Weil am Rhein Ein Quartier entwickelt sich weiter

Saskia Scherer
 Foto: Saskia Scherer

Leben: Quartiersmanagerin Brigitte Lill zieht nach zweieinhalb Jahren Bilanz / Zahlreiche Projekte

Das Quartier rund um das Baugebiet „Hohe Straße“ wächst – und auch die Quartiersarbeit entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Quartiersmanagerin Brigitte Lill hat nun im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss die entstandenen Projekte und Initiativen vorgestellt.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Jüngstes Beispiel ist das Quartiersfest, das vor gut einer Woche gefeiert wurde (wir berichteten). „Es war sehr gut besucht und es kamen auch Menschen aus anderen Stadtteilen“, freute sich Lill. Das Quartier umfasst übrigens viel mehr als nur den Bereich an der August-Bauer-Straße, stellte sie klar: Es erstreckt sich zwischen der Römerstraße, der Bahnlinie, der Hauptstraße und der Firma Vitra.

Das Gebiet sei schnell gewachsen, aber es gebe keinen Kern. Die Frage stellte sich also: „Wie ein Quartier schaffen?“ Als Lill im April 2020 mit ihrer Arbeit begann, war eine Sozialraumanalyse coronabedingt kaum möglich, erinnerte die Quartiersmanagerin. Sie führte eine schriftliche Umfrage durch – und heraus gekommen sei, dass sich viele Menschen engagieren wollen und über ein Zentrum freuen. Das Ziel entstand, Neu und Alt zu verbinden und dafür zu sorgen, dass sich das Quartier gut und stabil entwickeln kann.

Projekte

Der Quartierstreff in der August-Bauer-Straße 3 wurde im September vergangenen Jahres eröffnet. Dort befindet sich auch das Quartiersbüro von Brigitte Lill, wo sie offene Sprechzeiten anbietet, donnerstags sogar bis 20 Uhr, wie sie auf Nachfrage von Irmgard Lorenz (Grüne) erklärte. Außerdem werde stets ein Monatsplan mit Angeboten aufgehängt. Mittlerweile gibt es ein regelmäßiges Quartierscafé. Auch ein Büchertisch wurde etabliert, es gibt Naturräume und eine Nachbarschaftshilfe. Im Winter fand ein Adventsmarkt statt. Dienstags werden die Räume zum Treffpunkt zum Austausch für Geflüchtete aus der Ukraine. „Ich bin öfter dort, es ist erstaunlich, was sich entwickelt. Sie haben es so weit gebracht, das ist erfreulich“, lobte Thomas Harms (FDP). Es wird zudem ein Deutsch- Brückenkurs angeboten, außerdem hat sich ein offener Nähkreis entwickelt. Demenz im Quartier ist ebenfalls ein Thema. „Für alle Altersgruppen ist etwas dabei“, freute sich Birgit Hinze- Rauchfuss (UFW). Matthias Dirrigl hob die sehr gute Vernetzung hervor – und schlug vor, auch das Projekt „Mitten im Leben“ miteinzubeziehen, das an der Römerstraße entstehen wird.

Finanzierung

Die Stelle der Quartiersmanagerin wurde vom Caritasverband für den Landkreis Lörrach in Kooperation mit der städtischen Wohnbau geschaffen. Dank der Unterstützung der Deutschen Fernsehlotterie konnte die Stelle 2021 um zwei weitere Jahre verlängert werden. Die Wohnbau stellt die Räume mit Quartierstreff und Quartiersbüro inklusive Ausstattung und Infrastruktur zur Verfügung. Der Caritasverband trägt mit Unterstützung der Fernsehlotterie die Personalkosten und Kosten für Arbeitsmittel. Von der Stadt war ein sogenannter Negativbescheid nötig. Das bedeute, die Stadt erklärte, über keine Mittel für die Stelle zu verfügen, signalisierte aber ihre Kooperationsbereitschaft. „Man sollte es vielleicht eher Bedürftigkeitserklärung nennen“, meinte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz. Lill hofft, dass die Finanzierung auch über 2023 hinaus gesichert werden kann.

Sie befinde sich auch im engen Austausch mit der Friedlinger Quartiersmanagerin Sonia Bekhoucha-Held. „Wir träumen von einem Konzept für Weil. Es braucht starke Netzwerke“, betonte Lill. Sie stellt sich ein Quartier auch als Lernort vor.

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