Weil am Rhein Endlichkeit soll enttabuisiert werden

Nichts ist gewisser als der Tod. Unausweichlich ist jeder Mensch früher oder später mit dem Thema konfrontiert. „Der ,Memento-Tag’ soll einen Raum schaffen, wo Sterben nicht nur traurig ist und das eigene Leben einem wieder bewusst wird“, erklärt Trauerberaterin Sabrina Steiner zu der Idee des neuen Gedenktags, der am Donnerstag auch im Theater am Mühlenrain begangen wird.

Von Alisa Eßlinger

Weil am Rhein . „Wir schätzen das Leben und die Gesundheit erst, wenn man beides nicht mehr hat. Dann bereuen wir, nicht bewusster gelebt zu haben“, weiß Sabrina Steiner auch aus eigener Erfahrung. Die 32-Jährige hat vor vier Jahren ihre Mutter verloren, und kurz danach verlor sie ihren Job. Weitere Verluste folgten nach kurzer Zeit: Ihr Opa und ihr Schwiegervater verstarben.

Für sie war das keine leichte Zeit, und nur zu gut weiß sie, dass Menschen nach einem Trauerfall häufig isoliert und unter stetigem Druck sind, zu funktionieren. „Die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir ein Jahr trauern und danach dann bitte nicht mehr. Die Akzeptanz fehlt.“ Viele wüssten nicht mehr, wie sie mit Trauernden oder mit der eigenen Trauer umgehen sollen. Der Tod sei im Alltag zu einem Tabu-Thema geworden – das müsse sich ändern, findet Steiner.

Dem wollen die Veranstalterinnen mit Hilfe des „Memento-Tags“ unter dem Motto „end-lich leben“ entgegen wirken: „Wir wollen Menschen zusammenbringen. Einen Ort schaffen, wo sich Trauernde verstanden fühlen und austauschen können. Eben einen ersten Kontakt zum Thema Verlust und Tod zu schaffen“, erklärt Steiner.

Den „Memento-Tag“ hat Iris Willecke ins Leben gerufen. Sie und die anderen Veranstalterinnen haben sich über eine Gruppe auf der Internet-Plattform Facebook kennengelernt.

Raum für Miteinander

Eine Veranstaltung findet am Donnerstag, 8. August im Theater am Mühlenrain (TAM) in Weil am Rhein statt. Im Zuge dessen liest Antje Gruber aus ihrem ersten Buch „Wer jammert, bleibt draußen“. Darin berichtet sie über die letzten gemeinsamen Momente und Erfahrungen mit ihrer Mutter, bevor diese an Lungenkrebs starb. Zwischen der Lesung wird Trauerrednerin Laura Schröer musizieren. Dies soll Raum für zu Gedanken und Gefühle schaffen.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und dauert bis 21 Uhr. Danach ist Zeit für Gespräche mit den Veranstaltern oder den Austausch mit anderen Anwesenden.

„Der Abend ist nicht nur für Menschen, die einen direkten Verlust erlitten haben, sondern für jeden, der wieder einen Schritt ins Leben wagen will.“ Alle Gefühle, auch die Angst vor dem eigenen Tod, sollen abgebaut werden. Gerade die jüngere Generation solle das Tabu brechen. „In der Zukunft haben wir genug andere Herausforderungen zu bestreiten. Eine weniger kann nicht schaden“, meint Steiner.

Die Trauerzeit sei sehr wichtig für die Verlust-Verarbeitung, da man sonst körperlich krank werden könne. Doch nur bis zu einem gewissen Punkt: Das eigene Leben soll dabei nicht vergessen werden. Der Schritt zurück ins Leben und sogar wieder glücklich zu werden, könne vielen Angst machen. Trauernde würden sich dabei selbst unter Druck setzen mit der Frage „Darf ich das?“. „Sich selber und auch andere sollte man nicht verurteilen. Jeder hat seinen eigenen Weg, mit Trauer umzugehen. Jedoch sollte die eigene Fürsorge dabei nicht zu kurz kommen“, erklärt Steiner.

Die Enttabuisierung von Tod und das Ansprechen der Endlichkeit soll helfen, eine Veränderung im gesellschaftlichen Miteinander zu bewirken.

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