Weil am Rhein Ein friedliches Multikulti-Festival

Metalfans von weit und fern pilgerten am Samstag zum Dreiländergarten. Den ganzen Tag über spielten internationale Bands. Trotz der bewussten Inszenierungen der Szene stand erneut der familiäre Charakter des Festivals im Vordergrund. Im dritten Jahr im Dreiländergarten haben die Veranstalter die Abläufe weiter optimiert und hoffen nun auf Planungssicherheit durch die Stadt.

Martina Proprenter

Weil am Rhein. „Ich weiß nicht, welche Kreatur mir vors Auto gelaufen ist“, meint der Autobesitzer diabolisch grinsend. Die Rote-Beete-Flecken sehen auf dem weißen Toyota täuschend echt aus. Aber „Blümchen“, wie sich der Metalfan aus der Nähe von Hamburg vorstellt, findet seine Aktion einfach lustig. Seit fünf Jahren kommt er bereits. „Es ist ein bisschen wie eine Familie hier“, sagt er – wie viele andere Besucher später auch.

Metalfans kommen von weit her

Denn obwohl das Festival in jedem Jahr weiter wächst, haben es die Veranstalter vom Verein Metal Maniacs Markgräflerland geschafft, den Kern zu erhalten: ein friedliches offenes Multikultifestival für die ganze Familie, wie Pressesprecher Manuel Wegner es definiert.

Auf den Rasenflächen und entlang der Wassergärten sitzen und liegen denn auch besonders Familien mit oft kleinen Kindern. Außerhalb des Bühnenbereichs ist es weniger laut, also „kinderohrenfreundlich“, erklärt eine Mutter. Für die Veranstalter eine zweischneidige Angelegenheit: einerseits freue man sich natürlich über alle, die auch einfach mal gucken wollen, sich an den Getränke- und Imbissbuden verköstigen. Doch müsse man natürlich auch Eintrittskarten verkaufen, um das aufwendige Festival samt dutzender Helfer und internationalen Bands finanzieren zu können. „Noch funktioniert die Mischung aber“, freut sich Wegner. Im Vorverkauf wurden „weit mehr“ Karten verkauft als die 1250 im Vorjahr.

Energiegeladene Stimmung

Ein Pluspunkt dabei war die amerikanische Thrash-Metal-Band „Iced Earth“, die das Festival gegen Mitternacht beendete. Doch schon vor Eröffnung am Mittag war der weitläufige Parkplatz gut gefüllt mit Autos und vereinzelt auch Zelten der Metalfans, die teils schon am Vortag von weit her angereist waren. Zu späterer Stunde werden hier Campingstühle ausgepackt, zwischen zwei Autos brutzelt ein Würstchen auf dem Grill, direkt daneben schläft einer. Je näher man der Bühne kommt, umso energiegeladener wird aber die Stimmung.

Eröffnet hatten das Festival die Lahrer „Kyler“, die den vereinseigenen „Blood Battle“ gewonnen haben, einen Wettbewerb für Nachwuchsbands. Acht Stunden lang – Zugaben nicht mitgezählt – spielten neun Bands die verschiedensten Subgenres. Während in unterschiedlicher Intensität ins Mikro geschrien wurde, tanzte und wippte die Menge begeistert mit. Denn trotz der unterschiedlichen Ausrichtung, von klassischem Death bis hin zu Extrem Metal, schafften es die Bands mit den ersten Klängen, die Besucher vor die Bühne zu locken.

Am frühen Abend zog Wegner denn auch ein positives Fazit, nicht nur die Besucher, auch die Bands hätten sich nur positiv geäußert. Da das Festival immer weiter wächst, wurden im Backstagebereich Container aufgestellt, die Bands zu deren Freude mit einem großen Frühstücksbuffet begrüßt.

Planungssicherheit gewünscht

Die Zukunft des Festivals ist jedoch unklar, erzählt Wegner. Er hofft, dass die Stadt den Dreiländergarten auch künftig zur Verfügung stellt, wünscht sich aber mehr Planungssicherheit, etwa mit einem Fünf-Jahres-Vertrag.

Der Countdown läuft! Jetzt bis zum Jahresende gratis lesen. Schnell HIER anfordern.

Umfrage

Alexej Nawalny

Der Fall Nawalny bringt die Bundesregierung in Zugzwang, sollte Moskau bei der Aufklärung weiterhin mauern. Ist eine Neuausrichtung der deutschen Russland-Politik jetzt unvermeidbar?

Ergebnis anzeigen
loading