Weil am Rhein Diesmal fallen die Eisheiligen aus

Zoë Schäuble
Besonders gefährlich sind späte Frostnächte für die Obstblüte, wie etwa für die Apfelblüte. Die „Kalte Sophie“ am 15. Mai ist darum besonders bei Obstbauern gefürchtet. In diesem Jahr machen sich die Weiler Direktvermarkter aber keine Sorgen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Foto: pixabay

Die „Kalte Sophie“ und Co. sind unter den Weiler Direktvermarktern und Gärtnern noch gut bekannt. Denn die Eisheiligen werden noch bis Mitte Mai für Kälteeinbrüche und Nachtfröste verantwortlich gemacht. Dass die weit verbreitete „Bauernregel“ kein reiner Aberglaube ist, zeigt eine Umfrage unserer Zeitung.

Von Zoë Schäuble

Weil am Rhein. „In diesem Jahr fallen die Eisheiligen zwar aus“, weiß Stephan Schmieder von der Stadtgärtnerei in Weil am Rhein. Mit Temperaturen deutlich über der 20-Grad-Marke müsse man sich dieser Tage über Nachtfröste keine Sorgen machen. Allerdings zeigten Erfahrungswerte aus vielen Jahrhunderten, dass Kälteeinbrüche im Mai keine Seltenheit sind, so Schmieder. „Aufgrund des Klimawandels verschiebt sich in unseren Breitengraden allerdings alles etwas nach vorn.“

So sei es im April in den vergangenen Jahren immer mal wieder noch einmal recht kalt geworden. Wenn die Obstbäume dann schon geblüht hatten, habe das durchaus zu Ernteausfällen bei den Bauern geführt. Und auch in der Stadtgärtnerei achte man auf die Wettervorhersagen, was das Pflanzen anbelange.

„Obwohl es nun schon deutlich wärmer wird, pflanzen wir den Sommerflor nicht früher aus.“ Die Pflanzen, die derzeit noch in der Stadt die öffentlichen Plätze verschönern, vertragen alle etwas Frost. Kommende Woche werden die Gärtner die Beete räumen und Ende Mai mit dem Auspflanzen des Sommerflors beginnen.

Kein Aberglaube

Nicht für einen Aberglauben hält auch Landwirt Jürgen Müller vom gleichnamigen Haltinger Obst- und Gemüsehof die Wetterereignisse, die um den 15. Mai hin und wieder auftreten. Dass es in diesem Jahr noch einmal friert, hält er aber für ausgeschlossen. „Ich erinnere mich allerdings an 2017 – dort wurde es Ende April noch einmal richtig kalt“, und das, so der Landwirt weiter, habe dann natürlich Auswirkungen auf die Ernte. Frostempfindliche Kulturen wie etwa Bohnen pflanzt er deshalb nicht zu früh aus. „Die Eisheiligen betrachte ich als eine Art Faustregel, an der wir uns bezüglich des Anbaus durchaus orientieren.“ Regelmäßig konsultiert er in diesem Zeitraum den Wetterbericht. Und sollte es nach dem Aussäen der empfindlichen Kulturen doch noch einmal zu Bodenfrost kommen, könne man die Aussaat zeitweise mit einem Vlies abdecken und so vor Frostschäden schützen.

Dass Spätfröste für die Ernte mitunter verheerende Auswirkungen haben können, weiß Bärbel Fischer-Trimborn vom Obst- und Gemüsehof in Haltingen. Der Familienbetrieb bietet eine Vielzahl an Stein- und Kernobstsorten sowie ganzjährig Freilandgemüse und -salate an.

„Als stressige Zeit“ für die Direktvermarkter bezeichnet Fischer-Trimborn den Zeitraum um die Eisheiligen, die offiziell vom 11. bis 15. Mai andauern sollen. Der Übergang vom Frühjahr in den Sommer fordere die Landwirte besonders, weil man hier die Ernte sowie den Anbau ganz genau im Blick behalten müsse, damit eben keine wetterbedingten Ernteausfälle auftreten. Die Sonderkulturen, die Fischer-Trimborns anbauen, sind teilweise kälteempfindlich. Die Stangenbohnen sind deshalb noch nicht ausgesät.

Obwohl Fischer-Trimborn sich sicher ist, dass die Eisheiligen in diesem Jahr ausfallen, erinnert auch sie sich an vergangene Jahre, in denen etwa Frostschäden bei den Frühkartoffeln entstanden seien.

Gerda Zandt, die in Ötlingen eigens angebaute Hofprodukte, wie Tomaten, Gurken, Bohnen, Zucchini oder rote Beete verkauft, macht sich in diesem Jahr keine Sorgen, dass es noch einmal zu Spätfrösten kommt.

Deshalb hat sie ihr Gemüse bereits ausgesät. Dennoch sei auch sie in den vergangenen Jahren schon von den Eisheiligen überrascht worden und achtet deshalb genau auf die Wetterprognosen hinsichtlich des Gemüseanbaus.

Was die Experten sagen

Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, dass bis Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder Kaltlufteinbrüche beobachtet wurden. Meteorologische Messungen über die letzten 50 Jahre belegen jedoch auch, dass sich die Eisheiligen nicht an ein bestimmtes Datum halten. So würden in manchen Jahren im Mai keine Kaltluftvorstöße verzeichnet, in anderen Jahren dafür gleich mehrere Phasen mit Kälte und Nachtfrösten, teilweise sogar bis in den Juni hinein.

Das liege, laut Experten des DWD, an kalter Luft, die aus den Polargebieten in Schüben in unsere Bereiche herübergeweht würde. In der Regel nehmen die Tage mit Nachtfrösten jedoch im Lauf des Mais jedoch ab.

Landwirte bleiben wachsam

Auch wenn die Eisheiligen sich nicht auf ein genaues Datum terminieren lassen, mache die „Bauernregel“ dennoch Sinn, so der Tenor der Weiler Direktvermarkter.

Sie erinnere die Obst- und Gemüsebauern sowie Gärtner immerhin daran, im Mai ein besonderes Augenmerk auf den Entwicklungsstand ihrer Pflanzen zu werfen, und empfindliche Pflanzen erst nach drohenden Nachtfrösten ins Freiland zu setzen.

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