Weil am Rhein Ein „Arzt“ für Trommeln

Ein Fall für Holger Kirn: Die Trommel eines Guggenmusikers muss für den nächsten Einsatz repariert werden. Im Hintergrund stehen Körper für Kirns selbst gebaute Trommeln. Foto: Saskia Scherer

Weil am Rhein - Beim flotten Spiel der Guggenmusiker bleibt es nicht aus, dass Instrumente Schaden nehmen: Felle von Trommeln können reißen, Schläger zu Bruch gehen. Dann ist Holger Kirn mit seinem Servicemobil zur Stelle, um als „Gugge-Doktor“ schnell „Erste Hilfe“ zu leisten.

Der Trommelbauer, Inhaber von „Kirn Custom Drums“ am Berliner Platz in Weil am Rhein, wird auch beim Guggen-Monsterkonzert am Samstag auf dem Rathausplatz wieder im Einsatz sein. Dabei bietet er einen Rundum-Service. Ob Schrauben, Schläger oder Felle, aber auch Mundstücke oder Gehörschutz – er hat alles dabei, ebenso wie eine spezielle Maschine, um die Felle „ruck-zuck“ zu wechseln. Langweilig wird ihm dabei nicht: „Es gibt immer was zu tun“, schmunzelt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bevor der „Gugge-Doktor“ bei Umzügen oder Auftritten persönlich vor Ort war, wurde er stets in seinem Laden angerufen, wenn die Musiker Hilfe brauchten. „Da hieß es dann zum Beispiel: ,Hey Kirni, ich brauche eine neue Beckenhalterung’, also bin ich hingefahren. In der Zeit hat dann schon der nächste angerufen“, erzählt der Trommelbauer. So kam ihm die Idee, sich mit einem Wagen direkt an die Orte des Geschehens zu stellen.

Ganzjährig Anfragen

Dennoch ist zur Fasnacht nicht wirklich Hochsaison für Kirn. „Früher trudelten die Aufträge der Musiker ab August bis kurz vor der Fasnacht ein, mittlerweile ist das ganzjährig der Fall.“ Schon jetzt gebe es Vorbestellungen für die Fasnacht im kommenden Jahr. Die Arbeit gehe ihm und seinem Sohn Manuel, mit dem er das Geschäft betreibt, auf jeden Fall nicht aus. Der Fokus liege ohnehin auf der Produktion. „Und dann haben wir ja auch noch eigene Ideen – aber zu wenig Zeit.“ Auch bei den Auftritten vor der Fasnacht, für die er ebenfalls angefragt werde, kann Kirn aus Zeitgründen nicht mit seinem Servicemobil dabei sein.

Holger Kirn hat das Trommelspiel bereits als Fünfjähriger im Musikverein erlernt. „Schon bei der ersten Jahresfeier durfte ich ein Solo spielen“, erinnert er sich. Später, selbst als Gugggenmusiker aktiv, habe er „immer gerne gebastelt“ und sich schließlich einen eigenen Wagen für sein Instrument gebaut. „Beim Umzug wurde ich direkt gefragt, woher der ist und ob ich noch weitere bauen kann“, lacht er. Das Telefon stand nicht mehr still, und so legte Kirn mit der ersten Produktion los – in seiner Garage.

Hobby zum Beruf gemacht

So hat es sich entwickelt, dass er sein Hobby zum Beruf machte. Längst hat sich der Trommelbauer einen Namen gemacht: „Erst neulich wurde mir gesagt, dass man bei Umzügen nicht schauen müsste, auf welchen Instrumenten Kirn draufsteht, sondern, wo es nicht draufsteht“, erzählt er nicht ohne Stolz. Durch seine Erfahrung als Musiker wisse er, wie die Trommeln klingen müssen.

Für die Körper verwendet er spezielles Flugzeugaluminium: „Das gibt einen richtig schönen, tiefen Klang.“ Außerdem sei das geringe Gewicht ein Vorteil. In einer großen Schreinerei lassen die Kirns Trommelkörper aus Holz bauen. Er habe selbst nicht schlecht gestaunt, als er hörte, dass zum Teil 6000 Jahre altes Holz verwendet wird. „Und es werden auch Holzarten gemischt, das hat ebenfalls Auswirkungen auf den Klang.“

Eigentlich würden Vater und Sohn für die Produktion eine große Halle benötigen. Die Suche gestalte sich aber als nicht ganz so einfach. Denn auch eine Lackierkabine sollte darin Platz finden. „Die Auflagen sind hoch.“ Bisher hat Kirn eine Lackierei zusätzlich angemietet.

Die Kirns bauen übrigens nicht nur Trommeln für Guggenmusiker, Marching-Bands und Musikvereine, sondern auch ganze Schlagzeug-Sets für Bands. „Das sind teils bekannte Gruppen, die auf großen Bühnen spielen.“

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