das kommende Jahr soll laut Brutscher an Pandemie-Bedingungen angepasst werden, dies schließt etwa digitale Konzepte mit ein. „Wir versuchen, das Ganze auch positiv zu sehen: Mit der Konzeption von neuen Ausstellungen unter den jetzigen Bedingungen ergeben sich auch neue Möglichkeiten.“ Ausstellungen seien immer auch Projekte mit sehr unterschiedlichen Partnern. „Daher sind wir auch froh, wenn wir neue Aufträge an wissenschaftliche Mitarbeiter, Grafiker, Künstler oder Fotografen vergeben können, die es aktuell besonders hart trifft.“

Kunstverein trifft es wieder

Wieder einmal Pech hat der Weiler Kunstverein: Beim ersten Lockdown im März hatte er seine Ausstellung „Berliner Zimmer“ im Stapflehus direkt wieder schließen müssen, diesmal traf es die Ausstellung „Temporary Perfection“, die Mitte Oktober eröffnet wurde. Ende Oktober war dann schon wieder Schluss, lediglich an zwei Wochenenden konnten die Werke besichtigt werden. „Die Ausstellung wurde dann auch wieder abgebaut“, berichtet Vorsitzender Friedrich Resin. „Das ist natürlich ein bisschen traurig.“ Für den Verein sei der Ausfall weniger ein Problem. „Aber für die Künstler ist es natürlich schwierig. Wenn sie nicht ausstellen können, ist das ganz schlecht.“

Für den 28. November war die Vernissage der Regionale 21 mit dem Titel „The place beyond the Rhine“ geplant, als Ersatztermin wurde dann der 5. Dezember anvisiert, was nun ebenfalls nicht klappt. Stattdessen wird die Schau um ein Jahr verschoben und dann als Regionale 22 stattfinden. Bis zum 17. Januar hätte die Regionale 21 dauern sollen, danach ist die Schulkunst-Ausstellung im Stapflehus geplant.

Resin hat beobachtet, dass der Trend zu Online-Ausstellungen geht. „Das kann man sich zum Teil vorstellen wie ein Computerspiel, man kann virtuell Räume betreten, Werke anklicken und vieles mehr.“ Der Kunstverein könne das aber nicht in dem Stil anbieten. „Das ist ja auch eine finanzielle Frage.“ Er sei aber im Gespräch mit einer Firma, so dass eventuell etwas gestaltet werden könne.

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