Weil am Rhein Einzigartige Vielfalt mit 84 Lieblingsbildern

Begeistert eröffnete Vorsitzender Friedrich Resin (rechts, neben ihm Beisitzer Martin Hartung) die sehr individuelle Ausstellung. Foto: Christiane Guldenschuh

Weil am Rhein - Eine Dame bugsiert vorsichtig ein flaches, in Schutzfolie eingewickeltes Paket auf den Stapflehus-Eingang zu. Sie ist dem Aufruf des Kunstvereins gefolgt, der zu seinem Sommerfest die Aktion „Zeig dein Lieblingsbild!“ initiiert hat. Dies konnte „selbst gefertigt oder anderweitig erworben sein, soll mit zwei Händen getragen und mit maximal zwei Nägeln an die Wand gebracht werden können“.

Innen herrscht reges Treiben, einige „Lieblingsbilder“ hängen bereits, andere sind noch eingepackt. Immer mehr Künstler und Kunstfreunde kommen herein, eine Schlange entsteht, sie warten geduldig. Die Aktion begeistert.

Die Mitglieder des Kunstvereins stehen unter Strom. Noch am selben Abend soll die Vernissage stattfinden. Martin Hartung fotografiert die Werke, um sie zuordnen zu können, und Kuratorin Ruth Loibl katalogisiert sie. Ideengeberin Katrin Niedermeier wirbelt durch die drei Ebenen des Stapflehus. Mit geschultem Blick hält sie das Bild einmal hierhin, einmal dorthin, sucht einen möglichst wirkungsvollen Platz, schaut zu Peter Bosshart – der nickt, schlägt Nägel in die Wand und richtet das Bild aus. Es ist eine Besonderheit: Besucht man sonst fertig arrangierte Ausstellungen, so konnte man diesmal live die Entstehung miterleben.

Besser hätte die Lücke nicht gefüllt werden können, die aufgrund einer ausgefallenen Ausstellung spontan entstanden war. Kunstbegeisterte, regionale und überregionale bis hin zu Laienkünstlern brachten ihre Lieblingsbilder, mit verschiedenen Techniken gemalt, Aquarelle, mit Acryl/Wachs, Tusche oder Strukturpaste hergestellt, auch Fotografien. Die Bilder sind auf Keilrahmen, in schnörkeligen Holzrahmen eingefasst, Landschaftsbilder ebenso wie abstrakte Kunst, mittendrin ein Kinderbild, düstere Farben wie auch bunte, wilde Kleckse, bunte Quadrate. Es ist eine einzigartige Vielfalt.

„Hängst du schon?“, ruft Rolf Erhardt fröhlich seiner Bekannten zu und meint natürlich ihr Lieblingsbild. Erhardt hat mit „Rötteln“ des Tumringer Malers August Veil aus den 40er Jahren wohl das älteste Werk mitgebracht.

Begeisterte Beteiligte

Das Lieblingsbild von Ruth Loibl mit dem langen Titel „Warum der Wittgenstein ein Asket sein muss und warum der Roth kein Philosoph sein kann“ ist von Dieter Roth: Sie habe gerne Sprache im Bild, und die Umsetzung sei im Gegenzug zum strengen Philosophen Wittgenstein geradezu anarchisch. Ein anderes Werk heißt dagegen ganz einfach „Bild“ von Ted Davis und ist eine lange Aneinanderreihung von Fotomotiven.

Silvia Cipra-Krey hat mit „New York“, berührt von Udo Jürgens‘ Lied, die Skyline festgehalten. Bernd Warkentin präsentiert mit „Flechte“ einen wochenlangen Schaffensprozess, in dem er alle Windungen der Pflanze naturgetreu festgehalten hat. Zu Thomas Bosserts Lieblingsbild gehört „M4-Twins“, das „mysteriös wirkt und meinem surrealen Schaffen entspricht“. Auch das Artensterben ist Inhalt eines Werkes: Mit „Gestern waren sie noch da…“ will Sigrid Schaub zum Nachdenken anregen. Und Hebbi Stahl liefert mit „Altwil in der Verbesserung“ einen humorigen Beitrag. Die weiteste Reise hatte die „Linke Hand“ von Mia Westec aus Falkenhagen in Brandenburg.

Schließlich eröffnete Kunstverein-Vorsitzender Friedrich Resin die Ausstellung: 84 Lieblingsbilder haben den Weg ins Stapflehus gefunden, was die Gäste mit großem Jubel quittierten. Mit etwa 30 hatten sie gerechnet. Es sei toll, dass viele ein Lieblingsbild haben, freute sich Resin. Auch Martin Hartung war begeistert: Man wusste ja nicht, was und wer kommt. Es sei wie in der Stadt; man wisse nie, wem man begegne: „Schön, dass wir uns hier begegnen.“ Anschließend durften die Gäste ihr Lieblingsbild wählen. Mit je vier Stimmen gab es schließlich zwei Gewinner, „Psychedelic Bees“ von Max Kehm und „Mutterglück“ von Inge Gründel-Pfaff. Beide dürfen ein Jahr lang kostenlos Mitglied im Kunstverein sein.

 Info: Die Ausstellung kann noch am Wochenende, 27./28. Juli, Samstag 15 bis 18, Sonntag 14 bis 18 Uhr, besucht werden.

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