Weil am Rhein Ein Wichtelzwerg mit Freude

Die Hobbyfilzerin Claudia Steimer-Kraft Foto: Alisa Eßlinger Foto: Weiler Zeitung

Beim Filzen denken Menschen an platte Blumen oder klumpige Hausschuhe, doch Claudia Steimer-Kraft beweist das Gegenteil: Die Hobby-Filzerin kreiert kleine Feen, Zwerge oder auch bekannte Helden aus Kinderbüchern wie Pippi Langstrumpf und Räuber Hotzenplotz.

Von Alisa Eßlinger

Weil am Rhein-Haltingen. Inspiration für ihre Woll-Kreationen findet Claudia Steimer-Kraft in vielen Kinderbüchern oder Illustrationen. Aber auch aktuelle Themen wie der Schutz der Bienen inspirieren sie zum Aufwerten eines Nadelkissens durch eine Wollbiene. „Das, was mich anspringt, muss einfach ausprobiert werden“, erklärt Steimer-Kraft.

Seit mittlerweile zwölf Jahren arbeitet Steimer-Kraft mit Wolle und ist immer noch begeistert von dem Natur-Produkt. „Die meisten glauben es gar nicht, aber man kann so viel mit Wolle machen“, erklärt sie. Außerdem könne sie beim Filzen am Besten entspannen – nebenbei wird dann noch ein Hörbuch gehört oder ein Krimi geschaut.

Bereits Autoren wie Daniela Drescher oder Gisela Bauer sind auf die Woll-Künstlerin aufmerksam geworden und fragten, ob Steimer-Kraft nicht ihre kleinen Buch-Helden filzen könne, damit sie diese auf den Lesereisen mitnehmen können.

Auch die Kinderbuchabteilungen der Stadtbibliotheken Brombach und Weil am Rhein wurden mit ihren Woll-Figuren aufgewertet. Beim Kunstwerkermarkt in Holzen ist die Haltingerin auch schon ein fester Bestandteil – auch wenn ein Stand „sehr viel Arbeit ist“. Doch sie mache es, um Menschen eine Freude zu bereiten und direkt Reaktionen der Menschen einzufangen. „Ich bekomme sehr viel Wertschätzung von den Menschen zurück. Das streichelt wiederum meine Seele“, erklärt die 52-Jährige. Außerdem könne sie sich nicht das Haus mit Kinderbuchfiguren vollstellen, scherzt sie.

Die Geschichte des Wichtelzwergs

Begonnen hatte die Filz-Passion, als ihr Sohn in den Kindergarten kam. „Plötzlich hatte ich so viel Zeit.“ Trotz Freizeit fiel es ihr schwer, ohne ihren Sohn zu sein. Einer Freundin ging es ähnlich, so trafen sich die zwei Frauen zum Filzen. Die ersten Figuren waren „Waldorf-Feen“. Schnell entwickelten sich aus den Feen auch Zwerge. Um die Eingewöhnungszeit leichter und den Kindern eine Freude zu machen, versteckten die Freundinnen die Figuren im Kindergarten. Damit nicht genug, wollten die Mütter auch noch kleine Nachrichten dazu stecken. Nur wollten sie nicht mit ihrem eigenen Namen unterschreiben. „Wichtelzwerg“ sollte es sein, und so entstand auch das Synonym für Steimer-Kraft. Eine gute Bekannte, Beate Rupp, illustrierte dann das Symbol hinter dem Namen: ein Wichtelzwerg auf einer Schnecke.

Aus Wolle entsteht eine Puppe

Die Puppen bestehen aus einem Draht-Skelett, das mache die Figur beweglicher. Steimer-Kraft passt die Drahtstärke je nach Größe und Stabilität des Charakters der Figur an. Je nachdem sind die Puppen zwischen 26 und 30 Zentimeter groß. Danach kommt das Volumen des Köpers dran. Dabei verwendet Steimer-Kraft normale Füllwolle, die zum Stopfen von Kuscheltieren genommen wird. „Es funktioniert, wie beim Haareverknoten“, erklärt sie. Die Nadeln haben Widerhaken und durch die Reibung verhakt sich die Wolle ineinander. „Wenn man sich sticht, dann tun die Nadeln ganz schön weh“, gibt die Haltingerin zu. Es sei definitiv kein Hobby für kleine Kinder.

Sobald der Grundkörper steht, wird die Puppe „angezogen“. Feinere und gefärbte Wolle wird dabei mit einer Bürste auf den Körper kardiert. „Manche Farben stelle ich mir auch selber zusammen.“ So ist das grau einer kleinen Maus nicht gleich grau: „Ich versuche möglichst authentisch zu arbeiten, so dass die Tiere natürlich wirken.“

Neben den Figuren kreiert Steimer-Kraft auch Schultüten oder Märchenmobile. Allerdings alles nur auf Anfrage, denn sie habe schließlich kein Unternehmen, das wolle sie auch nicht: „Ich filze aus Spaß und die meisten Figuren sind Unikate.“

Gerne in Grenzgebieten unterwegs

So schön Steimer-Krafts „heile Welt“ der Puppen auch ist, beruflich ist die Filzerin eher mit „Grenzsituationen“ konfrontiert. Denn sie arbeitet als Kinderkrankenschwester auf einer Intensivstation. Dort habe sie erfahren, wie wichtig Fantasie und Bücher für die Kinder sind.

Für ihre Schützlinge habe sie noch keine Tiere gefertigt. „Die Wolle ist leider nicht ganz sauber, daher haben sie in einem Krankenhaus nichts verloren.“ Mit einer Ausnahme: Mit Arbeitskollegen zusammen habe sie kleine Engel für Kinder gefilzt, die besonders viel Schutz brauchten: „Wir haben das natürlich abgesprochen. Und manche Eltern nehmen die Engel auch als Erinnerung mit“, berichtet Steimer-Kraft.

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