Weil am Rhein Eltern sehen nur schwaches Licht am „Tunnelende“

Aus der eigentlich geplanten energetischen Sanierung des Gemeinschaftsschul-Gebäudes ist eine Komplettsanierung geworden. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Totalsanierung des Gemeinschaftsschul-Gebäudes sorgt für Unverständnis und Verärgerung bei den betroffenen Eltern. Schüler leiden an Lern- und Konzentrationsproblemen, der Krankenstand des Lehrerkollegiums hat sich während der lärmintensiven Bauarbeiten erhöht und für die Schulleitung ist der Punkt des Zumutbaren überschritten. Die Stadtverwaltung will die Kommunikation mit den Eltern verbessern, nachdem diese bei einem Info-Abend deutlich auf Defizite aufmerksam gemacht haben.

Die Eltern können nicht verstehen, dass trotz der vielen unvorhergesehenen Probleme an der Sanierung festgehalten wurde. Das machen Susanne Streff, Sprecherin des Schul-Fördervereins, und Cornelia Zimmermann, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende, im Namen der beiden Gremien gegenüber unserer Zeitung deutlich.

Kritik an mangelnden Infos

„Die Eltern sind zudem verärgert, dass erst so spät zu einer Informationsveranstaltung eingeladen wurde“, erklären beide im Nachgang des Info-Termins über die Bauschritte und den Stand der Baumaßnahmen mit der Stadt, der jetzt stattfand. Ein früherer Termin sei vorgesehen gewesen, erklärt Hauptamtsleiterin Annette Huber in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung. „Leider haben sich Zeitplan und Ablauf der Sanierungsmaßnahme grundlegend verändert.“ Es sei das Bestreben der Verwaltung gewesen, erst einen neuen belastbaren Plan abzustimmen und nicht mit relativ vagen Planungen an die Eltern heranzugehen. „Anfragen der Eltern wurden aber regelmäßig beantwortet.“

Die Schadstoffbelastung

Schüler und Lehrer würden sich seit eineinhalb Jahren in einem schlechten Raum- und Arbeitsklima aufhalten müssen, was die Eltern als „unzumutbar“ bewerten. Die Stadt hat nach Meinung der Elternschaft „unzureichend“ über die Schadstoffbelastung informiert. Daher werde darauf gedrängt, diese Belastung weiterhin durch Sachverständige prüfen zu lassen.

Hauptamtsleiterin Huber verweist darauf, dass die kaschierten Mineralfasern sowie vorhandene asbesthaltige Platten komplett entfernt wurden. „Die danach erfolgten Messungen haben in diesen Bereichen auch keine Belastungen mehr ergeben.“ Beim Thema PCB seien in den Räumen die Fugen/Quellen entfernt worden, die bisher zugänglich waren. „Diese Arbeiten wurden nie bei Schulbetrieb durchgeführt.“ Die verbliebenen Fugen würden jetzt im Zuge der Sanierung entfernt. „Bei den Messungen nach den ersten Sanierungsschritten wurden bereits geringere Werte gemessen.“ Alle Werte würden deutlich unter dem Interventionswert von 3000 ng/qm liegen, die höchsten Werte der letzten Messung lagen laut Huber zwischen 340 und knapp 840 ng/qm.

Lärm macht krank

Seit den Sommerferien komme noch eine enorme Lärmbelästigung hinzu, halten die Elternvertreter fest. „Viele der Kinder haben dadurch Lern- sowie Konzentrationsprobleme und schlechtere Leistungen als vorher“, betonen die Elternsprecher.

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen seien definitiv gegeben, bemerkt auch Schulleiter Burkhard Keller die Folgen bei den Schülern. Ob aber schlechtere Leistungen die Folge seien, sei wegen der sich verändernden Lernentwicklung der Schüler schwer zu sagen. Lärm sei aber „nicht förderlich“.

Die Phasen der starken Lärmbelastung haben jedenfalls vor und nach den Herbstferien zu einem höheren Krankenstand im Kollegium geführt. Der Krankenstand war laut Keller 25 Prozent höher ausgefallen als ansonsten üblich.

Schulleitung am Anschlag

Nicht nur um die Schüler, sondern auch um die Schulleitung, also Burkhard Keller und seinen Stellvertreter Dieter Steininger, sorgen sich der Elternbeirat und der Förderverein. „Diese müssen neben ihren umfangreichen pädagogischen Aufgaben zusätzlich als Bauleiter agieren, was eine enorme Mehrbelastung bedeutet.“ Hier sei eine Entlastung notwendig.

„Die Grenze des Zumutbaren ist überschritten. Ich bin mit einem Drittel bis zur Hälfte des Tages mit Sanierungstätigkeiten beschäftigt. Es ist eine extrem hohe Belastung“, schildert Schulleiter Keller. Hier hofft er auf eine größere Unterstützung durch die Stadt.

Es sei immer wieder eine enge Abstimmung mit der Schule erforderlich, so Huber. Dass die Schulleitung sehr stark gefordert ist, sei der Stadt bewusst. „Wir werden nach dem jetzt erfolgten Start der tatsächlichen Sanierungsarbeiten unsere Präsenz an der Schule noch weiter erhöhen und zu festen Zeiten an der Schule sein, damit die Beteiligten immer einen Ansprechpartner des Bauherren vor Ort haben“, verspricht die Hauptamtsleiterin.

Blick nach vorne

Die Kommunikation mit den Eltern soll zudem verbessert werden. In drei bis vier Monaten werde es einen weiteren Elterninfoabend und bis dahin einen regelmäßigen „Bau-Newsletter“ für die Eltern geben. Diese hoffen erst einmal auf eine zügige Fertigstellung, wobei man noch genauer hinsehen und die Stadt an ihren Versprechen messen werde. Doch: „Wir sehen derzeit ein nur sehr schwaches Licht am Ende des Tunnels.“

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