Weil am Rhein Eine aufregende Zeit

 Foto: zVg/Nils Wüchner

Nach acht Jahren im Leistungssport hat die 18-jährige Weilerin Louisa Gasenzer genug: Im Oktober beendete sie offiziell ihre Volleyballkarriere. „Ich hatte mein ganzes Leben danach ausgerichtet und möchte mich jetzt mehr auf mich konzentrieren“, sagt sie. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt sie auf Erfolge und Höhepunkte, aber auch Verletzungen und Verzicht zurück.

Weil am Rhein. Zuletzt war Gasenzer länger als ein Jahr am Ellbogen verletzt und konnte eine komplette Saison nicht spielen. Sie fing dann zwar wieder an, bemerkte aber sofort im Alltag erneut die Beeinträchtigung, erzählt sie. Dann habe sie den Entschluss gefällt, mit dem Leistungssport aufzuhören. „Für die erste Liga hätte es vermutlich ohnehin nicht gereicht. Und ich habe in den acht Jahren so viele Erfahrungen sammeln dürfen.“ Außerdem stand sie zu diesem Zeitpunkt kurz vor den Abschlussprüfungen in ihrer Ausbildung zur Justizfachangestellten, die sie in Stuttgart absolviert, wo sie seit fünf Jahren lebt.

Als erstes ein Probetraining

Wie alles begann: „Mein Onkel hat mich damals zum Volleyballspielen motiviert.“ Nach einem Probetraining beim Volleyballclub Weil spielte sie ungefähr ein Jahr lang dort, bis ihr Trainer Rolf Thomann sie einem Verein in Aesch in der Schweiz empfahl. „Dort habe ich dann auch mit dem Leistungssport angefangen, hatte zunächst drei Mal die Woche Training, dann fünf Mal, plus die Spiele am Wochenende“, erinnert sich die Sportlerin. In Aesch spielte sie in der zweithöchsten Mannschaft. „Für die erste Mannschaft war ich einfach noch zu jung und unerfahren.“

Gasenzer gehörte auch dem südbadischen Kader an, dann dem baden-württembergischen – und nach einer Sichtung des deutschen Kaders wurde sie in die Jugend-Nationalmannschaft einberufen. Einer ihrer Höhepunkte. „Die Lehrgänge waren eine wirklich tolle Erfahrung. Und ich bin viel herumgekommen und durfte andere Kulturen kennenlernen, unter anderem in Polen, Italien und Holland.“ Auch einfach nur die Hymne gemeinsam zu singen war für die junge Sportlerin eine besondere Erfahrung.

Als Teil der Nationalmannschaft wurde ihr empfohlen, auf ein Sportinternat zu wechseln. „Dort wird man besser unterstützt.“ Also ging sie mit 15 Jahren von zu Hause weg nach Stuttgart – ein großer Schritt, so ganz ohne Familie und Freunde. „Ich hatte zwar meine Volleyballkollegen, aber da herrscht auch Konkurrenzdenken.“ Außerdem hätten die meisten aufs Gymnasium gewechselt, während sie den Realschulabschluss machte. „Dann musste ich mich alleine zurechtfinden.“ Allerdings sei sie dankbar für die gewonnene Selbstständigkeit.

Im Sportinternat stand neben dem normalen Unterricht mehrmals am Tag Training auf dem Programm, auch Krafttraining. „Für Freizeit blieb keine Zeit. Es gab viele Geburtstagsfeiern am Wochenende in der Heimat, die ich absagen musste. Ich hatte wenig soziale Kontakte und musste viele Abstriche machen. Aber das macht man ja auch gerne, wenn es einem Spaß macht.“

Gasenzer spielte dann in der dritten Bundesliga und im vergangenen Jahr in der zweiten Bundesliga. „Aber ich war oft verletzt und das war für mich auch ein Punkt, aufzuhören: Ich will mehr auf meinen Körper achten.“ Die Belastung sei sehr hoch gewesen, auch mental: „Der Leistungsdruck ist hoch und dann gab es eben diesen Konkurrenzkampf.“ Dem wollte sie sich nicht mehr aussetzen.

In Stuttgart bleiben

Im Januar wird die Weilerin ihre Ausbildung abschließen. Dank einer Vereinbarung ließ sich diese sehr gut mit ihrem Sport unter einen Hut bringen. „Alle waren sehr kulant und haben mich sehr unterstützt. Ich wurde für Training oder Spiele freigestellt, sonst hätte das nicht funktioniert.“ Nach dem Abschluss will sie in Stuttgart bleiben. „Ich habe mich hier gut eingelebt.“

Bereits seit einiger Zeit wohnt Gasenzer in einer WG. „Hier ist mein Lebensmittelpunkt. Natürlich habe ich meine Familie in Weil am Rhein, aber jetzt kann ich ja auch wieder öfter hinfahren“, freut sie sich. Hobbymäßig würde sie gerne weiter Volleyball spielen. „Aber erst brauche ich ein bisschen Abstand. Und zur Zeit geht coronabedingt ja ohnehin nichts.“ Deshalb will die junge Frau ihre freien Wochenenden genießen und die Zeit anders nutzen.

Dennoch erinnert sie sich gerne an ihre Erlebnisse: „Bei der deutschen U18-Meisterschaft im vergangenen Jahr sind wir Vizemeister geworden“, freut sie sich. Im gleichen Jahr wurde Gasenzer mit ihrer Mannschaft auch Bundespokalsieger. „Und eben ein Teil der National-Mannschaft zu sein: Diese drei Erfahrungen würde ich als meine größten Erfolge bezeichnen.“

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