Weil am Rhein Ein hartnäckiger Problemlöser

Günter Dußmann will dem nächsten Gemeinderat angehören. Foto: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Wie die Jungfrau zum Kind ist Günter Dußmann vor einem Jahr zum Amt des Weiler CDU-Stadtverband-Vorsitzenden gekommen. Seitdem beackert er verschiedene Felder. Das Ziel: Die Christdemokraten sollen sich stärker um die Bürger kümmern. Kommunikation hat der Friedlinger dabei von Beginn an auf seine Agenda gesetzt.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Eine Dreiviertelstunde dauert das Gespräch mit ihm bereits, bis der 57-Jährige erstmals gegen eine andere Partei Position bezieht. Dass die SPD auf Bundesebene versucht hat, sich aus der politischen Verantwortung herauszuziehen, kritisiert Dußmann. Das lautstarke Reiben am politischen Gegner ist ansonsten nicht die Sache des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden. Vielmehr arbeitet er mit Ausdauer an Problemlösungen, wie täglich in seinem Job als IT-Spezialist im Landratsamt. Noch nie habe er keine Lösung gefunden, auch wenn es schon einmal ein Dreivierteljahr gedauert habe, erzählt der gebürtige Weiler. „Hartnäckig“ ist daher eine seiner Selbstbeschreibungen.

Im zurückliegenden Jahr musste Dußmann auf einigen „Baustellen“ für seine Partei arbeiten. Nur die Stichworte der Aktionen, bei denen er mitwirkte, füllt eine DiN A4-Seite. An 15 Tagen war er jeweils drei Stunden im Haustürwahlkampf tätig. An 629 Türen hinterließ er teils allein, teils mit Vorstandskollegen die politische Botschaft der CDU. „Man muss die Leute überzeugen.“

Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Online-Präsenz des Stadtverbands. Die Kommunikation soll sich nicht in den Briefen an die rund 90 Mitglieder erschöpfen, sondern weit darüber hinaus gehen. Die Homepage wird als Arbeitsplattform ausgearbeitet. Immerhin sind es laut Dußmann einige Tausend Aufrufe pro Woche, an einem Tag etwa 700. Mehrere Mails landen bei ihm.

Der Stadtverbands-Vorsitzende spürt dabei ein gestiegenes Interesse an der CDU in Weil am Rhein. Geplant sei auch noch eine Aktion mit der Jungen Union, um jüngere Mitglieder zu gewinnen. „Ich wünsche mir, dass sich junge Mitglieder finden, die mitmachen und alte, die sie mitnehmen und ihre Erfahrung weitergeben.“

Seine Coaching-Ausbildung hilft dem Vorsitzenden, Probleme passend anzusprechen; für ihn persönlich dient die Skipiste als Ausgleich, wo er nebenbei als Lehrer im Einsatz ist. Außerdem tankt der 57-Jährige auf, wenn er mit seiner Frau joggen und tanzen geht. Als Alleinkämpfer will er gar nicht agieren, was zu viel Kraft kosten würde. Im Stadtverbands-Vorstand bilden fünf Christdemokraten den engeren Kreis, neun sind es insgesamt, die hier mitwirken. „Unwissenheit macht aggressiv“, setzt er auf Kommunikation, so auch mit der erfolgten Wiederbelebung der regelmäßigen Vorstandssitzungen.

Zu den Baustellen gehören aktuell auch die Vorbereitungen von Terminen wie den „Sommertalk“ mit Oberbürgermeister Wolfgang Dietz und dem Bundestagsabgeordneten Armin Schuster am 23. Juli im Hadid-Bau. Außerdem gilt es, die Gemeinderatswahl aufzugleisen. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende wird auf dem Wahlzettel stehen und ein Gemeinderats-Mandat ist fest im Blick.

Als verlässlich, jemand, der Probleme anpackt und lösungsorientiert arbeitet, will Dußmann wahrgenommen werden. Dass derzeit UFW-Stadtrat Andreas Rühle noch als eine Art politisches Sprachrohr für Friedlingen bezeichnet werden kann, stört den CDU-Chef nach eigenem Bekunden nicht. „Es soll der Sache dienen“, will er aber ebenso für den Stadtteil Position beziehen. „Friedlingen ist die Perle in Weil“, unterstrich Dußmann schon direkt zum Start des Gesprächs in seinem Domizil im Herzen des Stadtteils.

Einige der hier lebenden Menschen seien zwar für wirkliche Fakten nicht zugänglich und würden ihr Kreuz bei der AfD machen, doch später listet er die Chancen und Wünsche auf. „Friedlingen muss der erste Stadtteil sein, der voll mit der Breitbandtechnologie abgedeckt ist.“ Die Sicherheitslage müsse zudem verbessert werden. Weniger Verkehr, kein engerer Tram-Takt, nennt er weitere Punkte. Der Durchstich würde helfen, das Verkehrsproblem zu lösen.

Wen wundert’s, die aktuellen Themen der Stadtpolitik hat Dußmann parat und eine Position dazu. Eher für „Shared space“ als für eine Fußgängerzone spricht er sich aus. Bei der Tramverlängerung bis zum Läublinpark sei noch offen, wer es zahlt. So will er der nachfolgenden Generation kein Extra-Schuldenpaket übergeben.

Als klassischer Politiker kommt Dußmann bis zum Abschluss des knapp zweistündigen Gesprächs beim Gang durch den von Frost überzogenen Garten nicht rüber. „Ich bin immer ein politisch interessierter Mensch gewesen, das Ziel war aber nicht, einen Posten zu bekommen“, unterstreicht der Vorsitzende. Dass er am heutigen Samstag bei der CDU-Kreisversammlung nicht auch auf Kreisebene stärker in die Vorstandsarbeit eingebunden wird, liegt zudem nicht am fehlenden Interesse der CDU-Verantwortlichen. „Erst einmal will ich die CDU Weil zum Laufen kriegen und man muss laufen lernen“, will er die Partei mit Info-Veranstaltungen näher an die Menschen rücken. „Kümmern ist immer in Ordnung.“ Aus den bisherigen Rückmeldungen schöpft Dußmann dabei Kraft. Es laufe wieder, hört er. Der Vorsitzende selbst sagt: „Man wächst mit dem Feedback.“

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