Weil am Rhein Die Reben trotzen der Krise

 Foto: Alisa Eßlinger

Weil am Rhein - Von der Corona-Krise bleiben auch die Winzer nicht unberührt. Wir haben bei zwei Weiler Weingütern nachgefragt, welche Herausforderungen es zu meistern galt und gilt und wie sich die Situation aktuell darstellt.

Als eine der Herausforderungen nennt Christoph Schneider vom Weingut Schneider, dass vieles geschlossen hatte, wie die Gastronomiebetriebe. „Außerdem galten in unseren Exportländern wie Belgien und den Niederlanden zum Teil noch strengere Restriktionen“, berichtet der Winzer, der das Weingut mit seinem Bruder Johannes in fünfter Generation führt. Das habe sich auch auf den Absatz ausgewirkt.

Begeistert von treuen Privatkunden

Begeistert sind die Schneiders von ihren Privatkunden: „Es gab sehr viele Bestellungen, sowohl lokal als auch deutschlandweit“, freut sich Christoph Schneider. „Das war toll und auch wichtig.“ Denn auch die Grenznähe habe sich bemerkbar gemacht, also dass Kunden aus der Schweiz und aus Frankreich nicht mehr kommen konnten. „Die Grenzen hat meine Generation mit knapp 30 Jahren ja eigentlich gar nicht mehr wahrgenommen.“ Er habe das Gefühl, dass nun auch wieder vermehrt darauf geachtet werde, lokal einzukaufen und Betriebe vor Ort zu unterstützen.

Die Schneiders haben des Weiteren mit befreundeten Gastronomen Päckchen zusammengestellt, die sie kostenlos ausgeliefert und versendet haben. „Das war eine schöne Kombination und hat uns auch im Hinblick auf den Umsatz geholfen.“ In gewisser Weise sieht Schneider die Krise deshalb auch als Chance, alte Gewohnheiten zu überdenken und innovativer tätig zu sein.

"Natürlich noch gedämpft"

Der Betrieb laufe nun nach den diversen Lockerungen „ganz okay“ weiter. „Natürlich noch gedämpft“, sagt der Winzer. Bei den Kunden seien noch Bestände vorhanden. Und auch, dass viele Veranstaltungen ausfallen, werde sich bemerkbar machen. „Aber unsere Weine kann man gut lagern, also verkaufen wir einfach länger. Wir haben keine Sorge, etwas vernichten zu müssen.“ Auch hinsichtlich der Lagerkapazitäten ist Schneider guter Dinge.

Die Rebenentwicklung sieht laut dem jungen Winzer „super aus“. „Seit 2018 betreiben wir biologischen Weinbau, das funktioniert sehr gut.“ Das Jahr sei bisher reibungslos verlaufen, der Jahrgang sehe sehr vielversprechend aus. „Ich rechne mit einer frühen Lese Mitte August.“ Das Verhältnis von Regen und Sonne sei perfekt. „Die schweren Lehmböden am Tüllinger speichern das Wasser gut.“ Deshalb sei auch keine Bewässerung notwendig. Noch dieses Jahr wollen die Brüder das Weingut als Bio-Weingut zertifizieren lassen.

Zeit der Ungewissheit

Werner Röschard vom Weingut Röschard erinnert sich noch an die Ungewissheit, als nicht klar war, ob Saisonarbeitskräfte einreisen dürfen. „Wir wussten nicht, ob wir genug Leute haben werden.“ Dank der Lockerungen konnte dann aber ab der zweiten Maiwoche mit Saisonarbeitskräften aus dem Ausland gearbeitet werden.

Aber auch der wirtschaftliche Aspekt sei nicht außer acht zu lassen. „Es werden nicht die Einnahmen erzielt, die man braucht, um die laufenden Kosten zu decken“, so Röschard. Er hoffe, dass es im Herbst ein zweites Corona-Hilfspaket geben wird. Dieses sei für mittelständische Betriebe zwar bereits verabschiedet worden. „Aber man kann noch nichts beantragen.“

Das wichtigste Standbein sei die Zusammenarbeit mit der Gastronomie. „Da lief gar nichts mehr.“ Seit den Lockerungen und der Grenzöffnung sei es besser, aber noch nicht auf dem Niveau wie vor der Krise. „Die Gastronomie erzielt ja auch noch nicht den Umsatz wie vorher“, erklärt der Winzer. Dass sich Menschen in Kurzarbeit befinden oder gar arbeitslos geworden sind, verpasse dem Konsumverhalten wohl ebenfalls einen Dämpfer.

Handel als zweites Standbein

Das zweite Standbein sei der Handel. „Wir arbeiten mit Fachhändlern zusammen, die aber zum Teil auch stark von der Schweiz abhängig sind.“ Auch in diesem Bereich habe es Einbußen gegeben. Das dritte Standbein seien die Privatkunden. „Aber Wein wird ja oft in Gesellschaft getrunken oder bei gesellschaftlichen Veranstaltungen.“

Werner Röschard, der das Weingut mit seinem Bruder Gerd und Sohn Ralf führt, blickt ansonsten auf „schöne Trauben, die sich toll entwickeln“. „Dank des Regens“, betont er. Die Winzer hätten im Frühjahr beim Ausbrechen der Triebe auf Qualität gesetzt und dort, wo zwei Triebe vorhanden waren, je einen weggebrochen. „Aus heutiger Sicht sehe ich einer Weinlese mit vermarktungsfähiger Menge entgegen“, freut sich Röschard.

Hinsichtlich der Lagerkapazitäten erstelle er derzeit einen „Masterplan“. „Die Zielsetzung muss sein, dass wir das, was reinkommt, auch unterbringen können“, stellt er klar. „Grundsätzlich wissen wir, dass der Markt gesättigt ist, auch durch die erfreulichen Ernten von 2018 und 2019.“ Man dürfe nicht davon träumen, von heute auf morgen Abnehmer zu finden.

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