Weil am Rhein Er wollte mitreden können

Saskia Scherer
Wolfgang Roth-Greiner (FDP) kandidiert nicht mehr. Foto: Saskia Scherer

Bei der Kommunalwahl am 9. Juni treten mehrere Weiler Gemeinderäte nicht mehr an. Einer von ihnen ist Wolfgang Roth-Greiner (FDP). Über die Jahre hat er viele Projekte begleitet.

Der langjährige FDP-Stadtrat blickt im Gespräch mit unserer Zeitung zurück auf seine Zeit im Rat.

Sie können insgesamt 18 Jahre im Weiler Gemeinderat vorweisen – hätten Sie anfangs gedacht, dass Sie so lange Teil des Gremiums sein werden?

Ich war ja in verschiedenen Phasen Mitglied des Gemeinderats – zunächst als Nachrücker für Karl-Heinz Niechoj. Bei der Firma, bei der ich arbeitete, wusste ich aber nie, wo es mich hinverschlägt. Mein Beruf führte mich dann für zwei Jahre nach München und für viereinhalb Jahre nach Düsseldorf – bis zu meiner Pension. Zurück in Weil, wurde ich dann bei der nächsten Kommunalwahl gewählt. Ich habe drei Oberbürgermeister erlebt – Otto Boll, allerdings nicht in seiner aktiven Zeit, Peter Willmann und Wolfgang Dietz. Nun folgt die vierte – Diana Stöcker, die ich relativ gut kenne.

Wieso haben Sie sich damals für den Gemeinderat aufstellen lassen?

Ich wollte mitreden können. Die Dreiländerecke hat mich fasziniert und ist für mich das Herausragende. Ich bin auch heute noch überzeugter Europäer.

Und nun reicht es Ihnen?

Ich bin jetzt 79 Jahre alt und werde im März 80. Es reicht. Seit ich 15 Jahre alt bin, habe ich Politik gemacht. Wir haben ja eine Mischung aus jüngeren und älteren, aus erfahrenen und unerfahrenen Kandidaten – jetzt sind sie am Zug.

Sie hatten bereits vor fünf Jahren angekündigt, 2024 nicht noch einmal anzutreten – und gehofft, bis dahin mitgeholfen zu haben, dass sich die Verkehrsverhältnisse in Weil verbessert haben werden und mehr bezahlbarer Wohnraum entstanden ist. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Was den Verkehr angeht: Das ist sehr schwierig in Weil mit der langgezogenen Hauptstraße. Durch die Zollfreie wurde viel erreicht, auch die Nordwestumfahrung hat einiges gebracht. Aber den Verkehr kriegt man nicht ganz raus aus der Stadt. Wir wollen ja auch die Kaufkraft aus dem Umland hierher holen. Das Thema Wohnraum ist ein großes Problem in Deutschland. Die Zuwanderung ist wahnsinnig hoch – und wir brauchen die Arbeitskräfte auch für unsere Wirtschaft. Aber was in der Welt passiert, wird noch ganz andere Raten an Zuwanderung mit sich bringen. Aber was den bezahlbaren Wohnraum in Weil angeht, hätte gar nicht viel mehr passieren können.

Welche Projekte in der 3-Länder-Stadt lagen Ihnen in den verschiedenen Legislaturperioden besonders am Herzen?

Das wirtschaftliche Wachstum haben wir in Weil ganz gut hinbekommen. Aber eine Stadt wird nie zu Ende sein. An den Schulen und in den Kindergärten gibt es zu wenig Plätze. Zum Glück haben wir damals das Oberrhein-Gymnasium gebaut. Auch das Thema Verkehr war mir sehr wichtig. Der Durchstich wird lange Utopie bleiben – so wichtig er wäre. Und auch die Fortführung der Nordwestumfahrung nach Friedlingen fehlt noch. Sehr wichtig finde ich außerdem, dass die Rheinhafengesellschaft weiter wachsen kann. Zudem liegt mir die Bürgerstiftung sehr am Herzen: Sie tut sehr viel Gutes, das kann man gar nicht genug unterstützen. Sehr positiv hat sich Friedlingen verändert: Es ist nicht mehr der Hotspot, was die Kriminalität angeht. Dort wurde sehr viel gemacht.

Und bei welchen Abstimmungen hätten Sie sich ein anderes Ergebnis gewünscht?

Mit der Verlängerung der Tram  8 bin ich gar nicht einverstanden. Am Läublinpark befinden sich weit und breit keine Parkplätze. Auch ein Magnet auf dieser Seite fehlt. Die Tram ist bis jetzt eine Erfolgsgeschichte – aber die Fortführung ist für mich mit vielen Fragezeichen versehen. Die Fußgängerzone wäre, so wie sie angedacht war, illusorisch gewesen. Da kann man Weil auch schlecht mit Basel oder Lörrach vergleichen.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit der Weiler Stadtverwaltung?

Insgesamt sehr gut. Das macht vieles einfacher. Die Verwaltung ist aktuell sehr spärlich besetzt, manches können wir uns nicht leisten. Aber die Verwaltung geht sehr auf den Gemeinderat ein. Auch die Zusammenarbeit im Rat ist parteiübergreifend gut. Und Oberbürgermeister Wolfgang Dietz hat wirklich exzellente Arbeit geleistet.

Welche Herausforderungen warten auf den neuen Weiler Gemeinderat?

Das neue Gremium wird alte Probleme übernehmen müssen. Das Thema Verkehr ist ein Dauerbrenner. Die Flüchtlingsunterbringung ist ebenfalls ein Thema. Und wie finanziert man das Ganze? Vieles wird auf Bundes- oder Landesebene beschlossen, aber die Kommune oder der Stadtteil müssen es ausbaden. Es gilt, die Kosten für die kommenden Generationen zu senken. Dahingehend war der frühere Kurs, die Verschuldung zu reduzieren, sehr richtig und klug.

Sie sind seit mehr als 60 Jahren in der FDP. Wie sind Sie überhaupt zu den Freien Demokraten gekommen?

Mein Adoptivvater und meine damalige Gemeinschaftskundelehrerin haben mich zum Liberalen gebracht. Mein Elternhaus war liberal geprägt, und in der Schule haben wir über das Thema Liberalismus diskutiert. So wurde der Weg für mich geöffnet.

Wolfgang Roth-Greiner

Der 79-Jährige
stammt aus Zweibrücken, wo er auch schon Vorsitzender der Jungdemokraten war. 1978 fand er mit seiner Frau Anita eine neue Heimat in Weil am Rhein. Elfeinhalb Jahre lang führte der frühere Landesgeschäftsführer von Wacker Chemie in der Schweiz den Weiler FDP-Ortsverband. Insgesamt 18 Jahre lang ist er im Weiler Gemeinderat. Der FDP gehört er seit mehr als sechs Jahrzehnten an.

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